"Offene Provokation"

Morales-Stopp in W: Südamerika erhebt sich gegen Europa

Ausland
04.07.2013 12:34
"Uns kann niemand einschüchtern!" Evo Morales sprach am Donnerstag nach seiner Ankunft in Bolivien kämpferische Worte und ließ bereits erkennen, dass die "offene Provokation", die ihm auf seiner Europareise widerfuhr, noch lange nicht ad acta gelegt werden kann. Im Gegenteil: Der mutmaßlich von EU-Ländern wie Frankreich, Spanien oder Portugal erzwungene Zwischenstopp in Wien sei ein Affront gegen einen ganzen Kontinent gewesen, so Morales. Das linke Lager in Lateinamerika empörte sich ebenso und beklagte Morales' "Kreuzweg" in Europa.

"Südamerika erhebt sich nach der Aggression gegen Europa", überschrieb daher auch die spanische Tageszeitung "El Mundo" einen Korrespondentenbericht aus Lateinamerika und zitierte gleich Ecuadors Präsidenten Rafael Correa: "Einige Europäer glauben noch immer, dass wir in der Epoche der Kolonisation leben und die Völker Amerikas ein Vasallendasein führen müssen."

"Wir sind ein Volk, das Würde und Souveränität besitzt"
Morales ergänzte, dass die USA und ihre europäischen "Handlanger" erkennen müssten, dass sich die Zeiten mehr als 500 Jahre nach Christoph Kolumbus eben geändert hätten: "Wir sind ein Volk, das Würde und Souveränität besitzt." Daher lasse sich Lateinamerika im Gegensatz zu manchen Ländern Europas auch von den USA nicht am Gängelband führen.

Auch Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner stimmte via Twitter in den Kanon ein: "Wir erwarten eine Wiedergutmachung. Das war nicht nur eine Erniedrigung einer Schwesternnation, sondern eines ganzen Kontinents."

Lateinamerika demonstriert weitgehend Geschlossenheit
Morales zeigte sich stolz über die "unverzügliche Reaktion" der "lateinamerikanischen Regierungen" gegen die "Einschüchterungsversuche des Imperiums", womit zweifellos die USA gemeint waren. Und tatsächlich: Auch wenn sich nicht alle Staatsoberhäupter unisono an der USA-Schelte beteiligten - Chiles rechtskonservativer Präsident Sebastian Pinera etwa hielt sich vornehm zurück -, demonstrierte Lateinamerika zweifellos so etwas wie Geschlossenheit.

Schwerer Vorwurf: "Kidnapping"
Bei der Verweigerung von Überflugrechten für die Maschine von Morales habe es sich um "Kidnapping" gehandelt, erklärte das Staatenbündnis UNASUR am Mittwoch. Am Donnerstag soll ein Sondergipfel stattfinden. Bereits die Hälfte der zwölf UNASUR-Präsidenten sagte spontan zu, an dem Treffen in der bolivianischen Stadt Cochabamba teilzunehmen. Dem UNASUR-Bündnis gehören Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Ecuador, Guyana, Kolumbien, Paraguay, Peru, Surinam, Uruguay und Venezuela an.

"Langer Streit zwischen Kontinenten"
So schnell werden sich die Wogen nicht glätten, glaubt auch Roberto Cartes, Professor an der Universidad de Buenos Aires. "Es wundert mich, dass die Länder, die hinter dieser Aktion stecken, nicht die weitreichenden Konsequenzen ihres Handelns bedacht haben", wurde er in der lokalen Presse zitiert. "Wir müssen uns auf einen langen Streit zwischen den Kontinenten einstellen."

Morales war am Mittwoch gezwungen, bei seinem Heimflug von Moskau einen Zwischenstopp in Wien-Schwechat einzulegen (siehe Infobox), weil ihm nach eigenen Angaben während des Fluges die Überflugrechte für Portugal und Frankreich entzogen worden seien. Grund dafür sei der Verdacht gewesen, dass der US-Geheimdienstinformant Edward Snowden an Bord sei. Politische Beobachter halten es freilich auch für möglich, dass die USA und ihre europäischen Verbündeten einer Intrige des russischen Geheimdienstes aufsaßen.

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