Demnächst startet eine große, längst notwendige Baustelle bei und in der Justizanstalt Graz-Jakomini. Weil das Personal aber mehr als nur knapp ist und die Sorge vor Sicherheitslücken groß, folgt einmal mehr ein Ruf nach mehr Wachpersonal.
Seit dem tragischen Tod eines Häftlings in der Justizanstalt Hirtenberg steht die Justizwache im Mittelpunkt der Berichterstattung. Viele Beamte sehen nun die Chance, trotz einer Vielzahl an schon erfolgten Aufschreien, endlich gehört zu werden. So auch jene der Justizanstalt Graz-Jakomini.
„Seit 2018 haben wir kein Personal dazubekommen“, klagt Günter Reinprecht, stv. Vorsitzender der steirischen Justizwache-Gewerkschaft. Noch schlimmer: Vergangenes Jahr wurden sogar mit Unterstützung der Anstaltsleitung 50 zusätzliche Planstellen angefordert, um die umfassenden Herausforderungen eines Gefängnisses samt Untersuchungshaft meistern zu können. Zurzeit leiste eine Vollzeitkraft monatlich 190 bis 240 Stunden – auf Dauer sei das nicht zumutbar.
Auf 596 Insassen kommen 166 Vollzeit-Beamte
Laut Justizministerium sind dort derzeit (Stand 6.3.2026) 596 Insassen inhaftiert, was einer Auslastung von 105 Prozent entspricht. Gerade einmal 178 Justizwachebeamte – 166 in Vollzeit, zwölf in Teilzeit – halten den Betrieb am Laufen.
Tatsache ist aber auch, dass bereits zahlreiche Häftlinge in andere Anstalten verlegt wurden, da eine große Sanierung demnächst startet – unter anderem mitten im Zellenhaus!
Noch mehr Zeit in den Zellen
Das bereitet Reinprecht zusätzlich Sorgen. Denn in der Anstalt mangle es grundsätzlich an Planstellen. Schon jetzt müsse man wegen zahlreicher weiterer Aufgaben wie Ausführungen zu Gericht, Arztbesuchen und dergleichen die 14 Betriebe immer wieder schließen, wodurch Insassen noch mehr Zeit in ihrer Zelle sitzen müssen. Das sorgt natürlich für Unruhe.
Jahrelange Sanierungen bei laufendem Gefängnisbetrieb, obendrein auch noch im Zellenhaus, seien sicherheitstechnisch mehr als nur eine Herausforderung. Doch trotz aller Warnungen stehen die Container bereits, bald werden die Bagger anrollen.
Wir könnten so viel schaffen mit unserem hochqualifizierten Personal, wenn man uns nur lassen würde.

Günter Reinprecht, stv. Vorsitzender steir. Justizwache-Gewerkschaft
Bild: Reinprecht
Aus dem Justizministerium heißt es jedoch, dass der Betrieb zu jeder Zeit stabil und verlässlich gewährleistet werden kann. Für Günter Reinprecht so nicht hinzunehmen: „Nicht umsonst haben wir die Planstellen gemeinsam mit der Anstaltsleitung angefordert. Jede einzelne kann begründet werden. Wir könnten so viel ohne Fachkräfte von außen mit unserem eigenen, hochqualifizierten Personal schaffen, wenn man uns nur lassen würde!“
Als letzte Konsequenz sieht die steirische Justiz-Gewerkschaft nur eine Möglichkeit: flächendeckende Dienststellenversammlungen in allen steirischen Anstalten zeitgleich durchzuführen. Denn auch in der Grazer Karlau und der JA Leoben mangelt es an Personal.
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