Foto veröffentlicht
Erstes Lebenszeichen von Gurlitt seit Kunstfund
Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Gurlitt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung und Unterschlagung. Im Februar 2012 hatte sie in seiner Wohnung in einem Haus in München-Schwabing (Bild) die Werke beschlagnahmt, was erst vergangene Woche bekannt wurde. Seitdem schien Gurlitt abgetaucht.
Nun meldete er sich jedoch beim "Spiegel", und auch die französische Illustrierte "Paris Match" will ihn in einem Einkaufszentrum in München-Schwabing aufgespürt haben. Allerdings habe der Mann nichts sagen wollen: Vertrauen von der falschen Seite sei das Schlimmste, was passieren könne, zitierte "Paris Match" in einem Online-Bericht den Mann. Der Artikel beinhaltet auch ein Foto von einem eleganten älteren Herrn im Mantel, bei dem es sich laut dem Magazin um Gurlitt handelt.
"Restitutionsansprüche wohl nicht durchsetzbar"
Indes zitierten das Nachrichtenmagazin "Focus" sowie "Bild am Sonntag" aus einem Bericht des Zollkriminalamts ans Bundesfinanzministerium. Demnach stammen die 315 als "entartet" beschlagnahmten Kunstwerke aus der Wohnung Gurlitts "ausschließlich aus staatlichen und städtischen Museen bzw. Landesmuseen". Gurlitts Vater, der Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, habe 1940 dem Propagandaministerium gut 200 sogenannte entartete Kunstwerke für 4.000 Schweizer Franken abgekauft - darunter "Bauernfamilie" von Pablo Picasso, "Spaziergang" von Marc Chagall und "Hamburger Hafen" von Emil Nolde. 1941 habe er dem Staat dann weitere 115 Werke abgekauft. Deshalb dürften "Rückgabe- bzw. Restitutionsansprüche der ehemaligen Eigentümer nicht durchsetzbar sein". Es sei auch zweifelhaft, dass Gurlitt wegen hinterzogener Einfuhrumsatzsteuer angeklagt werde.
Bei der Razzia hatten die Ermittler laut "Focus" auch Hildebrand Gurlitts Geschäftsbücher beschlagnahmt. Darin seien die Namen jüdischer Sammler vermerkt, denen er Bilder abgekauft habe, meist für Spottpreise. In der Wohnung seien auch 181 Bilder beschlagnahmt worden, die mit "großer Wahrscheinlichkeit" einem jüdischen Sammler in Dresden gehört hatten, der sie vor seiner Flucht unter dem Druck des Nazi-Terrors verkauft habe. Die Erben des Sammlers hätten nach Einschätzung des Zolls Anspruch auf Rückgabe der Werke. Das gelte auch für mindestens 13 Bilder aus Cornelius Gurlitts Wohnung, die den einstigen Eigentümern von NS-Organisationen abgepresst oder unter Druck verkauft worden seien.
Eine Delegation des deutschen Kanzleramts besprach "Focus" zufolge am Freitag im bayrischen Justizministerium Möglichkeiten, die Liste von Gurlitts Bildern rasch zu veröffentlichen. Am Sonntag sagte der Sprecher von Kulturstaatsminister Bernd Neumann: "Die Bundesregierung wird zusammen mit den bayrischen Behörden die Herkunftsrecherche zu Kunstwerken aus der Sammlung Gurlitt zügig voranbringen." Werke mit unklarer Erwerbsgeschichte würden dann unter Berücksichtigung des laufenden Ermittlungsverfahrens "umgehend veröffentlicht", auch im Internet.
Gurlitt-Schwager übergab der Polizei 22 weitere Werke
Nach der "immensen Medienberichterstattung" über den Kunstschatz von München bat ein Kunstsammler aus Kornwestheim bei Stuttgart um Hilfe. Er bewahre 22 wertvolle Kunstobjekte in seiner Wohnung auf, die er in sichere Verwahrung geben wolle. Einige davon stünden im Zusammenhang mit dem Münchner Kunstfund. Das teilten Polizei und Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit. Der Mann sei der Schwager von Cornelius Gurlitt. Den Ermittlern liegen keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten vor. Die Kunstwerke würden demnach nun geprüft, auch mithilfe von Kunsthistorikern.












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