Prozess im Sudan

Christin wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt

Ausland
15.05.2014 12:44
Ungeachtet internationaler Appelle ist im Sudan eine junge Christin wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Ein Richter in der Hauptstadt Khartum verurteilte Meriam Jahia Ibrahim Ishak am Donnerstag zum Tod durch Erhängen. Die Frau, nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten 27 Jahre alt und schwanger, wurde christlich erzogen und weigerte sich, zum Islam "zurückzukehren".

"Wir haben Ihnen drei Tage gegeben, um zu widerrufen, aber Sie haben darauf beharrt, nicht zum Islam zurückzukehren", begründete Richter Abbas Mohammed al-Chalifa das Todesurteil gegenüber der jungen Christin, die er bei ihrem muslimischen Namen nannte.

"Ich bin Christin und habe niemals Gotteslästerung begangen"
Zuvor habe ein islamischer Geistlicher etwa eine halbe Stunde mit Ishak auf der Anklagebank gesprochen, berichteten Beobachter des Prozesses. Anschließend habe die Frau dem Richter äußerlich unbewegt gesagt: "Ich bin Christin und habe niemals Gotteslästerung begangen."

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurde Ishak von ihrer Mutter christlich-orthodox erzogen, ihr muslimischer Vater habe die Familie verlassen. Neben Gotteslästung wurde die 27-Jährige auch zu 100 Peitschenhieben wegen Ehebruchs verurteilt - aufgrund ihrer Ehe mit einem christlichen Südsudanesen.

Internationale Appelle blieben unbeachtet
Der Fall hat international Besorgnis ausgelöst. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten die Botschaften der USA, Kanadas, Großbritanniens und der Niederlande an die Regierung des Sudan, das "Recht auf Religionsfreiheit, darunter das Recht auf einen Glaubenswechsel, zu respektieren". Dieses Recht sei in der sudanesischen Übergangsverfassung von 2005 und in den internationalen Menschenrechten verbrieft, hieß es in der Erklärung, die allerdings im Sudan unbeachtet blieb.

Der sudanesische Informationsminister Ahmed Bilal Osman sagte nach dem Schuldspruch gegen Ishak, Konversion sei in allen muslimischen Ländern verboten. Osman widersprach zudem Angaben von Menschenrechtsaktivisten, wonach Christen im Sudan zuletzt verstärkt Repressionen ausgesetzt gewesen seien.

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