Lebte in Lanzenkirchen

Tochter von Marie Antoinette als Touristenmagnet

Niederösterreich
25.01.2026 12:30

Viele kennen den 4430-Seelen-Ort Lanzenkirchen nur als Autobahnabfahrt nahe Wiener Neustadt. Dass hier jedoch im Ortsteil Frohsdorf die Tochter des französischen Bourbonenkönigs Ludwig XVI. und seiner Frau Marie Antoinette und ihr Neffe fast 40 Jahre im Schloss Frohsdorf lebten, weiß kaum jemand.

Und auch nicht, dass dieser Neffe eigentlich der nächste französische König hätte werden sollten ....

Das will man jetzt ändern und in Lanzenkirchen ist man gerade dabei, die Geschichte mit Hilfe des renommierten niederösterreichischen Historikers Günter Fuhrmann für Touristen ansehenswert aufzubereiten. Und die Pläne dafür sind schon ziemlich ausgereift – bereits im Juni sollen die ersten Reisebusse mit interessierten Tagestouristen anreisen. Und zu sehen gibt es einiges. 

Warum eigentlich lebten die Bourbonen im Frohsdorfer Exil?
Marie Thérèse Charlotte de Bourbon war die älteste Tochter von Frankreichs König Ludwig XVI und Marie Antoinette, die im Jahr 1793 im Zuge der Französischen Revolution durch die Guillotine hingerichtet wurden. Mehr als drei Jahre verbrachte auch sie damals als Teenager in Gefangenschaft in Paris. Als damals einzige Überlebende der Familie wurde sie im Jahr 1795 mit 17 Jahren im Zuge eines Gefangenenaustausches nach Wien zu ihren Verwandten gebracht. Denn Marie Thérèse war die Enkelin „unserer“ Maria Theresia, die im Jahr 1780 starb.

1837 erwarb sie Schloss Frohsdorf und machte es von 1844 bis 1883 zum Exilsitz der französischen Bourbonen, denn eine Rückkehr nach Frankreich nach Ende der Monarchie war ihnen nicht möglich. Dabei war auch die verkehrstechnische Lage ausschlaggebend, denn schon 1842 verband die Südbahn Wien mit Gloggnitz.

Historiker Günter Fuhrmann, Vizebürgermeisterin Sabina Doria und Bürgermeister Berhard ...
Historiker Günter Fuhrmann, Vizebürgermeisterin Sabina Doria und Bürgermeister Berhard Karnthaler (v.l.n.r.) erarbeiten gerade gemeinsam ein Konzept, wie das spannende Thema der Bourbonen noch mehr Tagesgäste nach Lanzenkirchen bringen kann.(Bild: Doris Seebacher)
Die französiche Krone der Bourbonen ziert den Kreisverkehr in Lanzenkirchen.
Die französiche Krone der Bourbonen ziert den Kreisverkehr in Lanzenkirchen.(Bild: Doris Seebacher)
Informative Schautafeln am „Bourbonenweg“ gibt es bereits seit zwölf Jahren in Lanzenkirchen. ...
Informative Schautafeln am „Bourbonenweg“ gibt es bereits seit zwölf Jahren in Lanzenkirchen. Derzeit wird daran gearbeitet, die historischen Schauplätze noch präsenter für Touristen aufzubereiten.(Bild: Doris Seebacher)
Das Schloss selbst ist leider nicht zugänglich, da es sich in Privatbesitz befindet. Bis auf die ...
Das Schloss selbst ist leider nicht zugänglich, da es sich in Privatbesitz befindet. Bis auf die Kapelle erinnert im Schloss selbst jedoch nichts mehr an das Leben von Marie Thérèse und Graf Chambord.(Bild: Doris Seebacher)
Interessante Schautafeln zur Geschichte der Französischen Bourbonen führen bereits seit zwölf ...
Interessante Schautafeln zur Geschichte der Französischen Bourbonen führen bereits seit zwölf Jahren zu verschiedensten Schauplätzen ihres Wirkens.(Bild: Doris Seebacher)

Neffe „Graf Chambord“ wäre beinahe nächster König Frankreichs geworden
Gemeinsam mit ihrem Neffen Graf Chambord (Henri d’Artois) und seiner Frau und Hofstaat von etwa 80 Leuten lebten und wirkten sie bis zu Graf Chambords Tod im Jahr 1883 in dieser Region. Graf Chambord kam dabei eine besonders wichtige historische Rolle zu, war er doch der letzte im Exil lebende französische König. Was bedeutete, wäre die Monarchie wieder nach Frankreich zurückgekehrt, dann hätte er unter dem Namen „Heinrich V“ den Thron bestiegen. „Für jene Menschen, die damals noch an die Monarchie glaubten, war er der König“, erklärt Historiker Fuhrmann.

Marie Thérèse und Graf Chambord hatten viel bewirkt in dieser Zeit. „Marie Thèrèse ließ die Leithadämme bauen, weil sie sagte, wenn die Leute Arbeit haben, dann gibt es keine Revolution“, nennt Fuhrmann als Beispiel. Beide setzten sich auch für Bildung ein und so kam es damals schon zur Gründung der Mädchenschule Sta. Christiana und zehn Jahre später auch zur Gründung einer eigenen Knabenschule.

Womit sollen geschichtsinteressierte Touristen angezogen werden?
„Die Geschichte der französischen Bourbonen soll inspirieren und den Tagestourismus ankurbeln“, freut sich Bürgermeister Bernhard Karnthaler bereits jetzt auf zahlreiche Besucher. So wird im Gemeindeamt als erste Anlaufstation ein eigenes Museum eingerichtet. Denkmäler wie die Mariensäule, die Kirche und der Friedhof, auf dem zahlreiche Mitglieder des damals königlichen Hofs begraben sind, die Privatschule Sta. Christiana, der ehemalige königliche Reitstall, die Felixkapelle und natürlich der Schloßplatz, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf das Schloss hat, werden weitere Stationen für geschichtsinteressierte Gäste sein.

„Auch Touristen aus Frankreich möchten gerne sehen, wo ihre Angehörigen begraben sind und wie sie damals hier gelebt haben“, hofft der Bürgermeister auch auf zahlreiche Gäste aus der Grande Nation.

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