Verbrechen, Schuld, Strafe und Vergebung sind die starken Drehmomente in der Literatur des Berliner Anwalts und Strafverteidigers Ferdinand von Schirach. Er selbst ist gerade mit seinem Monolog „Regen“ auf Tour und trat im prall gefüllten Saal des Linzer Musiktheaters auf.
Im Abendanzug mit Fliege betrat Ferdinand von Schirach die riesige Bühne im Linzer Musiktheater. Man hätte sich einen intimeren Rahmen gewünscht, aber wohin dann mit den vielen Zuhörern? So hatte er die Mühe, die große Bühne, nur bestückt mit Tisch und Stuhl, zu bespielen.
Er bewies aber erstaunliche Präsenz im Monolog „Regen“, einem Kammerstück, in dessen Mittelpunkt ein erfolgloser Autor und „abgelehnter Schöffe“ steht. Ganz ohne Juristerei geht es bei Anwalt von Schirach natürlich nicht. In einer Bar sinniert sein Alter-Ego auf der Bühne über den Sinn des Lebens, über Liebe und Schuld.
Unterhaltsames Spazieren der Gedanken
„Niemand kann sich selbst seine Schuld erlassen“, ist dabei einer der Schlüsselsätze des verschrobenen Bildungsbürgers. Der ist mal missmutig, mal zynisch, schweift mit seinen Gedanken mal in die Antike, mal in die Weltliteratur und sogar zur Genmanipulation.
Ambivalenz beschäftigt ihn. Ein bisschen schwingt manchmal die abgedroschene Einstellung mit, dass früher alles besser, schöner, leichter gewesen sei.
Seitenhiebe auf Rauchverbot
Dabei ist Ferdinand von Schirach aber auch unterhaltsam und beweist mit einem Österreich-Special übers Rauchverbot und gedankliche Side-Steps in den deutschen Bundestagswahlkampf auch Improvisationsqualitäten. Amüsant sein Satz: „Draußen ist es nur von drinnen schön.“
Fazit: Von Schirach ist es immer wert, gelesen/gehört zu werden. Der Abend wurde mit heftigem Beifall belohnt.
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