07.11.2013 12:02 |

Weitere Sensation?

Cousin: Gurlitt weiß, wo das Bernsteinzimmer ist

Cornelius Gurlitt, der jahrzehntelang Raubkunst im Milliardenwert versteckte, soll ein weiteres sensationelles Kunstgeheimnis kennen: Einem Verwandten zufolge weiß Gurlitt, wohin das vermutlich von den Nazis aus Sankt Petersburg gestohlene Bernsteinzimmer - genannt das "achte Weltwunder" - verschwunden ist. Gurlitt habe jedoch gesagt, er werde dieses Wissen erst kurz vor seinem Tod offenbaren, so der Cousin.

Das Bernsteinzimmer (im Bild ein Teil eines Nachbaus) wurde im Auftrag des Preußenkönigs Friedrich I. gebaut, der es im Berliner Stadtschloss aufstellen ließ. 1716 verschenkte sein Sohn Friedrich Wilhelm I. die wertvollen Wandverkleidungen mit Bernsteinelementen an den russischen Zaren Peter den Großen, der sie im Katharinenpalast bei Sankt Petersburg einbauen ließ.

Mit Ende 1941 war das sechs Tonnen schwere Kunstwerk auf Geheiß der Nazis im Königsberger Schloss, das die Wehrmacht als Unterkunft nützte, im heutigen Kaliningrad zu sehen. Nach einem Brand 1944 wurde das Bernsteinzimmer abmontiert und vermutlich im Keller gelagert - doch seit 1945 ist es verschwunden. Wohin, das ist völlig unklar. Manche Forscher meinen, es sei verbrannt, andere glauben, es sei durch einen unterirdischen Gang in Sicherheit geschafft worden. Trotz zahlloser Suchaktionen bleibt es wie vom Erdboden verschluckt.

"Bevor ich sterbe, werde ich sagen, wo es ist"
Den Verbleib des Kunstschatzes könnte nach Angaben von Ekkehart Gurlitt sein Cousin Cornelius, in dessen Wohnung rund 1.500 von den Nazis angesammelte Kunstwerke gefunden wurden, klären. Gegenüber der "Daily Mail" berichtet Ekkehart Gurlitt über seinen Cousin: "Er hat immer gesagt: 'Ich kann euch sagen, wo das Bernsteinzimmer ist.' Er hat uns das sein ganzes Leben lang erzählt: 'Bevor ich sterbe, werde ich der Öffentlichkeit sagen, wo es ist, aber nicht vorher.'"

Familie wusste Bescheid und hält dicht
Gegen den Cousin erhebt der 65-Jährige schwere Vorwürfe: Dieser sei nicht nur "sehr merkwürdig" gewesen, sein Vater habe ihn und andere Kinder außerdem gewarnt, Cornelius sei pädophil. Bei der Suche nach dem Raubkunst-Horter, der verschwunden ist, will Ekkehart Gurlitt trotzdem nicht mithelfen - ja nicht einmal verraten, ob der Mann noch lebt. "Wenn die Polizei weiß, dass er lebt, wird sie ihn verfolgen. Er hat alles so viele Jahre geheim gehalten. Nun wollen wir ihn nicht in Gefahr bringen. Wir wollen nicht, dass irgendwelche Gangster oder die 'Kunstmafia' ihn verfolgen."

Ekkehart Gurlitt gibt außerdem zu, über den Kunstschatz - Cornelius erbte ihn von seinem Vater, dem Nazi-Kunsthändler Hildebrand Gurlitt - Bescheid gewusst zu haben. "Aber wir haben es geheim gehalten. Wir sind keine geldhungrigen Tiere. Wir wollten nicht unsere Seelen verkaufen für 50 Mäuse. Wir sind nicht gierig - wir wollen ihn nicht in die Hölle schicken. Er hat uns nichts getan."

Bilder an Onkel verschenkt?
Ekkeharts Vater, Dietrich Gurlitt, der in Süddeutschland leben soll, hat laut dem Cousin einige Bilder von Cornelius erhalten. Der Vater verstehe aber nichts von Kunst, so Ekkehart, daher habe er ihm geraten, sein Haus zu durchsuchen - er könnte reich sein. Damit drängt sich einmal mehr die Frage auf, wie viele Bilder aus dem Raubkunst-Schatz bereits verschwunden sind. Schließlich soll Cornelius Gurlitt einige verkauft haben.

"Diese Bilder sind schmutziges Geld"
Trotz der Schützenhilfe für seinen Cousin - für die Herkunft der Bilder schäme er sich, so Ekkehart Gurlitt. Die meisten stehen im Verdacht, Juden von den Nazis gestohlen oder unter Druck zu viel zu niedrigen Preisen abgepresst worden zu sein. "Wir sind nicht stolz darauf, was unsere Familie getan hat. Diese Bilder sind schmutziges Geld. Sie wurden von den Nazis gestohlen."

Ob Cornelius Gurlitt noch lebt und wo er sich zurzeit aufhält - Nachbarn vermuten ihn gar tot in seinem Zweitwohnsitz in Salzburg (siehe Infobox) - ist unbekannt. Genauso wie die Antwort auf die Frage, ob Gurlitt tatsächlich klären kann, wohin das "achte Weltwunder" Bernsteinzimmer verschwunden ist.

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