Mordskandal in China
Ex-Politstar Bo Xilai: “Ich schäme mich”
Der Politkrimi um Mord, Korruption und Gier hält das Milliardenreich China seit mehr als einem Jahr in Atem. Im November 2011 wurde der 41-jährige Brite Neil Heywood tot in einem Hotelzimmer gefunden. Damals hieß es, er sei an übermäßigem Alkoholkonsum gestorben. Bo erzählte nun, am 28. Jänner 2012 habe ihm gegenüber sein Polizeichef Wang Lijun eine Verantwortung von Gu Kailai für den Tod Heywoods angedeutet. "Ich habe gedacht, dass Gu Kailai so eine zerbrechliche Person ist, die niemals einen Mord begehen könnte."
Wang und Bo waren lange enge Vertraute und stilisierten sich in Chongqing als Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen. Anfang 2012 überwarf sich der 53-Jährige mit Bo Xilai. Aus Angst um sein Leben flüchtete Wang Lijun in ein US-Konsulat, wo er über den Mord und andere Machenschaften auspackte. Im September 2012 wurde er wegen Korruption, Fahnenflucht und Amtsmissbrauchs zu 15 Jahren Haft verurteilt. Gu Kailai wurde wegen Mordes im August 2012 zu einer Todesstrafe auf Bewährung verurteilt.
Bo erzählte weiter, dass er seine Frau mit Wangs Vorwürfen konfrontiert habe. Die 54-Jährige habe entgegnet, Wang wolle ihr eins auswischen. Das habe er zunächst geglaubt, sagte Bo. Er habe Wang zur Rede gestellt und ihm eine Ohrfeige verpasst.
Ex-Polizeichef: "Das war nicht nur ein Klaps"
Der einstige Vertraute Wang sagte vor Gericht über die Szene: "Das war nicht nur ein Klaps. Ich merkte, dass Blut aus meinem Mund kam." Er habe große Angst gehabt, berichtete Wang. Seine Mitarbeiter und andere Leute, die mit dem Fall vertraut waren, seien verschwunden. Für ihn sei klar gewesen, dass Bo den Fall vertuschen wollte.
Für Wangs Flucht in das US-Konsulat trage er eine Mitschuld, sagte Bo. "Das hatte einen Einfluss auf das Ansehen der Partei und das Land. Ich schäme mich." Er habe den Fall nicht in Ruhe behandelt und eine falsche Entscheidung getroffen. "Dafür bin ich bereit, die entsprechende Verantwortung zu tragen." Darüber hinaus sei ihm jedoch nichts vorzuwerfen.
"Ich habe mich nicht über das Gesetz gestellt, um Gu Kailai zu schützen", sagte Bo. Er habe weder medizinische Unterlagen manipuliert noch Wang gezwungen, zu den USA überzulaufen. Er machte jedoch nicht klar, ob er an einer Verantwortung seiner Frau für den Mord zweifelt.
2,5 Millionen Euro Bestechungsgeld angenommen?
Neben Machtmissbrauch wirft die Anklage dem ehemaligen Mitglied der politischen Elite Chinas auch Korruption und Unterschlagung vor. Er soll insgesamt 21 Millionen Yuan, umgerechnet 2,5 Millionen Euro, Bestechungsgeld angenommen haben. Bo bezeichnete jedoch die Aussagen mehrerer Geschäftsleute gegen ihn als Lügen. Auf den Bericht eines Beamten von einem angeblich verräterischen Telefongespräch Bos erwiderte der Angeklagte: "Nicht mal der dümmste Beamte würde Bestechung am Telefon besprechen."
Der Prozess wird am Sonntag fortgesetzt. Ein Urteil wird laut Staatsmedien für Anfang September erwartet. Experten rechnen mit einer langen Haftstrafe für Bo Xilai.
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