Di, 26. März 2019
23.08.2013 07:20

"Müssen uns schämen"

Syrien: Bereits eine Million Kinder auf der Flucht

Eine Million Kinder sind nach Angaben der Vereinten Nationen auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg in Syrien. Diese Zahl sei "ein Meilenstein der Schande", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung des Kinderhilfswerks UNICEF und des Flüchtlingskommissariats UNHCR am Donnerstag.

"Dieses eine millionste Flüchtlingskind ist nicht nur Statistik", sagte UNICEF-Exekutivdirektor Anthony Lake. "Es ist ein reales Kind, das aus seiner vertrauten Umgebung gerissen wurde, vielleicht sogar aus seiner Familie, konfrontiert mit schrecklichen Erlebnissen, die wir kaum nachvollziehen können."

"Wir müssen uns alle schämen", so Lake, "denn während wir daran arbeiten, das durch diesen Krieg verursachte Leid zu mindern, hat die Weltgemeinschaft es versäumt, die Verantwortung für dieses Kind zu übernehmen. Wir sollten innehalten und uns fragen, ob wir weiterhin die Kinder Syriens ihrem Schicksal überlassen können."

"Die Kinder Syriens brauchen Hoffnung"
"Worum es geht, ist nichts weniger als das Überleben und Wohlergehen einer Generation von unschuldigen Menschen", sagte UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. "Die Jugend Syriens verliert ihre Heimat, ihre Familien, ihre Zukunft. Selbst wenn die Kinder Zuflucht in einem anderen Land gefunden haben, so bleiben sie doch traumatisiert und verzweifelt. Sie brauchen dringend einen Grund, Hoffnung zu haben".

Nach Angaben beider UN-Organisationen sei die Hälfte aller syrischer Flüchtlinge Kinder. Die Meisten von ihnen befinden sich im Libanon, in Jordanien, in der Türkei, im Irak und in Ägypten. Vermehrt fliehen Syrer auch nach Nordafrika und Europa. Mehr als 740.000 syrische Kinderflüchtlinge sind unter elf Jahren. Nach Angaben der UNO wurden während des Krieges bislang rund 7.000 Kinder getötet. UNHCR und UNICEF schätzen, dass zusätzlich innerhalb Syriens mehr als zwei Millionen Kinder als sogenannte Binnenvertriebene auf der Flucht sind.

Angst, Zwangsheirat und Menschenhandel
Körperliche Strapazen, Angst, Stress und Traumata sind indes nur ein Ausschnitt der humanitären Krise. Beide UN-Organisationen weisen auf die Gefahr hin, dass Flüchtlingskinder zur Kinderarbeit herangezogen werden. Darüber hinaus drohen Zwangsheirat, sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel. Mehr als 3.500 syrische Kinder sind unbegleitet oder ohne ihre Eltern über die Grenzen nach Jordanien, in den Libanon und den Irak gekommen.

In einem ihrer größten Nothilfeeinsätze unterstützen UNHCR und UNICEF Millionen betroffene Familien und Kinder. Beispielsweise konnte UNICEF samt Partnern insgesamt 1,3 Millionen syrische Kinder in den Nachbarstaaten gegen Masern impfen. Rund 167.000 Kinder erhielten psychologische Betreuung, mehr als 118.000 Kinder konnten auch im Exil weiter zur Schule gehen, etwa 222.000 mit Trinkwasser versorgt werden.

UNHCR hat bislang eine Million Kinder registriert und ihnen so eine Identität gegeben. Neugeborene werden mit Geburtsurkunden und Dokumenten ausgestattet, um sie vor Staatenlosigkeit zu schützen. UNHCR arbeitet dafür, dass alle Familien und Kinder eine sichere Unterkunft finden können.

Mehrere Milliarden Dollar an Hilfe benötigt
Für die Umsetzung des regionalen Hilfsplans für syrische Flüchtlinge werden allein bis Ende des Jahres drei Milliarden US-Dollar benötigt, um zumindest den akuten Bedarf zur Versorgung der Flüchtlinge zu decken. Derzeit stehen jedoch hiervon lediglich 38 Prozent der finanziellen Mittel bereit.

Insgesamt werden mehr als fünf Milliarden US-Dollar benötigt, um mit den Engpässen im Bereich Bildung, Gesundheit und Versorgung sowohl der Flüchtlingskinder als auch der Kinder in den Aufnahmegemeinden adäquat umgehen zu können. Mehr Ressourcen müssen eingesetzt werden, um gefährdete Flüchtlingskinder schneller ausfindig machen zu können, damit sie und ihre Aufnahmegemeinden rechtzeitig Unterstützung erhalten.

Gleichwohl gilt: Geld ist nur ein Teil der Antwort, die es braucht, um der Not der Kinder gerecht zu werden. Während verstärkte Anstrengungen benötigt werden, eine politische Lösung der Krise in Syrien herbeizuführen, müssen die Konfliktparteien aufhören, Zivilisten zur Zielscheibe zu machen und Kinder zwangsweise zu rekrutieren. Kinder und ihre Familien müssen Syrien sicher verlassen können. Die Grenzen müssen offen bleiben, damit sie eine sichere Zuflucht finden können. Wer den Verpflichtungen des humanitären Völkerrechts nicht gerecht wird, soll für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden, fordern die beiden UN-Organisationen.

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