26.07.2013 19:44 |

Nach Spanien-Crash

Lokführer im Visier der Ermittler: "Ich hab' es vermasselt"

Bei den Ermittlungen zum schwersten Zugunglück in Spanien seit dem Zweiten Weltkrieg rückt der Lokführer immer mehr in den Mittelpunkt. "Ich hab' es vermasselt, ich möchte sterben", soll der 52-jährige Francisco Jose Garzon (Bild) nach dem Unglück in einem Gespräch mit der Notzentrale der staatlichen Bahngesellschaft Renfe gesagt haben. Spanische Medien berichteten am Freitag außerdem, dass Garzon in der Vergangenheit mit seinem schnellen Fahrstil auf Facebook geprahlt habe.

Garzon wurde in Polizeigewahrsam genommen und soll demnächst zu dem Unglück bei Santiago de Compostela verhört werden. Am Freitag soll er eine Aussage verweigert haben. Mindestens 78 Menschen sind ums Leben gekommen, von den rund 180 Verletzten liegen noch etwa 80 im Krankenhaus, 32 von ihnen mit schweren Verletzungen.

Lokführer hilft bei Bergung
Der Lokführer hatte bei der Katastrophe Kopfverletzungen davongetragen. Er wurde mit mehreren Stichen genäht. Davor hatte er laut Medienberichten bei der Bergung der Opfer geholfen.

Der Mann blickt laut der Nachrichtenagentur dpa auf eine "lupenreine" 30-jährige Karriere bei Renfe zurück und hat mehr als zehn Jahre Erfahrung als Lokführer. Trotz aller Routine fuhr er am Mittwoch laut Ermittlern mit 190 statt der dort erlaubten 80 km/h in die Unglückskurve ein - was er mittlerweile zugegeben haben soll. Über den Grund für die weit überhöhte Geschwindigkeit soll er sich noch nicht geäußert haben, so die Behörden.

Infrastrukturbehörde: Vier Kilometer zu spät gebremst
Am Freitagabend belastete die für die Eisenbahninfrastruktur zuständige Behörde Adif den Lokführer schwer: Garzon hätte den Bremsvorgang gemäß den Sicherheitsvorschriften schon vier Kilometer vor der Unglücksstelle beginnen müssen, sagte Adif-Präsident Gonzalo Ferre. Alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert, so Ferre weiter.

Facebook-Posting: "Ich bin am Anschlag"
Der Eisenbahner war laut spanischen Medien offenbar ein leidenschaftlicher Schnellfahrer auf Schienen. So habe er vor einiger Zeit auf seiner Facebook-Seite das Foto eines Zug-Tachometers veröffentlicht, der 200 km/h anzeigte. Das Bild habe er mit den Worten kommentiert: "Ich bin am Anschlag, ich kann nicht schneller fahren, sonst kriege ich eine Strafe."

Ein anderes Mal habe er gepostet: "Was für ein Spaß das wäre, sich ein Rennen mit der Polizei zu liefern und sie zu überholen, sodass ihr Radar in die Luft gehen würde, haha. Was für eine Riesenstrafe für die Renfe." Garzons Seite im Online-Netzwerk wurde mittlerweile gesperrt.

Garzon kannte Strecke gut
Vor dem verheerenden Unfall vom Mittwoch soll Garzon die Unglückskurve laut dpa mindestens 60-mal passiert haben. Seit mehr als einem Jahr habe er die Strecke befahren, auf der sich die Katastrophe ereignete. Der 52-Jährige stammt aus der Region Galicien. Vor drei Jahren habe er sich in die Hafenstadt La Coruna unweit von Santiago de Compostela versetzen lassen, damit er sich besser um seine dort wohnende kranke Mutter kümmern könne.

In Santiago wurde am Freitag eine Schweigeminute für die Opfer abgehalten (siehe Video in der Infobox). Ministerpräsident Mariano Rajoy ordnete eine dreitägige Trauer an.

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