Ängstliche US-Medien

Snowden wählte bewusst “furchtlose” Journalisten

Ausland
13.08.2013 21:05
Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hat erstmals öffentlich begründet, warum er seine brisanten Dokumente exklusiv über zwei Pressekontakte enthüllt hat. Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras (li.) und der Zeitungsredakteur Glenn Greenwald (re.) seien "furchtlose" Journalisten, sagte der flüchtige Computerspezialist in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der "New York Times". Die Kontaktaufnahme mit beiden habe sich allerdings schwierig gestaltet.

"Nach den Terroranschlägen vom 11. September haben viele der wichtigsten US-Medien ihre Rolle als Kontrolleure der Macht vernachlässigt", sagte Snowden in dem verschlüsselt geführten Gespräch. "Und zwar aus Angst davor, in einer Zeit von gesteigertem Nationalismus als unpatriotisch zu gelten oder vom Markt bestraft zu werden." Um die weltweite Überwachung der Internet- und Telefonkommunikation durch staatliche Sicherheitsbehörden aufzudecken, habe er aber integre Journalisten gebraucht.

Persönlichen Risiken ausgesetzt, um frei zu berichten
Poitras und Greenwald hätten sich in der Vergangenheit persönlichen Risiken ausgesetzt, um frei zu berichten. Poitras sei dadurch gar selbst ins Visier eben jener Programme geraten, die er kürzlich enthüllt habe, so der 30-Jährige. Sie habe "den Mut, die Erfahrung und die Kenntnisse demonstriert, die es für die vielleicht gefährlichste Aufgabe braucht, der sich ein Journalist stellen kann - nämlich über die geheimen Vergehen der mächtigsten Regierung der Welt zu berichten".

Obwohl sich die Journalisten als vertrauenswürdig erwiesen hätten, war Snowden nach eigenem Bekunden über manche Sorglosigkeit verwundert: So habe sich Greenwald zunächst geweigert, jegliche Kommunikation mit ihm zu verschlüsseln, obwohl er die Auswüchse staatlichen Machtmissbrauchs aus eigener Erfahrung kenne. 

"Mich hat überrascht, dass es noch Leute in den Medien gibt, die nicht wissen, dass unverschlüsselt übers Internet versandte Nachrichten an alle Geheimdienste der Welt geliefert werden", sagte Snowden. "Angesichts der jüngsten Enthüllungen sollte klar sein, dass unverschlüsselte Kommunikation zwischen Journalisten und ihren Quellen absolut rücksichtslos ist." Poitras wiederum sei sogar "noch misstrauischer mir gegenüber gewesen als ich ihr gegenüber - und meine Paranoia ist allgemein bekannt", so der 30-Jährige.

Schwieriges erstes Zusammentreffen
Doch trotz der sorgfältigen Auswahl seiner Kontaktpartner sei das erste Zusammentreffen in Hongkong nicht reibungslos verlaufen. "Ich glaube, sie waren etwas verärgert darüber, dass ich jünger bin als sie erwartet hatten", so Snowden. "Und ich war etwas verärgert darüber, dass sie zu früh am vereinbarten Treffpunkt ankamen", da dies die Verifizierung der Identität seiner Kontaktpartner erschwert habe. 

Bei dem Treffen gab sich der Enthüller den Journalisten - in bester Agentenmanier - übrigens mittels einem vorab vereinbarten Zeichen zu erkennen. Snowdens' Wahl fiel dabei auf einen Zauberwürfel, den er in der Hand hielt, heißt es in dem Bericht der "New York Times".

Enthüller hält sich in Russland an geheimem Ort auf
Der Computerexperte, der zuletzt als Auftragnehmer für den US-Geheimdienst NSA arbeitete, hatte unter anderem dem britischen "Guardian", für den Greenwald arbeitet, Informationen über umfangreiche Überwachungsprogramme der US-Geheimdienste zugespielt. Wegen der Enthüllungen wird der 30-Jährige von den USA per Haftbefehl gesucht. Er hält sich in Russland, das ihm zeitlich befristetes Asyl gewährte, an einem geheimen Ort auf.

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