Jüngster Angriff

Experte hält Giftgas für sehr wahrscheinlich

Ausland
23.08.2013 09:43
Bei einem Giftgasanschlag im Umland von Damaskus sollen laut Oppositionsangaben am Mittwoch bis zu 1.300 Menschen gestorben sein. Wer hinter dem Angriff steckt ist schwer zu überprüfen, dafür dass Giftgas eingesetzt wurde, spricht laut internationalen Experten jedoch vieles. Unterdessen wächst international der Druck auf das Regime von Syriens Präsident Bashar al-Assad. Frankreich fordert eine "Reaktion der Stärke", sollte der Verdacht bestätigt werden. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon drohte am Freitag mit "ernsten Konsequenzen".

Einer jener Experten, die anhand der schockierenden Bilder aus dem Bürgerkriegsland einen Chemiewaffeneinsatz vermuten, ist Martin Weiler, Referatsleiter für Biologie und Toxikologie an der ABC-Abwehrschule im niederösterreichischen Korneuburg. Die Symptome die auf den Videos aus Syrien zu sehen sind, "deuten mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Nervenkampfstoffe hin", meint er.

Symptome: Krämpfe, Erbrechen und Atemprobleme
Kampfstoffe wie Sarin, Soman, Tabun oder VX würden die Reizweiterleitung zwischen Nerven und Muskeln unterbrechen. Die Symptome einer Vergiftung seien denen eines epileptischen Anfalls ähnlich und bestünden etwa aus Krampfanfällen, Erbrechen oder Atemproblemen. Ein Großteil der Opfer sterbe an Sauerstoffmangel infolge aussetzender Atmung. Besonders charakteristisch für den Einsatz von Nervengiften seien ganz enge, stechnadelgroße Pupillen, die beim Kontakt mit anderen Giften nicht auftreten würden, sagt Weiler.

Eben diese stechnadelgroßen Pupillen seien auch ganz klar auf den Videoaufnahmen aus Syrien zu sehen. "Wobei die Aufnahme nur die Augen zeigt und man nicht sieht, was rundherum geschieht", gibt der Experte zu bedenken. Doch auch die Tatsache, dass die Opfer keine offensichtlichen Verletzungen aufweisen, Krämpfe und Atemprobleme hätten, spreche für den Einsatz von Nervengiften.

UNO-Experten sollen jüngsten Vorfall überprüfen
Jene UNO-Inspektoren, die derzeit in Syrien die gegenseitigen Vorwürfe von Regierung und Rebellen überprüfen, sollen laut der russischen Regierung auch Zugang zu Proben aus der Region bekommen, wo der jüngste Giftgasangriff erfolgt sein soll. Demnach habe das Regime versprochen, sichergestellte Proben zur Verfügung zu stellen.

Frankreich für "Reaktion der Stärke"

Sollte sich herausstellen, dass das Regime tatsächlich chemische Kampfstoffe eingesetzt hat, verlangt Frankreich von der internationalen Staatengemeinschaft eine "Reaktion der Stärke".

Die Türkei sprach in Anlehnung an US-Präsident Barack Obama von "mehreren roten Linien", die überschritten worden seien. Obama hatte den Einsatz von Giftgas vor einem Jahr als "rote Linie" für ein mögliches militärisches Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg bezeichnet. Sein Kabinett schweigt aber bisher zu den aktuellen Vorwürfen.

Ban Ki Moon: "Wäre Verbrechen gegen Menschlichkeit"
Auch UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon reagierte mit scharfen Worten auf den Zwischenfall. Er drohte mit "ernsten Konsequenzen", falls sich die Berichte über Chemiewaffenangriffe bewahrheiten sollten. Der Einsatz solcher Waffen stelle ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" dar, sagte Ban am Freitag in Seoul.

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