US-Magazin enthüllt:

Indizien für Kreml-treue Scharfschützen am Maidan

Ausland
30.03.2014 19:15
Die Ermordung von 56 Demonstranten durch Scharfschützen auf dem Maidan-Platz in Kiew führte am 20. Februar zur Eskalation der Ukraine-Krise und dem Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch. Moskau und die ukrainische Übergangsregierung beschuldigen sich gegenseitig, die Killer beauftragt zu haben. Eine US-Nachrichtenseite will nun "starke Indizien" für die Verantwortung des Janukowitsch-Regimes haben.

Der Nachrichtenseite vorliegende Fotos und Videos zeigten Männer der Anti-Terrorismus-Einheit "Alfa Team" des Geheimdienstes SBU, wie sie sich am 20. Februar im Innenhof der SBU-Zentrale "kampfbereit" machten, schreibt das Nachrichtenportal "The Daily Beast" in einem am Sonntag veröffentlichten Artikel. Das Gebäude befinde sich lediglich drei Straßen vom Maidan entfernt. Viele der Männer seien auf den Bildern von "privaten Verteidigungsexperten aus einer Vielzahl von westlichen Staaten" als Mitglieder des "Alfa Teams" identifiziert worden.

Der SBU ist die Nachfolgeorganisation des einstigen Ukraine-Ablegers des sowjetischen Geheimdienstes KGB und gilt bis heute als äußerst Moskau-nahe. Das "The Daily Beast" vorliegende Material zeige "Alfa Team"- und SBU-Mitglieder, "die Körperpanzerung, Helme und andere Ausrüstung anlegen, nach Munition greifen und Scharfschützengewehre sowie umgebaute Sturmgewehre zur Schau stellen".

Einige "Alfa"-Mitglieder trügen "tödliche Splittergranaten". "Nicht die Ausrüstung, die benutzt wird, um Menschenmassen unter Kontrolle zu halten", zitiert die Seite einen "westlichen Militärbeamten".

US-Botschafter sieht "wichtige Indizien"
Der US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt, erklärte gegenüber "The Daily Beast", die Fotos seien "sehr wichtige Indizien für das, was am 20. Februar passierte". Die Fotos und Videos stammen nach Angaben der Seite von "normalen Ukrainern, die mit keiner Regierungsbehörde in Verbindung stehen - weder in der Ukraine noch im Ausland".

Über die Herkunft der Scharfschützen vom Maidan hatte es zuletzt widersprüchliche Angaben gegeben. Ursprünglich hatte es in Berichten aus Kiew geheißen, die Todesschützen würden fast ausschließlich aus den Reihen der damaligen Sicherheitsbehörden und der Bereitschaftspolizei stammen. 

Dann berichtete der estnische Außenminister Urmas Paet in einem Gespräch mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton von Augenzeugen, denen zufolge dieselben Scharfschützen sowohl auf Demonstranten als auch auf Sicherheitskräfte geschossen hätten. Das nährte den Verdacht, radikale Oppositionskräfte könnten für die Gewalt verantwortlich sein - eine Version, die die russische Seite in den vergangenen Tagen vehement unterstützte. Zuletzt erklärte der russische UNO-Botschafter Vitali Tschurkin sogar, die US-Botschaft in Kiew stehe mit den Schüssen in Zusammenhang.

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