Kolumne von David Narr

KI ist kein Feind, sondern ein Werkzeug

Tirol
12.10.2025 13:00
Porträt von David Narr
Von David Narr

In seiner neuen Kolumne in der „Tiroler Krone“ spricht der Tiroler Lehrlingsexperte David Narr über Künstliche Intelligenz und wie das Zusammenarbeiten zwischen Mensch und Maschine funktionieren kann.

Künstliche Intelligenz ist da – und sie bleibt. Seit ein paar Jahren sorgen vor allem Chat GPT, Copilot & Co. für Gespräche darüber, welche Jobs bald anders aussehen. Die aktuelle Untersuchung von Microsoft, die reale Nutzungsdaten von Copilot auswertet, zeigt klar: KI unterstützt vor allem Wissensarbeit, Recherche, Textproduktion und Routine-Tasks im Büro – und dort entsteht das größte Risiko, auf Dauer den Arbeitsplatz zu verlieren. Analysen zeigen, dass Automatisierbares und Wissensarbeit am stärksten betroffen sind, handwerkliche Tätigkeiten dagegen deutlich weniger.

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Physische Präsenz, Fingerspitzengefühl und situationsgerechte Problemlösung vor Ort sind Eigenschaften, die Maschinen und Sprachmodelle nicht einfach ersetzen.

David Narr, Lehrlingskoordinator des Landes Tirol

Was heißt das konkret für junge Leute, die vor der Berufswahl stehen? Kurz gesagt: Für viele typische Office-Tätigkeiten ist Anpassung angesagt. Wer dagegen praktisch talentiert ist und in Zukunft handwerklich arbeitet – als Sanitär- und Heizungstechniker, Dachdecker, Pflasterer oder Tischler – hat einen klaren Vorteil: KI kann nicht auf die Baustelle springen, keinen Wasserhahn reparieren oder Dämmplatten an der Fassade montieren. Physische Präsenz, Fingerspitzengefühl und situationsgerechte Problemlösung vor Ort sind Eigenschaften, die Maschinen und Sprachmodelle nicht einfach ersetzen. Berufe, die manuelle Fertigkeiten erfordern, bleiben langfristig gefragt.

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Lehrbetriebe nutzen heute Tablet-Pläne, präzise Materiallisten und digitale Messdaten – doch die Umsetzung vor Ort bleibt Handwerkssache.

David Narr, Lehrlingskoordinator des Landes Tirol

Gleichzeitig gilt: KI ist kein Feind des Handwerks, sondern ein Werkzeug. In vielen Betrieben helfen digitale Planungs- und Kalkulationstools, Abläufe zu beschleunigen oder Angebote schneller zu erstellen. Aber das heißt nicht, dass der Beruf verschwindet. Eher ergänzt Digitalisierung das Können – sie macht Arbeit oft effizienter, nicht überflüssig. Lehrbetriebe nutzen heute Tablet-Pläne, präzise Materiallisten und digitale Messdaten – doch die Umsetzung vor Ort bleibt Handwerkssache. Diese Kombination erhöht die Qualität und spart Zeit, die in bessere Ausbildung und Kundendienst fließt. Die Lehrlinge von heute erhalten das Rüstzeug, um digitale Werkzeuge in ihrem Beruf bestmöglich einzusetzen.

Für die duale Ausbildung ist das eine starke Botschaft. Eine Lehrstelle bietet nicht nur Praxis, sondern echte Zukunftssicherheit: Man lernt ein Handwerk, bekommt Verantwortung und hat Chancen auf Weiterbildung und Meisterqualifikation. Eltern und Jugendliche sollten das bei der Entscheidungsfindung ernsthaft bedenken: Die Kombination aus praktischer Ausbildung und Bereitschaft zur Weiterbildung ist heute ein sehr stabiles Karrierefundament und genau das, was in unsicheren Zeiten Bestand haben wird.

Daher die gute Nachricht am Schluss: Wer heute eine Lehre macht, entscheidet sich nicht für ein „altes“ Berufsbild – er oder sie wählt eine moderne, anpassungsfähige und stabile Laufbahn. Genau darauf lässt sich bauen: Ausbildung, Praxis, Weiterbildung – das ist die beste Antwort auf die KI-Debatte.

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