Hütte abgerissen

Palästinenser-Familie wohnt nun in einer Höhle

Ausland
28.08.2013 10:53
Die umstrittene Siedlungspolitik und die restriktive Vorgangsweise der Israelis bei der Räumung "illegal errichteter" palästinensischer Unterkünfte in Ostjerusalem sorgt immer wieder für wütende Kritik der arabischstämmigen Bevölkerung. Anhand einzelner Schicksale wird deutlich, unter welchen Umständen Menschen dadurch in der betroffenen Region leben müssen. So auch Familie Zir: Ihre Blechhütte wurde vor Kurzem von den israelischen Behörden abgerissen. Nun lebt die siebenköpfige Familie in einer Höhle - und macht das Beste daraus.

Die Höhle hat bis vor Kurzem als Stall der Familie gedient. Aber nun sei er "gezwungen worden, hier Unterschlupf zu suchen", erklärt Khaled Zir. "Ich wollte ja eigentlich ein Haus mieten, aber hier gibt es keine Häuser, die man mieten kann. Araber bekommen auch keine Lizenz, um Häuser zu bauen", so das Familienoberhaupt.

"Wohnhöhle" mit Fernseher und Kühlschrank
Aber Khaled, seine Frau und die fünf Kinder wollen nicht aufgeben und machen das Beste aus ihrer traurigen Situation. All ihr Hab und Gut befindet sich nun in der Höhle. Es gibt ein Wohnzimmer mit Fernsehecke und einen eigenen Schlafbereich. Verderbliche Lebensmittel werden im Kühlschrank gehortet. Jeder Raum ist mit Licht ausgestattet. Nur zum Duschen müssen sich die Familienmitglieder zu Verwandten begeben.

Khaled gibt sich jedoch nicht geschlagen: "Wir bleiben hier. Wir sind geduldig und bleiben in der Höhle, egal ob die Sonne scheint, ob es regnet oder schneit", lautet seine Devise.

Das Schicksal der Familie Zir ist nur eines von vielen. In den vergangenen zehn Jahren wurden laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem mehr als 400 Häuser von Palästinensern dem Erdboden gleichgemacht - und damit rund 1.700 Menschen obdachlos. Dieses Jahr wurden demnach bereits 30 Wohnstätten niedergewalzt.

Stadtverwaltung: "Nur unbewohnbare Blechgebilde entfernt"
Die Stadtverwaltung wiederum beruft sich auf das Gesetz und sieht sich im Recht: Die Stadt hat lediglich "unbewohnbare Blechgebilde auf öffentlichem Grund entfernt", hieß es in einer Stellungnahme. Auf dem betroffenen Gebiet solle demnächst ein Nationalpark errichtet werden, weshalb es nicht für den privaten Wohnbau zur Verfügung stehe.

B'Tselem widerspricht dem zwar nicht, meint aber, dass die groß angelegten Abrissarbeiten sehr wohl auch politisch ausgenützt würden, um den Druck auf die in Ostjreusalem wohnenden Palästinenser zu erhöhen. Die Organisation vermutet, dass damit der endgültige Abzug der arabischstämmigen Bevölkerung erreicht werden soll.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
28.08.2013 10:53
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung