Eklat in Washington

Wegen Trump: Top-Komponist sagt Weltpremiere ab

Kultur
29.01.2026 23:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Es sollte ein musikalisches Zeichen zum amerikanischen Jubiläumsjahr werden – nun wird es zum politischen Statement: Der weltberühmte US-Komponist Philip Glass hat die geplante Uraufführung seiner 15. Symphonie „Lincoln“ im Kennedy Center in Washington abgesagt. Begründung: Die aktuelle Führung des Hauses stehe in direktem Widerspruch zu den Werten, für die sein Werk stehe.

Glass, einer der einflussreichsten zeitgenössischen Komponisten und eine zentrale Figur der Minimal Music, erklärte, dass er die Premiere nach „gründlichen Überlegungen“ zurückziehe. Die Symphonie sei ein Porträt Abraham Lincolns, und die heutigen Werte des Kennedy Centers stünden im Konflikt mit der Botschaft des Werkes. Unter der aktuellen Leitung könne er die Uraufführung nicht verantworten, schrieb der 88-Jährige in einer öffentlich verbreiteten Stellungnahme.

Werk mit prominenter Vorlage
Die 15. Symphonie trägt den Titel „Lincoln“ und bezieht sich auf eine Rede des jungen Abraham Lincoln aus dem Jahr 1838, die sogenannte „Lyceum Address“. Darin warnte der spätere Präsident vor innerem Verfall, Lynchjustiz und den Gefahren für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Ein berühmtes Zitat aus dieser Rede – wonach Amerika sich nicht von außen, sondern nur durch sich selbst zerstören könne – bildet den geistigen Kern des Werkes.

Trump im rigorosen Umbenennungswahn
Hintergrund der Absage ist der politische Umbau des Kennedy Centers seit Donald Trumps Rückkehr ins Präsidentenamt. Im Februar 2025 ließ sich Trump vom Board of Trustees zum Vorsitzenden des Direktoriums ernennen, entließ die langjährige Präsidentin Deborah Rutter sowie weitere Führungskräfte und setzte den Diplomaten Richard Grenell als Interimspräsidenten ein. Zugleich äußerte Trump scharfe Kritik an aus seiner Sicht „woken“ Programmen des Hauses und kündigte eine Neuausrichtung an.

Die Maßnahmen sorgten international für Proteste. In den vergangenen Monaten sagten zahlreiche bekannte Künstlerinnen und Künstler ihre Auftritte im Kennedy Center ab, darunter Issa Rae, Béla Fleck, Renée Fleming, die Martha Graham Dance Company, Stephen Schwartz sowie das Musical „Hamilton“. Philip Glass reiht sich nun als einer der prominentesten Namen in diese Liste ein.

Kennedy Center wehrt sich
Das Kennedy Center reagierte mit deutlicher Kritik. Eine Sprecherin erklärte, Politik habe in der Kunst keinen Platz; Boykottaufrufe aus politischen Gründen seien die falsche Entscheidung. Auch das National Symphony Orchestra, das gemeinsam mit dem Kennedy Center Auftraggeber der Symphonie war, zeigte sich überrascht. Geschäftsführerin Jean Davidson erklärte, man habe zeitgleich mit der Presse von Glass’ Entschluss erfahren.

Die abgesagte Premiere war für Juni geplant und sollte das Herzstück des Programms „250 Years of Us“ sein, mit dem das Kennedy Center den 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit begehen will. Glass’ Entscheidung fand weit über die USA hinaus Beachtung und wird als leise, aber deutliche Mahnung verstanden – gegen eine politische Vereinnahmung kultureller Institutionen.

Philharmoniker spielen trotzdem
Während viele internationale Künstler dem Haus fernbleiben, schlagen andere einen anderen Weg ein. Die Wiener Philharmoniker etwa wollen ihren geplanten Auftritt im März nicht absagen. Das Orchester erklärte, das Konzert sei seit Jahren geplant und vertraglich fixiert.

Man trete im Rahmen einer US-Tournee und anlässlich des 250-Jahr-Jubiläums der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten auf und verstehe die Konzerte als „musikalischen Gruß Österreichs an alle Menschen, die Musik lieben“. Trotz politischer Spannungen setzten die Philharmoniker bewusst auf die verbindende Kraft der Musik.

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