Verzweifelte Schreie

Augenzeuge: „Sie werfen die Leichen in Container!“

Außenpolitik
13.01.2026 19:00

Wie viele Iraner mussten bereits für ihren Traum von Freiheit sterben? Die Menschen vor Ort können aktuell nur sehr schwer Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen. Jene Bilder, die durchkommen, zeigen das blutrünstige Vorgehen Teherans – während Donald Trump die Demonstranten indirekt zum Umsturz aufruft.

Behördenvertreter im Iran sprachen am Dienstag von rund 2000 Todesopfern. Die genauen Zahlen lassen sich aktuell nicht seriös verifizieren – doch die Bilder sprechen Bände. Seit einigen Tagen feuern Sicherheitskräfte des totalitären Regimes in Teheran mit scharfer Munition auf Demonstranten.

Menschenrechtsorganisationen zufolge werden vor allem junge Menschen regelrecht hingerichtet. Um das Blutvergießen zu verheimlichen, wurde das Internet in weiten Teilen des Landes abgestellt und Ausgangssperren verhängt. Die Proteste im Iran hatten sich vor mehr als zwei Wochen am Zorn über die schlechte Wirtschaftslage entzündet, inzwischen weiteten sie sich zu Massendemonstrationen gegen die Führung in Teheran aus. 

„Sie werfen die Leichen in Container“
Wer auf die Straße geht, riskiert sein Leben. Immer wieder schaffen es Augenzeugenberichte ins Netz. Vor allem in Teheran sollen sich die Leichen in den Straßen stapeln. Der Account „Vahid Online“ auf der Plattform X gilt als ein Sammelbecken für authentische Berichte von Betroffenen vor Ort.

Leichen wurden von der Redaktion unkenntlich gemacht.
Leichen wurden von der Redaktion unkenntlich gemacht.(Bild: Vahid Online/X.com, Krone KREATIV)

In einer der jüngsten Nachrichten eines Augenzeugen heißt es: „Ich bin fast 1000 Kilometer gereist, um Internetzugang zu bekommen und diese Bilder zu verschicken.“ In den aufgenommenen Videos sind Leichensäcke, Verletzte und verstümmelte Körper zu sehen – und zwar so weit das Auge reicht. Die Aufnahmen sind offenbar am Samstag bei einer Klinik im Süden der Stadt entstanden. Berichten zufolge trauen sich Verwundete nicht in Krankenhäuser, weil sie fürchten, verhaftet zu werden.

Auf den Videos sind immer wieder Schreie von Angehörigen zu hören, die verzweifelt nach ihren Liebsten suchen. „Sie werfen die Leichen in Container. Allein an diesem Tag lagen über 2000 Leichen verstreut auf dem Boden. Als wir ankamen, war bereits ein voll beladener Kühlcontainer (...) bereitgestellt worden“, heißt es in der Nachricht weiter.

Die Infografik zeigt die Entwicklung der Massenproteste im Iran von Ende Dezember 2025 bis Mitte Jänner. Die Karten verdeutlichen, dass die Proteste zunächst auf wenige Orte beschränkt waren und sich ab Anfang Jänner stark im ganzen Land ausbreiteten. Nach dem Höhepunkt zwischen 5. und 8. Jänner nehmen die Protestorte wieder ab. Quelle: ISW/Critical Threats.

Exil-Iraner spornen Demonstranten an
Die Witwe des letzten Schahs hat die Sicherheitskräfte im Iran aus dem Exil zum Schulterschluss mit den Demonstrierenden aufgerufen. „Hört die Schreie des Zorns und der Wut der Demonstrierenden. Schließt euch euren Brüdern und Schwestern an, bevor es zu spät ist“, erklärte die 87-jährige Farah Pahlavi am Dienstag im Onlinedienst Telegram. Nichts rechtfertige Blutvergießen.

„Macht euer Schicksal nicht von dem der Mörder abhängig“, schrieb die Schah-Witwe. „Seid stark und glaubt daran, dass ihr bald gemeinsam die Freiheit im Iran feiern werdet und das Licht über die Dunkelheit siegen wird.“ Die Schah-Witwe unterstützte damit Aufrufe ihres in den USA lebenden Sohnes Reza Pahlavi, der in den vergangenen Wochen zu einer Symbolfigur der iranischen Opposition geworden ist.

Der Exil-Prinz wurde jüngst vom Sender CBS über seine Rolle im aktuellen Konflikt befragt (siehe Tweet oben). „Ist es verantwortungsvoll, Bürger im Iran in den Tod zu schicken? Tragen Sie eine gewisse Verantwortung?“, wollte eine Reporterin von Pahlavi wissen. Dieser erklärte: „Dies ist ein Krieg, und Krieg fordert Opfer. Um die Zahl der Todesopfer zu begrenzen und zu minimieren und zu verhindern, dass erneut unschuldige Menschen durch dieses Regime getötet werden, müssen Maßnahmen ergriffen werden.“

Wird Mullah-Regime gestürzt?
Und tatsächlich: Nicht überall wird noch geschossen. In Abdanan winkten Polizisten Demonstranten zu - ein bemerkenswerter Tabubruch. Vor allem westliche Politiker scheinen sicher zu sein, dass das Regime von Ayatollah Ali Chamenei (86) zerfallen wird.

„Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt hier auch gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen“, sagte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz. „Ich hoffe, dass es eine Möglichkeit gibt, diesen Konflikt friedlich zu beenden. Das muss das Mullah-Regime jetzt auch einsehen.“

US-Präsident Donald Trump versicherte zudem am Dienstag, dass „Hilfe“ auf dem Weg sei: „Iranische Patrioten, protestiert weiter! Übernehmt eure Institutionen!“, erklärte er auf seiner Plattform Truth Social. „Sie werden einen hohen Preis zahlen“, schrieb der Republikaner in Richtung des Regimes.

Was genau er damit meint, ist unklar. Zuletzt wurde spekuliert, dass die US-Regierung mithilfe von Elon Musks Starlink den landesweiten Blackout aushebeln könnte. Die EU-Kommission arbeitet nach Angaben ihrer Präsidentin Ursula von der Leyen daran, schon „bald“ neue Sanktionen gegen den Iran auf den Weg zu bringen.

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