Volvo schließt auf zu den brandneuen Premium-Elektro-SUVs BMW iX3 und Mercedes GLC: Der EX60 hat seinen Einstand als viertes reines Elektro-SUV der Marke gegeben. Optisch vertraut, aber nicht gestrig, technisch revolutionär.
Mit der Premiere erreicht Volvo gleichsam eine kritische Wegmarke auf seiner Roadmap zur Emissionsnull. Die Skandinavier wollen möglichst schnell vollständig elektrifizieren und stellen dafür ihrem langjährigen Bestseller XC60 jetzt ein vollelektrisches Äquivalent an die Seite. Den harten Elektro-Schnitt scheuen die Schweden jedoch und belassen den Erfolgsgaranten XC60 im selben Segment vorerst als Mild- und Plug-in-Hybrid im Programm.
Revolution in der Produktion
Er ist das erste durch und durch reine E-Fahrzeug der zum chinesischen Geely-Konzern gehörenden Marke, das ab April im heimischen Stammwerk Torslanda vom Band läuft und Vertreter einer neuen Autogeneration, die konsequent für den Batterieantrieb ausgelegt ist. Zugleich ist er der erste Volvo, der im Mega-Casting gebaut wird. Ein Verfahren, bei dem Hunderte kleiner Einzelkomponenten durch ein einziges großes Aluminiumgussteil ersetzt werden. Das reduziert Materialeinsatz und damit Kosten sowie Gewicht, verbessert umgekehrt Effizienz, Reichweite und CO₂-Bilanz.
Zudem ist die Architektur von Beginn an auf kontinuierliche Verbesserungen und Over-the-Air-Updates ausgelegt. Mit Blick auf die holprige Einführung des großen Elektro-SUV EX90, dessen Marktstart sich wegen Problemen mit der komplexen Elektronik immer wieder verzögert hatte, zeigt sich Volvo diesmal zuversichtlich. Die enge Verzahnung von Hardware und Software habe man mit gereifter Technik und klarer Update-Strategie vollständig im Griff. Auch die Batterie ist als strukturelles Element integriert. Die Zellen liegen im Fahrzeugboden (Cell-to-Body), was Steifigkeit und Crashsicherheit verbessert.
EX60 überragt den XC60
Während die Technik komplett auf den Kopf gestellt wurde, wirkt die Karosserie vertraut. Optisch bleibt Volvo nah am bekannten Auftritt, um die Zielgruppen nicht mit zu viel Veränderung auf einmal zu konfrontieren. Mit 4,80 Metern Länge, kurzen Überhängen und einer sanft abfallenden Dachlinie wirkt das SUV kompakt, zugleich aber dynamischer als der XC60. Ein geglättetes Frontdesign, bündig integrierte Glasflächen, rahmenlose Türen und aerodynamisch gestaltete Türgriffe im Finnen-Design drücken den Luftwiderstand, sorgen für niedrige Windgeräusche sowie einen effizienten Energiehaushalt. Das (nicht zu öffnende) Panorama-Glasdach bringt zusätzlich Licht in den Innenraum und betont den loungeartigen Charakter.
Drei Antriebe zur Wahl
Beim Antrieb setzt Volvo auf drei Leistungsstufen. Einstieg ist der EX60 P6 mit Hinterradantrieb und 80 kWh Akku, darüber rangieren die Allradmodelle P10 und P12 mit 91 kWh bzw. 112 kWh großen Stromspeichern. Je nach Variante reicht das Leistungsspektrum von 275 kW/374 PS bis 500 kW/680 PS, das Drehmoment von 480 bis 790 Nm. Entsprechend variieren die Fahrleistungen: Der Standardsprint liegt zwischen 5,9 und 3,9 Sekunden, die WLTP-Reichweite zwischen 620 und 810 Kilometern. Das Höchsttempo ist auf 180 km/h begrenzt.
Alle Versionen nutzen eine 800-Volt-Architektur. An geeigneten Schnellladesäulen lassen sich mit bis zu 370 kW in rund zehn Minuten bis zu 340 Kilometer nachladen, in 19 Minuten geht es von 10 auf 80 Prozent. Ein intelligentes Ladeprogramm sorgt dafür, dass die Batterie vor dem Stopp vorkonditioniert wird, um die hohe Ladeleistung möglichst lange halten zu können. Für unterschiedliche Ansprüche bietet Volvo drei Antriebsvarianten, die jeweils in den Ausstattungslinien Plus und Ultra erhältlich sind; die Einstiegslinie Core folgt zu einem späteren Zeitpunkt.
Interieur mit gebogenem Bildschirm
Im Innenraum folgt der EX60 konsequent dem Prinzip des „Software Defined Vehicle“. Ein ungewohnt konvex gebogener, breiter 15-Zoll-OLED-Touchscreen dominiert die Mittelkonsole, ergänzt von einem volldigitalen 11,4-Zoll-Fahrerdisplay. Premiere feiert eine dialogorientierte KI auf Basis von Google Gemini, die über natürliche Sprache Navigation, Klima oder Fahrzeugfunktionen bedient und dank OTA-Updates ständig erweitert werden kann.
Richtig viel Stauraum und Komfort
Trotz Hightech-Fokus bleiben die praktischen Tugenden erhalten. Mit 2,97 Metern Radstand und bis zu 634 Litern Kofferraumvolumen bei stehender Rückbank bietet der EX60 reichlich Platz für Familie und Freizeit. Hinzu kommt ein Frunk mit bis zu 85 Litern, eine dreigeteilt umklappbare Fondsitzlehne, zahlreiche Ablagen und bis zu 21 Getränkehalter. Hochwertige, teils recycelte Materialien, ein aufwendiges Ambientelicht und ein optionales Bowers-&-Wilkins-Soundsystem mit bis zu 28 Lautsprechern sollen für Lounge-Atmosphäre sorgen.
Auch bei der Sicherheit setzt der EX60 auf Hightech. Fünf Radare, fünf Kameras und zwölf Ultraschallsensoren liefern Daten an einen zentralen Rechner und ermöglichen ein breites Spektrum an Assistenzsystemen - vom adaptiven Tempomaten und aktiven Spurhalteassistent über Ausweich- und Notbremsfunktionen bis hin zu umfangreichen Querverkehr- und Türöffnungswarnungen. Neu sind multiadaptive Sicherheitsgurte mit mehrstufigen Lastbegrenzern, ein Innenraumradar zur Erkennung vergessener Kinder oder Haustiere, Fahrer-Monitoring und der erweiterte Pilot Assist Plus, der auf Autobahnen bis 130 km/h Lenkbewegungen übernimmt und den Fahrer beim Spurwechsel unterstützt.
Auch Cross Country vorgestellt
Wer es optisch wie technisch noch robuster mag, greift zum EX60 Cross Country mit 375 kW/510 PS starkem 4x4-Antrieb. Die Allroad-Variante kommt mit zwei Zentimetern zusätzlicher Bodenfreiheit, optionaler Luftfederung und einem eigenständigen Look mit verbreiterter Spur, ausgestellten Radkästen und einem Unterfahrschutz aus gebürstetem Aluminium an Front und Heck.
Der vollelektrische EX60 ist ab sofort bestellbar, die Preise in Österreich starten bei 63.490 Euro.
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