Leichter ablenkbar

Von Geburt an schusselig: Gen-Variante ist schuld

Wissenschaft
18.03.2014 13:31
Schlüssel verlegt oder Name vergessen? Wer häufig unter solchen Schusseligkeiten leidet, der kann sich nun auf eine genetische Ursache herausreden. Psychologen der Universität Bonn haben nämlich einen Zusammenhang zwischen solch alltäglichen Aussetzern und einem Gen namens DRD2 nachgewiesen, das eine wichtige Rolle bei der Signalweiterleitung in die Stirnlappen spielt.

Menschen, die über eine bestimmte Variante dieses Gens verfügen, lassen sich leichter ablenken. Sie erleben auch deutlich häufiger Momente, die mangelnder Aufmerksamkeit geschuldet sind, berichten die Forscher, die im Labor schon vor Längerem Hinweise dafür gefunden, dass das Gen an der Vergesslichkeit beteiligt ist.

Gen fungiert als "Dirigent" im Gehirn
Die Struktur sei "mit einem Dirigenten vergleichbar, der das Gehirn als Orchester koordiniert", erklärte Sebastian Markett, Erstautor der Studie. Macht der Dirigent mit seinem Taktstock - in diesem Fall das Gen DRD2 - Fehler, kommt das Orchester durcheinander.

Fehler, die durch die kurzen Aussetzer passieren, können dann zur Gefahr werden, wenn zum Beispiel an der Kreuzung ein Stoppschild übersehen wird. Auch im Beruf kann mangelnde Aufmerksamkeit problematisch sein, wenn durch Schusseligkeit etwa vergessen wird, eine wichtige Datei abzuspeichern.

500 Frauen und Männer getestet
Für ihre Studie haben die Psychologen insgesamt 500 Frauen und Männer getestet und deren Speichelproben auf das "Schusseligkeitsgen" untersucht. Außerdem sollten die Teilnehmer anhand eines Fragebogens ihre Schusseligkeit und ihre Konzentrationsfähigkeit einschätzen. Die Ergebnisse zeigten demnach einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Aussetzern und einer bestimmten Genvariante.

Gegen die Schusseligkeit lässt sich nach Angaben der Experten allerdings einiges tun. "Man kann sich Merkzettel schreiben oder mehr anstrengen, den Haustürschlüssel nicht irgendwo, sondern an einen bestimmten Platz aufzubewahren", erklärte Markett. Wer sich solche Strategien für die unterschiedlichen Lebenslagen zurechtlege, könne besser mit seiner Schusseligkeit umgehen.

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