AMS-Chefin mit Bilanz

Wie viele Flüchtlinge aus 2015 heute Jobs haben

Oberösterreich
14.09.2025 10:00

Im Sommer 2015 öffnete Österreich seine Grenzen. Zehn Jahre später zieht die Chefin des AMS Oberösterreich, Iris Schmidt, Bilanz: über Sprachbarrieren am Jobmarkt, Unterschiede zwischen den Herkunftsländern und Mechaniker, die sich mit europäischen Autos schwertun.

Genau vor zehn Jahren, im September 2015, öffnete Österreich seine Grenzen. Zehntausende Menschen flüchteten durch und in unser Land. Bis zum Jahresende sammelten sich so 88.000 Asylanträge an, die meisten davon aus Syrien und Afghanistan (jeweils rund 25.000).

Unterschiede je nach Herkunft
Der Sommer 2015 hat bis heute große Auswirkungen – auch am Arbeitsmarkt. „Wir haben wenig über die Kompetenzen der Menschen gewusst“, erinnert sich Iris Schmidt. Die Chefin des Arbeitsmarktservice (AMS) Oberösterreich erzählt: „Es sind Menschen aus Afghanistan zu uns gekommen. Da ist seit 40 Jahren Krieg, da gibt es kein Schulwesen“ – deshalb hätten die Geflüchteten zwar praktische Fähigkeiten, aber keine Formalqualifikationen mitgebracht. Anders war es bei Syrern: „Da war eine Struktur da, die meisten von ihnen hatten so etwas wie ein Bildungssystem erlebt“, so Schmidt.

Zitat Icon

Es sind Menschen aus Afghanistan zu uns gekommen. Da ist seit 40 Jahren Krieg, da gibt es kein Schulwesen dort.

Iris Schmidt, Chefin des AMS OÖ

„Für Integration braucht es Arbeit“
Welche Lehren das AMS aus jener Zeit zog? „Für Integration braucht es Arbeit“, antwortet Schmidt. Es sei wichtig, das Thema Job gleich anzugehen, denn: „Wenn Menschen zwei, drei Jahre aus dem Arbeitsmarkt heraußen sind, tust du dir schwerer. Durch die fehlende Regelmäßigkeit eines Tagesablaufes kommt man schwer wieder rein.“

Sprache und Rezession als Hürden
In Zahlen gegossen gelang die Integration am Arbeitsmarkt laut AMS folgendermaßen: Bei der Gruppe der 2015 zu uns Geflüchteten liegt die Arbeitslosenquote in OÖ bei 13 Prozent, im Vergleich zu 4,5 Prozent bei österreichischen Staatsbürgern. Das liege auch an der aktuellen Wirtschaftsflaute, meint Schmidt: „Menschen mit wenig oder nicht anerkannter Qualifizierung werden in Zeiten von Rezession schneller freigesetzt.“ Ebenfalls eine Hürde sei die Sprache – manche bräuchten anfangs auch noch Hilfe bei der Alphabetisierung in ihrer Muttersprache.

Arbeitslosenquote

Rund 13 Prozent der Menschen, die 2015 nach Oberösterreich geflüchtet sind, sind laut AMS als jobsuchend gemeldet. Die allgemeine Arbeitslosenquote liegt bei 4,5 Prozent.

„Da sind Welten dazwischen“
Und nicht zuletzt spielen ganz praktische Dinge eine Rolle: „Viele aus der 2015er-Fluchtbewegung haben gesagt, sie hätten Mechaniker gelernt. Die Autos, die es bei ihnen gab, wären bei uns Oldtimer“, erzählt Schmidt. „Die sind super qualifiziert, wenn es um Oldtimer geht, aber bei uns brauchen sie einen Computer zur Fehleranalyse der modernen Autos. Da sind Welten dazwischen. Diese Qualifikationen trotz teilweise traumatischer Fluchterlebnisse nachzuholen, ist eine große Herausforderung.“

Das Fazit der AMS-Geschäftsführerin fällt zehn Jahre nach dem Sommer 2015 dennoch insgesamt positiv aus: „In Oberösterreich haben wir es geschafft, dass wir sehr viele Menschen im Arbeitsmarkt integrieren konnten.“

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