91 Angriffe in 4 Tagen
Sexuelle Gewalt gegen Frauen in Kairo explodiert
Warum die Zahl der sexuellen Angriffe nun derart in die Höhe schnellt, ist unklar. Im Jänner wurden laut Frauenrechtsgruppen 19 Frauen Opfer sexueller Angriffe auf dem Tahrir-Platz, im November 2012 wurden zehn Fälle gemeldet, im Juni 2012 sieben. Doch allein in den letzten vier Tagen kam es laut Human Rights Watch zu 91 sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen an dem Versammlungsort, berichtet die "Huffington Post".
Die ägyptische Gruppe "Operation gegen sexuelle Belästigung", die eine Hotline für Opfer sexueller Gewalt betreibt und diese zu verhindern versucht, wurde über 46 Attacken von 30. Juni bis 2. Juli informiert. In 31 Fällen hätten Freiwillige gerade noch einschreiten und die betroffenen Frauen in Sicherheit bringen können, so die Hilfsorganisation. Vier Frauen hätten medizinische Hilfe benötigt, zwei seien gar mit dem Krankenwagen abtransportiert worden.
Viele Frauen bleiben schwer verletzt zurück
Laut Frauenrechtsorganisation Nazra for Feminist Studies kam es am 28. Juni ebenfalls zu fünf Angriffen auf dem Tahrir-Platz. Eine Frau wurde bei der Vergewaltigung mit einem scharfen Objekt so schwer verletzt, dass sie operiert werden musste. In anderen Fällen seien Frauen mit Metallketten, Stöcken und Stühlen verprügelt und mit Messern angegriffen worden. Das Martyrium habe für manche Frauen bis zu 45 Minuten lang gedauert.
Frauen werden aus öffentlichem Leben verdrängt
Human Rights Watch möchte mit dem neuen Video nun einmal mehr auf die Gefahr für ägyptische Frauen aufmerksam machen und aufrütteln. "Die ungezügelten sexuellen Attacken während der Proteste auf dem Tahrir-Platz werfen ein Schlaglicht auf das Versagen der Regierung und aller politischer Parteien, der Gewalt ins Auge zu sehen, der Frauen in Ägypten täglich an öffentlichen Orten ausgesetzt sind", erklärte Joe Stork von Human Rights Watch gegenüber der "Huffington Post". "Dies sind ernste Verbrechen, die Frauen davon abhalten, vollständig am öffentlichen Leben in Ägypten teilzunehmen - an einem kritischen Punkt in der Entwicklung des Landes."
Politik ignoriert das Problem
Die ägyptische Regierung spiele die Vorfälle üblicherweise herunter, beklagt Human Rights Watch. Dabei sei endlich der Schutz der Opfer und die konsequente Verfolgung der Angreifer durch die Polizei nötig. Da sich die Polizei seit November 2011 kaum noch auf dem Tahrir-Platz sehen lasse, um Zusammenstöße zu verhindern, seien Frauen ihren Angreifern meist hilf- und schutzlos ausgeliefert. Und die Männer könnten sich sicher sein, nie zur Verantwortung gezogen zu werden.
Brutalste Übergriffe nach Schema F
Die Angriffe laufen nach Aussagen der Betroffenen meist ähnlich ab: Eine Handvoll junger Männer trennt eine Frau von ihren Freunden, verschleppt sie, sie wird verprügelt, ausgezogen und begrapscht bis hin zur Vergewaltigung. In einigen Fällen hätten Männer versucht, die Opfer zu verwirren und ihnen Hilfe vorzugaukeln, um das Martyrium länger fortsetzen zu können, berichteten Opfer laut Human Rights Watch. Zudem seien echte Helfer und andere Frauen mit Stöcken und Messern ferngehalten worden.
Betroffene fürchten Stigmatisierung
Die meisten Frauen würden sich aufgrund des sozialen Stigmas nicht trauen, öffentlich über ihre Erfahrungen zu berichten, so die Menschenrechtsorganisation. Dennoch würden sie immer wieder gegen ihren Willen und ohne ihre Zustimmung in die Öffentlichkeit gezerrt - nicht nur eine Verletzung der Privatsphäre, sondern für einige Frauen auch ein Sicherheitsrisiko.
Lächelnde Zuseher - keiner half
Eine der wenigen, die von ihrem Martyrium berichtet, ist Yasmie El Baramawy (siehe Video): Sie wurde am 23. November 2012 auf dem Tahrir-Platz von mehreren Männern 90 Minuten lang vergewaltigt - über hundert Männer verfolgten das Geschehen. Ohne einzuschreiten. Warum die Männer die Vergewaltigung mit ihren Handys festhielten und dabei lächelten, darüber komme sie bis heute nicht hinweg, so El Baramawy. "Ich kann meinen Verstand nicht davon abhalten, darüber nachzudenken."
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