Wirr und gewalttätig
Boko-Haram-Chef ist radikalen Islamisten zu brutal
Geboren im Nordosten Nigerias irgendwann zwischen 1965 und 1975, erhielt Shekau eine traditionelle islamische Ausbildung im Bundesstaat Borno, wo vor mehr als einem Jahrzehnt Boko Haram von dem Geistlichen Mohammed Yusuf gegründet wurde. Nach einem Treffen mit Yusuf schloss sich Shekau der sektenartigen Gruppe an, die sich vorwiegend aus jungen Muslimen zusammensetzt. Sie sehen in säkularer Bildung und westlichen Werten die Ursache für die Korruption und lähmende Armut in Nigeria.
Boko Haram lässt sich in etwa mit "westliche Bildung ist verboten" übersetzen, doch lehnt die Gruppe selbst diesen Namen ab. Sie bezeichnet sich lieber als "Jama'tu Ahlis Sunna Lidda'awati wal-Jihad" (Vereinigung für die Verbreitung der Lehren des Propheten und den Heiligen Krieg). Ursprünglich zielte sie auf die Schaffung eines islamischen Staates im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias ab. Doch nach der Tötung ihres Gründers Yusuf durch die Polizei 2009 gab sein Nachfolger Shekau ihr eine radikale Richtung.
"Boko Haram ist unter Shekau rücksichtsloser geworden"
"Mit Shekau am Steuer ist Boko Haram rücksichtsloser, gewalttätiger und zerstörerischer geworden", schrieb die International Crisis Group (ICG) im April. Die Radikalität Shekaus wird womöglich am besten dadurch illustriert, dass sich selbst die Islamistengruppe Ansaru, die wiederholt Videos mit der Hinrichtung entführter Ausländer veröffentlichte, von ihm distanzierte. Laut dem ICG-Bericht missbilligte die Boko-Haram-Abspaltung "die wahllosen Morde und Shekaus Mangel an Takt".
Während die von Yusuf geforderte Einführung des islamischen Rechts der Scharia in Teilen der zutiefst konservativen Bevölkerung im Nordosten geteilt wurde, stößt die wahllose Gewalt Shekaus viele ab. Seine Leute metzelten nicht nur die Einwohner ganzer Dörfer nieder, sondern töteten auch schutzlose Schüler im Schlaf und entführte Mädchen. Neben Polizei, Militär und Behörden griff die Gruppe auch Kirchen und Schulen an. 2012 verübte sie zudem einen blutigen Anschlag auf das UNO-Hauptquartier in der Hauptstadt Abuja.
Nach dem Angriff spekulierten Experten, Shekau und andere Kommandanten könnten Verbindung zu ausländischen Terrorgruppen haben und womöglich in Algerien oder Somalia ausgebildet worden sein. Bestätigt wurde dies zwar nicht, doch im März 2013 erklärte die US-Regierung Boko Haram zur "globalen Terrorgruppe" und setzte ein Kopfgeld von sieben Millionen Dollar (5,4 Millionen Euro) auf Shekau aus. Im August gab es Gerüchte, er könnte getötet worden sein, doch trat er später erneut in Videos auf.
Shekau: "Genieße, jene zu töten, die zu töten Gott befiehlt"
Viele seiner öffentlichen Äußerungen sind wirr - so drohte er kürzlich der verstorbenen britischen Premierministerin Margaret Thatcher und auch dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. Seine Motive und Ziele geben oft Rätsel auf, doch Experten sagen, ein Zitat aus einem seiner ersten Videos 2012 öffne womöglich einen Einblick in seine Gedankenwelt. "Ich genieße es, jeden zu töten, den zu töten Gott mir den Auftrag gibt", sagte Shekau darin, "so wie ich es genieße, Hühner oder Hammel zu töten."
Trotz weltweiter Proteste gegen den Terror in Nigeria setzt Boko Haram ihre Angriffe fort. Bei einem Attentat auf einer Brücke im Norden des Landes starben am Donnerstag 30 Menschen. Der Bombenanschlag ereignete sich im Dorf Gamboru Ngala an der Grenze zu Kamerun, berichtete die Zeitung "Punch".
US-Experten beteiligen sich an Suche nach Mädchen
Mehrere Länder haben Nigeria bereits Unterstützung zugesagt, darunter die USA, Großbritannien, China und Frankreich. Jene US-Experten, die den Behörden bei der Suche nach den entführten Mädchen helfen sollen, trafen am Freitag in Abuja ein, wie eine Sprecherin der US-Botschaft bestätigte. Sie äußerte sich nicht über die Zusammensetzung der Gruppe, doch war zuvor aus US-Regierungskreisen verlautet, es würden Militärexperten sowie Fachleute des Justizministeriums und der Bundespolizei FBI entsandt.
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