Sachsen vs. Wikinger

Schlachtensimulator “War of the Vikings” im Test

Spiele
29.04.2014 11:00
Nach "War of the Roses" aus dem Jahr 2012 hat Paradox Interactive nun mit "War of the Vikings" abermals ein Schnetzelgame für all jene veröffentlicht, die ihren Gegnern lieber mit Streitaxt und Schwert zu Leibe rücken, statt sie mit modernen Waffen zu durchsieben. Das Multiplayer-Game versetzt PC-Spieler ins Frühmittelalter, wo sie in packenden Schlachten das mittelalterliche England der Sachsen gegen heranstürmende Wikingerhorden verteidigen - oder als plündernder Nordmann in ebenjenes einfallen dürfen. Ob das Game einen Platz im Walhalla der Computerspiele verdient, klärt unser Test.

Eine Story im herkömmlichen Sinne hat "War of the Vikings" nicht. Tatsächlich versteht sich das Game als historische Kriegssimulation der Schlachten im England des frühen Mittelalters, als friedliebende Bauern in ständiger Angst vor einfallenden Horden plündernder, brandschatzender und marodierender Wikinger leben mussten. Die Schlachten zwischen den Angelsachsen und den Nordmännern werden hier in vier verschiedenen Multiplayer-Modi nachgespielt: Arena, Eroberung, Offene Feldschlacht und Team Deathmatch.

Während sich in der Arena kleinere Trupps von je drei Spielern vermöbeln, treten in der offenen Feldschlacht größere Teams gegeneinander an. Dabei gilt: Wer einmal ins virtuelle Gras gebissen hat, muss bis zur nächsten Runde warten. Bei der Eroberung und dem Team Deathmatch erscheint man nach einem virtuellen Tod hingegen wieder am Spielfeld – und misst sich mit insgesamt bis zu 64 Spielern. Schade: Ein Duellanten-Modus, in dem man sich mit einem einzelnen Gegner misst, fehlt.

Die Übersicht bleibt schnell auf der Strecke
"War of the Vikings" klingt nicht nur ein wenig nach "Battlefield" im Mittelalter, es spielt sich auch so. Insbesondere der Eroberungs-Modus mit umkämpften Kontrollpunkten erinnert stark an den Shooter-Hit, nur eben mit Streitäxten, Schwertern, Schilden, Lanzen, Wurfäxten und Bögen. 

Dass man über weite Strecken des Spiels mit Nahkampfwaffen agiert, hat allerdings einen gravierenden Nachteil: Die Scharmützel werden schnell unübersichtlich. Allzu oft findet man sich inmitten eines kämpfenden Mobs wieder – und drischt blind mit der Waffe um sich und verliert dabei den Kopf, ohne zu wissen, durch wen.

Die mangelnde Übersicht und die eher träge Steuerung erwiesen sich im Test als die größten Schwächen in Paradox' Wikinger-Epos. Während man in Zweikämpfen noch recht gezielt mit der linken Maustaste und einer Bewegung in die gewünschte Richtung präzise Schläge austeilen und durch die gleiche Vorgangsweise mit der rechten Maustaste blocken kann, treiben einen die Massenschlachten regelmäßig zur Verzweiflung.

Wilde Keilereien und taktische Eroberungen
Sehr viel mehr, als sich wild um sich schlagend ins Getümmel zu stürzen und zu hoffen, möglichst viele Gegner zu treffen, tut man gerade auf eher engen Karten mit vielen Spielern anfangs kaum. Auf solchen Karten hat man es allerdings auch als Fernkämpfer nicht leicht: Wer abseits steht, wird sofort von all jenen ins Visier genommen, die auf einen übersichtlichen Zweikampf statt des Gemetzels im Mob hoffen. Das wilde Durcheinander, in das sich gerade Nahkämpfer werfen müssen, hat im Test auch immer wieder die Köpfe von Verbündeten gekostet: Die Klinge, mit der man ins Feld zieht, unterscheidet nämlich nicht zwischen Freund und Feind.

Besser wird es, wenn man durch Glück auf einen Server gelangt, auf dem die Spieler bedacht zur Sache gehen und nicht wild drauflos rennen. In kleinen Teams, sogenannten Rotten, kann man durchaus auch in kleineren Gruppen etwas ausrichten. Kämpfer mit Schild, die Durchgänge blockieren und unter Beschuss geratene Kameraden in Schutz nehmen; Hilfsbereite, die verwundeten Kollegen wieder auf die Beine helfen; Speerkämpfer, die aus der zweiten Reihe todbringende Stöße austeilen, und Berserker, die dem Gegner mit der mächtigen Zweihandaxt in die Flanke fallen: All das ist grundsätzlich möglich, braucht aber Disziplin und Erfahrung seitens der Spieler. Disziplin, die auf zusammengewürfelten Servern oft fehlt.

Geht man taktisch vor und lässt sich auf die mittelalterlichen Schlachten ein, kann "War of the Vikings" also einen gewissen Reiz entfalten. Stürmen die Spieler aber wild aufeinander, wird es schnell unübersichtlich und ungemütlich. Das ist schade, insbesondere weil Paradox bei "War of the Vikings" mit viel Liebe zum historischen Detail vorgegangen ist. Das fängt bei den authentischen Waffen – es gibt eine Vielzahl verschiedener Hieb- und Stichwaffen, Bögen und Speere – an, zieht sich durch die prächtigen Rüstungen und ansehnlichen Charaktermodelle und endet bei den liebevoll designten Schlachtfeldern.

Hübsche Schauplätze, hölzerne Animationen, guter Sound
Mal wird in einem herbstlichen Wald gekämpft, mal in einer felsigen Schlucht, zwischendurch trifft man auf mittelalterliche Dörfer und sogar einen Gletscher – an Abwechslung mangelt es den Schauplätzen ebenso wenig wie an Details. An den nicht immer hochauflösenden Texturen, den Partikel- und Reflexionseffekten und den Animationen der Charaktere lässt sich hingegen Kritik äußern. Vor allem Letztere wirken mitunter ein wenig hölzern, was in Kombination mit der trägen Steuerung zum Teil das Gefühl aufkommen lässt, der eigene Recke laufe wie ein Betrunkener.

Nett: Wer viele Schlachten schlägt, schaltet nach und nach weitere Rüstungs- und Ausrüstungsgegenstände frei, die den eigenen Charakter noch furchteinflößender erscheinen lassen. Echten Einfluss auf den ausgeteilten Schaden haben die Upgrades aber nicht. Dafür gibt's mit der Zeit freischaltbare Spezialfähigkeiten, mit denen man beispielsweise mehr Schaden austeilt, Gegner aus dem Hinterhalt niederstreckt oder mit dem Bogen Brandpfeile verschießt.

Beim Soundtrack setzt Paradox auf mittelalterliche Stücke, die sich sehr gut in die Gesamtkulisse einfügen, im Lärm der Schlacht aber gerne untergehen. Auch die Umgebungsgeräusche – von den Schlachtrufen der Recken, über die Geräusche aufeinanderprallender Schwerter bis hin zu vor Schmerz jaulenden Getroffenen – sind gut getroffen.

Fazit: Am Ende ist "War of the Vikings" ein solide gemachtes Multiplayer-Game im unverbrauchten Mittelalter-Setting, das allerdings mit teils deutlichen Schwächen bei der Steuerung und der Übersichtlichkeit kämpft. Wer Interesse an historischen Schlachten und ein Faible für derartige Games hat, kann trotzdem durchaus seine Freude damit haben – vor allem angesichts des Budget-Preises von 20 Euro. Für alle anderen taugt es zweifellos für das eine oder andere Scharmützel zwischendurch, dauerhaft werden sie dem Mittelalter-Epos aber wohl nicht die Treue halten.

Plattform: PC 
Publisher: Koch Media/Paradox Interactive
krone.at-Wertung: 7/10

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