Genaugenommen sind es deren vier, die den Blinker rundum (außer in den Außenspiegeln) zum Läufer machen. Orangefarbene LED-Leisten illuminieren in die Richtung, in die man fahren möchte, was diesem Willen mehr Deutlichkeit verleihen soll. Ist der Warnblinker eingeschaltet, laufen die Leisten genauso, man kann also an einem einzelnen Blinklicht weiterhin nicht erkennen, ob jemand ausparken will oder mit Warnblinker stehenbleibt.
Die Schatten der Matrix
Ganz nebenbei verweist die Blinklauferei auf die eigentliche Sensation: den LED-Matrix-Scheinwerfer, der so intelligent ist, als säßen in jedem Gehäuse 25 Heinzelmännchen mit Supertaschenlampen, die sie je nach Bedarf dimmen oder einzeln abschalten. Nüchtern betrachtet sind es jeweils 25 LEDs, die per Software angesteuert werden. GPS- bzw. Navi-gestützt leuchten sie etwa schon in eine Kurve hinein, bevor der Fahrer einlenkt.
Damit kann man nachts auch das Fernlicht immer eingeschaltet lassen, ohne jemanden dadurch zu blenden, beteuert man bei Audi: Um andere Fahrzeuge, etwa Gegenverkehr oder Vorausfahrer, wird einfach herumgeleuchtet, bzw. sie werden ausgeblendet, indem sich die entsprechenden LEDs abschalten und der Scheinwerfer statt eines Lichtstrahls quasi einen Schattenstreifen auf erkannte Lichtquellen schickt. Die dafür nötige Kamera im Innenspiegelfuß kann bis zu acht verschiedene Objekte unterscheiden. Wer es genau wissen will: 966.105.422 verschiedene Lichtverteilungen sind möglich, fast 120 Mal so viele wie Möglichkeiten, sechs Richtige anzukreuzen.
Konkurrenzsysteme sind im Vergleich schwer im Nachteil, weil sie mechanisch aufgebaut sind. "Außerdem halten elektrische Stellmotoren nicht ewig", sagt Lichtentwickler Jürgen Wilhelmy. Die wohl größte Schwachstelle von Fernlichtassistenten generell hat Audi zwar nicht ausgemerzt, aber zumindest gemildert: "Die Positionslichter entgegenkommender Lkws auf der Autobahn sind einfach zu schwach, als dass die Kamera sie erkennen könnte." Deshalb kann keines dieser Systeme für sie abblenden. Audi verringert nun die Blendwirkung, indem generell weniger Licht nach links geschickt wird.
In Verbindung mit der Nachtsichteinrichtung werden auch Fußgänger oder Tiere erkannt und dreimal kurz mit einem gezielten Lichtstrahl angeleuchtet – zur Warnung und um den Fahrer auf sie aufmerksam zu machen. Hasen profitieren davon vorläufig wegen ihrer geringen Größe noch nicht, doch schon für das nächste Jahr wurde eine verbesserte Auflösung angekündigt – dann werden vielleicht auch weniger Hasen die Löffel strecken.
LED-Scheinwerfer sind in Österreich Serienausstattung, der Aufpreis für die LED-Matrix-Anlage mit Laufblinker kommt mindestens auf 1.074 Euro. Das ist nichts gegen die empfehlenswerte 1.400-Watt-Hi-Fi-Anlage von Bang & Olufsen , die fast das Achtfache kostet.
Äußerlich wurde rundum sachte nachgeschärft, etwa mit länglichen, integrierten Auspuffenden oder zwei Doppelsicken auf der Motorhaube. Darunter haben sie in Ingolstadt richtig was weitergebracht, d.h. mehr Leistung, weniger Verbrauch. Letzteres kommt unter anderem von der jetzt serienmäßigen elektromechanischen Servolenkung, der Audi gegenüber der hydraulischen Variante einen Verbrauchsvorteil von bis zu 0,3 l/100 km zuspricht.
Sensationelle Motorenpalette
Überhaupt ist die Motorenpalette ein Gesicht, angefangen beim Einstiegs- und Volumendiesel mit 3 Liter Hubraum, 258 PS und 580 Nm (8 bzw. 30 mehr als bisher), mit 85.900 Euro der günstigste A8. Der läuft so ruhig, weich und kraftvoll, dass man kaum einen Selbstzünder vermutet – und das bei einem Normverbrauch von unter sechs Liter. Wohlgemerkt mit serienmäßigem Allradantrieb. Seine Laufruhe toppt natürlich der einzige V8-Diesel in einer Oberklasse-Limousine, der 385 PS und 850 Nm abliefert.
Herauszustreichen ist auch noch der 4-Liter-Biturbo-V8-Benziner, der 435 PS oder 520 PS (im S8) leistet und mit 9,1 bzw. 9,6 Liter auskommt. Sehr gelungen ist die Zylinderabschaltung, die den V8 bei geringer Last als V4 arbeiten lässt, was der Fahrer dank nahtlosem Übergang nur in den seltensten Fällen und wenn er ganz genau aufpasst (am Display) erahnen kann. Ein Vorzeigestück in Sachen Effizienzverbesserung ist der 3-Liter-Benziner: 310 PS, 440 Nm (jeweils plus 20) und dabei mit 7,8 l/100 km einen Liter sparsamer als früher. Er ist mit 1.830 kg das Leichtgewicht der Baureihe. Das obere Ende der Motorenleiter markiert der extrem seidige W12 mit 500 PS und 11,3 Liter Normverbrauch.
Auch allein niemals verlassen
Aufgerüstet hat Audi auch bei den Assistenzsystemen. Neu ist etwa, dass der A8 optional selbst die Spur hält, alleine einparkt und Infos in die Windschutzscheibe einspiegelt. In Sachen Head-up-Display ist BMW aber noch ein Stück voraus. Auch sonst kann der Audi A8 gut auf seine Insassen aufpassen, indem er vor einem Hindernis zum Beispiel selbsttätig bremst, beim Spurwechsel in den toten Winkel schaut oder was sonst in der Oberklasse noch so state of the art ist.
Bei all dem soll aber nicht vergessen werden: Der Audi A8 ist - auch dank seiner serienmäßigen adaptiven Luftfederung - ein sehr komfortables Auto, das sich gleichermaßen sportlich fahren lässt. Die Lenkung gibt ordentliches Feedback und ist nicht zu leichtgängig, das Fahrwerk präzise. Die Bedienung ist logisch aufgebaut und schnell zu verstehen, nur der Automatikwählhebel ist schön, aber etwas hakelig. Der Innenraum ist wohl der schönste seiner Klasse, was sich mit dem nötigen Kleingeld auch in Super-Luxus-Regionen heben lässt. Und der Audi A8 zeichnet sich durch ein besonderes Merkmal aus: Sogar der 12-Zylinder mit langem Radstand wirkt nicht so protzig wie eine S-Klasse mit Einstiegsmotorisierung. Die ganze Show bleibt den Lichtspielen.
Warum?
Warum nicht?
Oder vielleicht …
7er-BMW, Mercedes S-Klasse, Porsche Panamera











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