"Es gibt Wechsel"

EU: Frauenquote statt “Old-Boys-Netzwerke”

Ausland
20.06.2013 08:56
Beim EU-Dauerthema Frauenquoten in den Aufsichtsräten und Frauenquoten im Allgemeinen gibt es laut EU-Politikerinnen Fortschritte zu verzeichnen: "Hier hat ein Wechsel stattgefunden", sagte die grüne EU-Abgeordnete Eva Lichtenberger am Mittwoch in Brüssel. "Auch Konservative verlassen Stück für Stück ihre Position, so wird das ganze mehrheitsfähig", so Lichtenberger. "Ich bin zufrieden mit der Entwicklung".

Ziel der Union sei die Verabschiedung einer Richtlinie, die eine 40-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten von börsennotierten Unternehmen bis zum Jahr 2020 vorsieht, erklärte die SPÖ-Abgeordnete Evelyn Regner.

Im Vordergrund stehe hierbei, dass Nachbesetzungen von Gremiumsmitgliedern durch transparente und objektive Kriterien ausgewählt würden. So könne man "Old-Boys-Netzwerken" oder "Freunderlwirtschaft" entgegenwirken, erklärte Regner. Die Entscheidung über den Weg zum Ziel sowie die Form der Sanktionen bei Inexistenz objektiver Auswahlkriterien seien den Mitgliedsstaaten selbst überlassen. Derzeit liege die Frauenquote bei den österreichischen Aufsichtsräten bei 11,6 Prozent, der europäische Durchschnitt belaufe sich auf 13,5 Prozent.

In Ländern, die Maßnahmen zur Erreichung von Frauenquoten bereits umgesetzt haben, zeigten sich laut Regner bereits Erfolge: So etwa in Norwegen, das "beinhart" die Maßnahme der Unternehmensliquidierung bei Nicht-Erreichung des Ziels nach "ein paar Jahren Übergangszeit" angedroht habe. Keines der Unternehmen sei liquidiert worden, alle hätten es geschafft. Sogar im Aufsichtsrat eines Fußballklubs befänden sich nun Frauen. 

Regner: "Auch in Italien geht es bergauf"
Zu einer anderen Form der Sanktion habe etwa Italien gegriffen: Unter Androhung einer Geldstrafe von 30 Millionen Euro gehe es auch dort bergauf. Den Unternehmen täte die Zielsetzung von objektiven Kriterien generell gut, da durch das "Aufbrechen von alten Strukturen" nun auch qualifiziertere Männer in den Aufsichtsräten sitzen würden, sagte Regner.

"Die EU mischt sich in diese Thematik aufgrund der im EU-Recht festgelegten Gleichbehandlung ein. Bisher haben wir auf die Freiwilligkeit der Unternehmen gebaut, aber das bringt nichts", kritisierte Regner. Jahrzehnte hätten Unternehmen Zeit gehabt, die Frauenquoten anzuheben, die bisherigen Aufforderungen und Resolutionen seien kaum umgesetzt worden. "Freiwillig ist nichts passiert. Die EU darf immer nur dann was machen, wenn die Nationalstaaten das nicht auf die Reihe kriegen."

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