Nach Absage-Eklat

Merkel fordert von Russland Rückgabe von Beutekunst

Ausland
21.06.2013 20:58
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Freitag die Rückgabe von Beutekunst aus Russland gefordert. "Wir sind der Meinung, dass diese Ausstellungsstücke wieder zurück nach Deutschland kommen sollten", sagte Merkel bei der Eröffnungsrede einer Ausstellung in St. Petersburg. Russlands Präsident Wladimir Putin erwiderte, man solle bei dem Thema aufhören, gegenseitig Forderungen zu einer Rückübertragung zu erheben.

Konkret bezog sich Merkel auf 600 Exponate, die von der sowjetischen Armee 1945 aus Deutschland entfernt worden waren und nun erstmals in der Ausstellung "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" in der berühmten Eremitage von St. Petersburg gezeigt werden. Es sei aber ein wichtiger Schritt, dass die Kunstgegenstände nun erstmals öffentlich gezeigt würden, erklärte die deutsche Kanzlerin.

Putin ließ Merkel allerdings umgehend wissen, wie wenig er von den Rückgabe-Forderungen hält. Ansonsten würde die Türkei auch die Herausgabe der Schliemann-Schätze aus Deutschland fordern können, so der russische Präsident. Die Wissenschaftler beider Länder hätten die Ausstellung ermöglicht, weil sie unpolitisch vorgegangen seien. Dies sei der richtige Weg, betonte Putin. Es sei dem normalen Bürger außerdem egal, wo Kulturschätze gezeigt würden - sei es nun in Berlin, St. Petersburg, Moskau oder in der Türkei.

Deutsche Forderungen belasten Beziehungen mit Moskau
Die deutschen Forderungen an Russland, von den Sowjetsoldaten verschleppte Kulturgüter zurückzugeben, belasten seit Jahren das Verhältnis zwischen Berlin und Moskau. So hatte es auch rund um den Merkel-Besuch am Freitag einen Eklat gegeben: Die Kanzlerin revidierte nach einem "direkten Gespräch" mit Putin jedoch ihre bereits verkündete Absage des gemeinsamen Besuchs der Ausstellung in St. Petersburg.

So eröffneten die beiden Politiker dann am Freitagabend gemeinsam die Schau, in der auch spektakuläre Beutekunst wie der Goldschatz von Eberswalderausgestellt wird, den Sowjetsoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg nach Moskau brachten. Der Termin galt als krönender Abschluss des Deutschlandjahres in Russland.

Der Kunstraub in Europa erreichte während des Zweiten Weltkrieges das größte Ausmaß. Deutsche und sowjetische Einheiten nahmen in großem Umfang Kunstwerke und Bücher aus den von ihnen besetzten Gebieten mit. Die von deutscher Seite während der NS-Zeit geraubten Kulturgüter wurden kurz nach Kriegsende größtenteils zurückgegeben.

Russland wiederum sieht Beutekunst wie den Eberswalder Goldschatz oder die Troja-Funde von Heinrich Schliemann als Wiedergutmachung für Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg. Erst seit 1990 wird auf der Grundlage von deutsch-russischen Verträgen über einen Austausch verhandelt.

Beide Seiten verfügen über Kunstschätze des anderen
Ein Großteil der auf sowjetischen Befehl im Zweiten Weltkrieg abtransportierten Kunstschätze lagert im Moskauer Puschkin-Museum. Nach Expertenschätzungen befinden sich in russischen Depots noch rund eine Million Kunstobjekte und mehr als vier Millionen Bücher.

Russland vermutet dagegen vor allem in deutschen Privatsammlungen viele Kunstschätze, die von Nazis aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion verschleppt worden waren. Als verschollen gilt zum Beispiel das berühmte Bernsteinzimmer im Katharinenpalast bei St. Petersburg.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
21.06.2013 20:58
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung