Mitten in Iran-Krise

Putin will Gaslieferungen „jetzt sofort“ stoppen

Außenpolitik
04.03.2026 22:16
Porträt von krone.at
Von krone.at

Inmitten der durch den Iran-Konflikt ausgelösten Energiekrise denkt Kreml-Chef Wladimir Putin eigenen Angaben zufolge darüber nach, die Gaslieferungen in die Europäische Union schon jetzt einzustellen – und damit einem geplanten EU-Embargo zuvorzukommen.

In einem vom Kreml veröffentlichten Interview des russischen Staatsfernsehens sagte Putin, es öffneten sich „andere Märkte“. Möglicherweise sei es für Russland vorteilhafter, „jetzt sofort die Lieferungen für den europäischen Markt einzustellen“. Hintergrund ist das Vorhaben der EU, bis spätestens Ende 2027 vollständig auf Erdgas aus Russland zu verzichten.

Entscheidung noch nicht gefallen
Putin betonte, er denke lediglich laut über eine solche Option nach. Eine Entscheidung sei nicht gefallen. Er habe jedoch die Regierung und Unternehmen beauftragt, einen möglichen Lieferstopp zu prüfen.

Zugleich erklärte er erneut, Russland wolle ein verlässlicher Lieferant bleiben – auch in Europa. Dabei verwies er insbesondere auf „treue Kunden“ wie Ungarn und die Slowakei.

Putin: „Es geht ums Geschäft“
Einen politischen Hintergrund für seine Überlegungen wies Putin zurück. Es gehe um wirtschaftliche Interessen. Wenn die EU ohnehin bald kein russisches Gas mehr abnehme, „ist es besser, jetzt selbst aufzuhören und in die Länder zu gehen, die zuverlässige Partner sind, und uns dort zu etablieren“, sagte er. Die Preistreiberei auf dem Gasmarkt führte er auf eine aus seiner Sicht fehlerhafte Politik der EU zurück.

Angespannter Markt – Gefahr steigender Preise
Ein vorzeitiger Lieferstopp könnte die ohnehin angespannte Lage auf dem Gasmarkt weiter verschärfen. Bereits nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 waren die Energiepreise deutlich gestiegen.

Russland hat seine Gaslieferungen infolge der EU-Sanktionen massiv diversifiziert und vor allem nach China ausgeweitet. Dennoch liefert das Land weiterhin Gas in die EU.

Nach Angaben der EU-Statistikbehörde Eurostat importierte die EU im vergangenen Jahr Flüssigerdgas (LNG) aus Russland im Wert von rund 7,4 Milliarden Euro. Das sind etwa drei Prozent weniger als 2024 (rund 7,6 Milliarden Euro). Insgesamt beliefen sich die LNG-Importe der EU im Jahr 2025 auf rund 46,0 Milliarden Euro. Der größte Anteil – im Wert von etwa 24,2 Milliarden Euro – kam aus den USA.

Die Europäische Union hält an ihrem Ziel fest, spätestens bis Ende 2027 vollständig unabhängig von russischem Erdgas zu sein und sämtliche Importe zu stoppen. Ob Moskau diesem Schritt nun zuvor kommt, bleibt vorerst offen.

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