75 Tote in Libyen

Ex-Generalmajor: “Säuberungsaktion” gegen Milizen

Ausland
18.05.2014 14:54
Die eigenmächtige Militäroperation eines Ex-Generalmajors gegen islamistische Milizen hat in Libyen mindestens 75 Menschen das Leben gekostet. Wie die Nachrichtenagentur Al-Tadhamun am Wochenende unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete, wurden weitere 141 Menschen bei den Kämpfen zwischen Soldaten und Milizionären am Freitag in Bengasi verletzt.

Der frühere Generalmajor Khalifa Haftar kündigte lokalen Medien zufolge im libyschen Fernsehen an, die Hafenstadt "säubern" zu wollen. Aus Furcht vor neuer Gewalt und Luftschlägen verhängte die Armeeführung ein Flugverbot.

Zur jüngsten Eskalation in der Unruheregion kam es, als Angehörige der libyschen Armee in der östlichen Stadt ohne Anweisung des Generalstabs mit Sitz in Tripolis zwei Stützpunkte islamistischer Milizen angriffen. Den Befehl für die Militäroperation gab der abtrünnige Militärangehörige Haftar, der bereits im vergangenen Frühjahr erfolglos versucht hatte, die Regierung zu stürzen. Bei den Kämpfen in Bengasi soll auch ein Hubschrauber zum Einsatz gekommen sein. Der Flughafen bleibt laut offizieller Nachrichtenagentur LANA noch bis Montag geschlossen.

Anschlag auf Radiosender
Am Samstag kam es in der Stadt erneut zu Zwischenfällen. Libyschen Medien zufolge gab es einen Anschlag auf einen Radiosender der islamistischen Brigade Ansar al-Sharia. Ein islamischer Geistlicher, der die Gruppe unterstützte, sei in seinem Haus getötet worden. In der Stadt seien die Geschäfte geschlossen, die Menschen blieben in ihren Häusern, hieß es.

Bengasi galt zu Beginn des Aufstands gegen den früheren Machthaber Muammar al-Gadafi als Wiege der Revolution. Aus den damaligen "Revolutionsbrigaden" sind schwer bewaffnete Milizen geworden, die nicht bereit sind, ihre Macht wieder abzugeben. Im September 2012 kamen in der Stadt der US-Botschafter Christopher Stevens und drei weitere Diplomaten bei einem Angriff ums Leben.

Osten Libyens rechtsfreier Raum
Der Osten Libyens hat sich inzwischen zu einem weitgehend rechtsfreien Raum entwickelt. Bisher blieb die Übergangsregierung in Tripolis bei dem Versuch, die Milizen zu entwaffnen oder in den Sicherheitsapparat einzugliedern, überwiegend erfolglos.

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