Im November geriet ein bekannter Landwirt in die Schlagzeilen. Die Vorwürfe einer Tierschutzorganisation wogen schwer: Mitarbeiter sollen die Tiere im Schweinestall massiv gequält haben. Es wurde Anzeige erstattet, nun zieht auch das AMA-Gütesiegel die Reißleine.
Die Videos aus dem niederösterreichischen Stall gingen unter die Haut: Heftige Stromstöße gegen die Tiere, Schläge mit einem Haken, Ferkel werden durch den Gang getreten. Besonders widerwärtig: Ein Mitarbeiter pinkelt einem Schwein einfach auf den Schädel.
Nachdem der Gutsbesitzer in einer ersten Reaktion die veröffentlichten Aufnahmen und die Seriosität des „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) infrage stellte, wurden in weiterer Folge die involvierten Mitarbeiter entlassen. Gegen sie dürfte ein Verfahren wegen Tierquälerei laufen.
Aber die Folgen sind nun doch weitreichender als ein paar fristlose Kündigungen. Nach dem Aufkommen der Vorwürfe Ende letzten Jahres hatte die AMA externe Kontrolleure entsandt. „Es besteht kein Vertragsverhältnis mehr“, bestätigte eine Sprecherin der Agrarmarkt Austria (AMA) am Freitag einen Bericht des ORF Niederösterreich.
Wortkarg
Als Entscheidungsgrundlagen wurden Stellungnahmen vom betroffenen Hof sowie vom Betriebstierarzt eingeholt. Nun ist das Unternehmen nicht mehr ins Qualitätsprogramm der AMA eingebunden, damit ist auch das Gütesiegel weg. Weitere Details wurden von der Sprecherin mit Verweis auf rechtliche Gründe nicht genannt.
Tierschützer erfreut
„Die Taten auf unseren Videos des Schweinemastbetriebs zeugen von völliger Respektlosigkeit den Tieren gegenüber. Deshalb begrüßen wir den Entzug des Gütesiegels. Das ist für uns auch ein Beweis, dass die Vorwürfe vollinhaltlich stimmen, obwohl sie vom Betreiber zurückgewiesen wurden und er uns als terroristische Vereinigung bezeichnet hat, der man nicht glauben soll“, so Kampagnenleiter Georg Prinz vom VGT, der die üblen Bilder zugespielt bekommen hat und nach eingehender Prüfung auch veröffentlichte.
Zur Kenntnis genommen
Der geschäftsführende Eigentümer selbst ist derzeit für keine Stellungnahme zu erreichen. Sein Büro lässt in seinem Namen ausrichten, dass man über den „vorübergehenden Entzug des Vertrauens“ seitens der AMA informiert wurde: „Dies müsse man zur Kenntnis nehmen, wenn auch mit Bedauern.“
Künstliche Intelligenz soll helfen
Weiters: Seit Bekanntwerden der Vorwürfe sei man personell und strukturell umgehend aktiv geworden, auch über die geltenden Standards hinaus. Ein international anerkannter, promovierter Tierwohlexperte etwa prüfte noch im alten Jahr den Betrieb und stellte umgehend ein gutes Zeugnis über die Herde und das Tierwohl aus. Derzeit laufen die letzten Vorbereitungen für eine KI-unterstützte Messung über eine Videosoftware, die rund um die Uhr das Tierwohl analysieren soll.
„Man wird und soll uns nicht nur an unseren Versprechen, sondern unseren Taten und nun auch Daten messen. Das schafft dann die Grundlage einer Wiederausstellung des Gütesiegels, wovon wir ausgehen“ so ein Mitarbeiter des Betriebes.
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