Nach Tortur
Ukraine: Gefolterter Aktivist darf in EU ausreisen
Bulatow war am Donnerstag schwer verletzt in einem Dorf außerhalb der Hauptstadt Kiew aufgetaucht. Im ukrainischen Fernsehen schilderte der 35-Jährige, wie er von Unbekannten verschleppt und gefoltert worden sei. Seine Entführer hätten ihm ein Ohr abgeschnitten und Nägel durch seine Hände geschlagen (siehe Infobox).
Vorwurf der "Organisation massiver Unruhen"
Die ukrainische Staatsführung wirft Bulatow die "Organisation massiver Unruhen" vor. Das Innenministerium verdächtigt ihn, die Entführung lediglich inszeniert zu haben. Über Bulatow, der sich nach Angaben des Oppositionspolitikers Vitali Klitschko zuletzt noch auf der Intensivstation befand, wurde Hausarrest verhängt.
Mit dem von ihm angeführten "Automaidan" (Autokorso auf dem Unabhängigkeitsplatz, Anm.) hat der 35-jährige Kiewer den Zorn des Machtlagers auf sich gezogen. In großen Kolonnen blockierten die Mitglieder der Bewegung bisweilen die Residenzen von Regierungsvertretern. Beim Autokorso zum Landsitz von Präsident Viktor Janukowitsch wurden sie aber von der Miliz gestoppt.
Auch als Redner machte sich der Vater von drei Kindern bereits einen Namen. Ohnehin ein Anhänger der Partei Udar ("Schlag") von Klitschko, sprach sich Bulatow für den Ex-Boxweltmeister als alleinigen Oppositionsführer aus.
NGO: 33 Oppositionsaktivisten verschwunden
In den vergangenen Wochen waren mehrere Oppositionsaktivisten verschleppt und zusammengeschlagen worden, die Leiche eines Oppositionellen wurde mit Folterspuren in einem Wald gefunden. Eine Nichtregierungsorganisation in der Ukraine beziffert die Zahl der verschwundenen Aktivisten auf 33.
Am Samstag warf die ukrainische Polizei ihrerseits Demonstranten vor, einen Polizisten misshandelt zu haben. Der Mann in Zivilkleidung sei am Freitag in Kiew verschleppt und "gefoltert" worden, teilte das Innenministerium mit. Er befinde sich inzwischen mit Kopfverletzungen und einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus.












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