San Francisco:

Debatte über Robotaxis nach großem Blackout-Chaos

Digital
27.12.2025 18:57
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein massiver Stromausfall in San Francisco in der vergangenen Woche hat auch eine Debatte über die ⁠Sicherheit von Robotaxis in Notfällen entfacht. Nachdem zahlreiche autonome Fahrzeuge des US-Anbieters Waymo den Verkehr blockierten, fordern Experten strengere Auflagen für die Branche.

Sie warnen, dass die Betreiber nachweisen müssten, auch auf Katastrophenfälle wie Erdbeben oder Überschwemmungen vorbereitet zu sein. Ein Feuer in einem Umspannwerk des Energieversorgers PG&E hatte am 20. Dezember einen Stromausfall in San Francisco verursacht, von dem etwa 130.000 Einwohner betroffen waren. In der Folge blieben zahlreiche Robotaxis an Kreuzungen mit eingeschalteten Warnblinkanlagen stehen und behinderten den Verkehr.

Zu viele Anfragen an die Zentrale
Die Google-Schwesterfirma teilte mit, die Fahrzeuge seien zwar darauf programmiert, ausgefallene Ampeln wie Stoppschilder zu behandeln, hätten jedoch in der unübersichtlichen Lage eine Bestätigung von der Zentrale angefordert. Die hohe Zahl der Anfragen habe zu Verzögerungen geführt. Die Robotaxis des Konkurrenten Tesla waren nach Darstellung von Firmenchef Elon Musk nicht betroffen.

Der Vorfall fällt in eine Phase, in der die Branche nach Rückschlägen wie der Einstellung des Betriebs von Cruise nach einem schweren Unfall wieder auf Expansion setzt. Auch Waymo hat nach Jahren des stetigen Wachstums zuletzt stärker expandiert. Die Sparte begann im Jahr 2009 als Projekt bei Google für autonomes Fahren und wurde ⁠2016 ausgeliedert. Inzwischen ist Waymo mit einer Flotte von mehr als 2500 Fahrzeugen neben San Francisco auch in Los Angeles, Phoenix, Austin und Atlanta unterwegs. Die Städte in Kalifornien sind besonders erdbebengefährdet.

„Schuss vor den Bug“
Philip Koopman, Experte für autonome Technologien an der Carnegie Mellon University, sieht die Behörden nach dem jüngsten Vorfall in der Pflicht. „Wenn man bei einem Stromausfall falsch reagiert, handeln die Aufsichtsbehörden nachlässig, wenn sie nicht einen Nachweis verlangen, dass die Betreiber auch ein Erdbeben-Szenario bewältigen können“, sagte er.

Auch Missy Cummings, Leiterin des Robotik-Zentrums der George Mason University, fordert eine stärkere Regulierung der Fernüberwachung. Dabei können menschliche Mitarbeiter bei Bedarf eingreifen. „Der Sinn und Zweck von Fernüberwachung ist, dass Menschen da sind, wenn das System nicht so reagiert, wie es sollte“, sagte Cummings. Die US-Regierung müsse sicherstellen, dass es auch bei katastrophalen Ausfällen Notfallpläne für die Fernsteuerung gebe.

Die kalifornischen Behörden, die für die Zulassung von Robotaxis zuständig ⁠sind, haben reagiert. Sowohl die Kraftfahrzeugbehörde DMV als auch die Regulierungsbehörde CPUC teilten mit, den Vorfall zu untersuchen. Das DMV erklärte zudem, an Vorschriften zu arbeiten, um bei der Fernsteuerung „hohe Standards für Sicherheit, Rechenschaftspflicht und Reaktionsfähigkeit“ zu gewährleisten. Für Experten wie Koopman ist der Stromausfall eine eindringliche Warnung. „Wäre dies ein Erdbeben gewesen, hätte es ⁠ein Problem gegeben“, sagte er. „Das ist nur ein Schuss vor den Bug.“

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