Trauer, Wut, Zweifel
“Zeigt uns endlich die Trümmer der Boeing 777!”
Der Zorn richtet sich vor allem gegen die für den Flug verantwortliche Fluglinie Malaysia Airlines. Aber auch die Informationspolitik der an der Suche beteiligten Behörden wird heftigst kritisiert. Das Hin und Her der frustrierenden Suche hat den Verwandten in den vergangenen zwei Wochen die letzten Nerven geraubt.
Empörung lösten auch die vielen Medienvertreter in jenem Pekinger Hotel aus, in dem Dutzende Angehörige - die meisten der Passagiere waren chinesische Staatsbürger - wochenlang ausgeharrt hatten. Fotografen machten geradezu Jagd auf die trauernden Verwandten, es kam zu Tumulten zwischen verärgerten Angehörigen und Reportern. Mehrere Wartende schlugen auf Kamerateams ein. "Haut ab, haut ab, haut endlich ab!", kreischte eine Frau mit verweintem Gesicht. Sie schlug mit der Tasche gegen eine Kamera. "Lasst uns endlich in Ruhe!", rief eine andere wütende Frau.
"Wo ist der Beweis, wo ist der Beweis?"
Immer noch fühlen sich die Angehörigen betrogen, schlecht informiert. "Sie haben uns überhaupt nichts richtig erklärt!", schrie eine Frau. "Das dürfen sie doch nicht einfach so verkünden. Das ist falsch", so eine weitere Angehörige. Sie konnte in ihrer Verzweiflung immer noch nicht glauben, dass das Flugzeug am 8. März wirklich abgestürzt ist. "Wo ist der Beweis, wo ist der Beweis?"
Ein Mann schüttelte ungläubig den Kopf über die plötzlich vorliegenden Satellitendaten, wonach das letzte Signal der Maschine vor gut zwei Wochen 2.500 Kilometer westlich von Australien aufgeschnappt worden sein soll. "Wie kann ihnen das jetzt erst auffallen?", fragte der Chinese. "Zeitlich passt es doch alles nicht zusammen." Es hätte viel früher klar sein müssen, dass die Maschine noch so lange geflogen sei. "Sie müssen das gewusst haben."
Am Dienstag demonstrierten Dutzende chinesische Angehörige vor der malaysischen Botschaft in Peking. "Wir wollen die Wahrheit", stand auf einem Transparent. "Wieso haben Sie uns so lange warten lassen" auf einem anderen.
Skepsis bei chinesischen Experten über Absturz-Theorie
Die Skepsis mancher wird auch von chinesischen Experten genährt. Diese mahnen angesichts des Fehlens harter Fakten zur Vorsicht: Ohne Trümmer gebe es keine klaren Beweise, kommentierten Fachleute. Es brauche noch "eine beträchtlich lange Zeit", um die Angaben aus Malaysia zu verifizieren, sagte ein Luftverkehrsexperte gegenüber der Zeitung "China Daily".
Ähnlich äußerte sich die chinesische Regierung und forderte die Herausgabe der Daten. "Wir fordern die malaysische Seite auf, die detaillierten Beweise zu nennen, die sie zu ihrer Beurteilung veranlasst haben, und alle relevanten Informationen über die Analyse der Satellitendaten zur Verfügung zu stellen", sagte Vizeaußenminister Xie Hangsheng am Dienstag.
Suche wegen Schlechtwetters unterbrochen
Die Suche nach dem Wrack ist aktuell wegen schlechten Wetters einmal mehr unterbrochen. Sturm, Regen und hohe Wellen stellen laut australischen Behörden ein Risiko für Flugzeuge und Schiffe dar, daher seien für Dienstag alle Sucheinsätze gestoppt worden. Für die Suchmannschaften drängt die Zeit: Das Signal der Black Box wird wohl schon in wenigen Tagen erlöschen. Die endgültige Aufklärung der Absturzursache könnte laut Experten freilich noch Jahre dauern.
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