27.07.2013 13:36 |

Massaker-Berichte

Blutige Nacht: Bis zu 120 Tote in Ägypten

Angeheizt durch einen Gerichtsbeschluss gegen den gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben sich dessen Anhänger und Gegner am Freitag und Samstag wieder blutige Straßenkämpfe geliefert. Nachdem die Justiz zwei Wochen Untersuchungshaft gegen den islamistischen Politiker verhängt hatte, gab es in mehreren Städten gewalttätige Ausschreitungen. Dabei wurden laut der ägyptischen Ausgabe des TV-Senders Al-Jazeera 120 Menschen getötet und Tausende verletzt.

In weiteren Quellen war von mindestens 75 Toten und rund 1.000 Verletzten die Rede. Vonseiten der Regierung gibt es vorerst keine Angaben über Opferzahlen.

"Sie schießen, um zu töten"
Die Muslimbrüder, aus deren Reihen Mursi stammt, berichteten, die Polizei habe bei einer Protestveranstaltung in der Kairoer Vorstadt Nasr City gezielt auf Anhänger des gestürzten Präsidenten geschossen. "Sie schießen nicht, um zu verletzen, sie schießen, um zu töten", sagte Gehad al-Haddad, Sprecher der Muslimbrüder. Demonstranten seien an Kopf und Brust getroffen worden. Zunächst habe die Polizei mehrfach Tränengas gegen Demonstranten eingesetzt. Dann hätten die Sicherheitskräfte aus nächster Nähe geschossen.

Dramatische Szenen in Feldspital der Muslimbrüder
Im Feldspital der Muslimbruderschaft spielten sich nach Angaben ägyptischer Reporter dramatische Szenen ab. Immer wieder wurden Tote und Schwerverletzte gebracht. Die Ärzte kamen mit der Versorgung der Verwundeten kaum nach.

Polizei will nur Tränengas eingesetzt haben
Die Polizei ging am Samstagmorgen nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur MENA auf der Straße zum Flughafen gegen Steine werfende Mursi-Anhänger vor. Demnach setzte die Polizei aber nur Tränengas ein. Es seien zwar auch Schrotgewehre abgefeuert worden, doch sei unklar, wer dafür verantwortlich sei.

Innenminister Mohammed Ibrahim kündigte indes in einem privaten Fernsehsender an, dass in Kürze die Pro-Mursi-Proteste in Giza vor der Kairoer Universität und in Nasr City "legal" aufgelöst werden sollten. Anwohner hätten sich über die Demonstrationen beschwert.

In der Hauptstadt Kairo war einmal mehr der Tahrir-Platz Zentrum der Proteste. Hier gingen in erster Linie Mursi-Gegner auf die Straße. Laut Schätzungen der Nachrichtenagentur AFP versammelten sich mehr als 100.000 Menschen, um ihre Solidarität mit dem Militär zu zeigen. Armeechef Fattah al-Sisi hatte zuvor dazu aufgerufen, sich mit den Streitkräften solidarisch zu zeigen. Auch die Gegenseite mobilisierte Tausende Menschen.

Haftbefehl gegen Mursi heizt Konfrontation weiter an
Die Konfrontation zwischen den beiden Lagern war am Freitagvormittag durch einen Haftbefehl gegen Mursi, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes, angeheizt worden. Dem Islamisten werden eine Verschwörung mit der radikalen Hamas und die Tötung von Soldaten zur Last gelegt.

Die Muslimbrüder, die Mursi als Präsident unterstützt hatten, bezeichneten die Anschuldigungen als "lächerlich". "Wir alle wissen, dass die Vorwürfe nur aus der Fantasie einiger weniger Generäle und einer Militärdiktatur entspringen", sagte ein Sprecher der Bewegung. Er kündigte an, dass die Proteste fortgesetzt würden.

Außenministerium rät von Ägypten-Reisen ab
Aufgrund der aktuellen politischen Ereignisse rät das österreichische Außenministerium von "nicht dringend notwendigen Reisen" nach Ägypten ab. Es bestehe ein "hohes Sicherheitsrisiko" in Kairo und anderen Großstädten, insbesondere in der Nil-Delta-Region. Im ganzen Land komme es außerdem zu Engpässen bei Diesel und Benzin.

"Auch wenn derzeit eine sofortige Ausreiseempfehlung nicht ausgesprochen wird, wird Österreichern, die sich in Ballungszentren befinden, empfohlen, zu prüfen, ob ihr weiterer Aufenthalt in Ägypten dringend notwendig ist", so das Ministerium auf seiner Website. Eine "partielle Reisewarnung" besteht für einzelne Saharagebiete und für den Sinai abseits der Tourismusorte rund um Sharm el-Sheikh.

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