24.04.2014 11:34 |

Spion in der Lampe

New Yorker heimlich von smarter Lampe belauscht

Nicht nur Wände, sondern auch Lampen können Ohren haben, wie jetzt zwei New Yorker Künstler demonstrieren: Für ihr Projekt namens "Conversnitch", das am Mittwoch offiziell enthüllt wurde, montierten sie an öffentlichen Plätzen "intelligente Lampen" mit versteckten Mikrofonen, die heimlich Gespräche von Passanten aufzeichneten. Auf Twitter werden die Konversationen letztlich für jedermann lesbar öffentlich gemacht.

Für ihren Spion in Lampengestalt benötigen Kyle McDonald und Brian House lediglich einen Raspberry-Pi-Miniatur-PC, ein Mikrofon, eine LED-Lampe sowie einen Blumentopf aus Plastik, der als Gehäuse dient. Ihren Strom bezieht die weniger als 100 Dollar (72 Euro) teure Konstruktion über eine gewöhnliche Lampenfassung. Dort eingeschraubt, zeichnet das Gerät alle Unterhaltungen auf und überträgt diese per WLAN an Amazons Crowdsourcing-Plattform "Mechanical Turk", wo sie gegen eine geringe Gebühr von Menschenhand übersetzt und auszugsweise auf Twitter veröffentlicht werden.

New Yorker können allerdings aufatmen: House und McDonald achten darauf, dass keine vollständigen Namen, sondern lediglich Initialen in den transkribierten Unterhaltungen aufscheinen. Mit der Aktion wollen die beiden Künstler auf die zunehmende Problematik der Überwachung aufmerksam machen. Ihr Ziel: Eine Paranoia vor der heimlichen Abhörung zu erzeugen.

"Was bedeutet es, eine davon in einer Bibliothek, an einem öffentlichen Platz oder in jemandes Schlafzimmer aufzustellen, und welche Art von Machtverhältnis entsteht dadurch?", fragt House das IT-Magazin "Wired". "Und was würde es bedeuten, wenn die Mitteilungen auf Twitter nicht von einem Künstler, sondern der US-Regierung stammten?"

"Conversnitch" sei lediglich ein Vorgeschmack auf die realen Bedrohungen, denen die Privatsphäre der US-Amerikaner in Zeiten der NSA-Überwachung ausgesetzt sei, argumentieren die beiden Künstler, die mit den Arbeiten zu ihrem Projekt gerade begonnen hatten, als Edward Snowden die Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes aufdeckte. "Brian und ich versuchten, etwas Beängstigendes zu machen, etwas, das dich fragen lässt, ob wir ständig von jemandem beobachtet werden. Und dann sagt Snowden: 'Werden wir.'", schildert McDonald gegenüber "Wired".

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