Hohe Impfquoten sind Vergangenheit. Ärzte wollen „Impf-Hoheit“ bewahren und sehen Dänemark als Vorbild. Denn man genieße hohes Vertrauen und man will vernünftig, modern und unbürokratisch an Verbesserungen mitwirken. Ein modernes Register mit automatisierten Einladungen und Erinnerungen soll dabei auch helfen.
Impfen in der Apotheke ist die Antwort der Regierung gegen den Verlust der Herdenimmunität. Das werde nicht die Lösung sein, betont die Kurienobfrau der niedergelassenen Mediziner in der Ärztekammer NÖ, Dagmar Fedra-Machacek.
Einst selbstverständlich, werde nun an Schulen von den hunderten Schulärzten wegen komplizierter Haftungsfragen nicht mehr geimpft. „Dabei wäre das mit Impfnachmittagen an Schulen mit zeitnaher Information und Impfung vor Ort im Beisein der Eltern leicht zu organisieren“, meint Kollege Michael Sokol, Leiter des Impfreferats der NÖ-Kammer.
„Bei ihren regulären Einsätzen könnten auch Arbeitsmediziner in Betrieben problemlos impfen. Aber auch sie werden vom System ausgebremst“, beklagt Arbeitsmediziner Christoph Remitsch, dass Impfungen fast immer als freiwillige Leistungen zählen würden.
Neun Länder, neun Kinderimpfprogramme ...
Warum es in neun Bundesländern neun unterschiedliche Kinderimpfprogramme mit neun verschiedenen Tarifmodellen und Administrationen gäbe, verstehe niemand. In Niederösterreich könnten Ärzte ihre Impfleistungen nur nach quartalsweiser Übermittlung von Excel-Listen an die Bezirkshauptmannschaft abrechnen.
Erfolg mit Vertrauen
„Hausärzte genießen größtes Vertrauen. Damit muss eine erfolgreiche Impf-Initiative auch arztzentriert sein. Die Impfberatung ist aber im völlig veralteten ÖGK-Honorarkatalog noch immer nicht abgebildet“, fordert Machacek die Stärkung der ärztlichen Impfberatung und Abbau müßiger Bürokratie. Anstatt die ärztliche Impfberatung honorierend zu verankern, überlasse man dieses Feld Telegram-Gruppen und Impfgegnern. „Dabei kann frühzeitige Information Leben retten – etwa bei RSV, Masern oder Schwangerschaft. Das Rückgrat einer nachhaltigen Impfstrategie ist die niedergelassene Ärzteschaft“, zeigt die Kurienobfrau auf.
Hausärzte genießen höchstes Vertrauen. Eine Impfoffensive wird nur mit uns erfolgreich sein.

Dr. Dagmar Fedra-Machacek, Kurienobfrau Ärztekammer NÖ
Bild: Elias Hartmann
Informations- und Impfangebote müssten insgesamt gestärkt werden. Und zwar in Ordinationen, Spitälern, Schulen, Kindergärten und Betrieben. „Und gerne auch ergänzend in Apotheken“, stört Machacek ein Mehrangebot dort nicht. Nur liege die Lösung für hohe Impfquoten viel mehr in einem modernen elektronischen Impfregister und einem funktionierenden nationalen Erinnerungssystem, wie das Dänemark oder Portugal vorzeige. Dänemark verfüge über ein solches schon seit 2013.
Automatisierte Impf-Erinnerungen
Mit digitalem Impfregister könne ein funktionierendes nationales Erinnerungssystem mit SMS, Briefen, e-Impfpass-Remindern aufgebaut und die Durchimpfungsrate damit messbar gesteigert werden, meint Machacek:„Menschen reagieren auf Einladungen – nicht auf Informationsbroschüren. Und auch hier gilt: Jeder Arztkontakt ist eine Chance.“
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