Iran-Wahl

Moderater Reformer Rohani erreicht absolute Mehrheit

Ausland
15.06.2013 19:45
Der als gemäßigt geltende Hassan Rohani hat die Präsidentschaftswahl am Freitag im Iran gewonnen. Das iranische Innenministerium bestätigte den Sieg des Geistlichen am Samstagnachmittag. Rohani erreichte im ersten Wahlgang überraschend 50,7 Prozent der Stimmen. Damit muss er nicht in eine Stichwahl. Die Wahlbeteiligung betrug 72,7 Prozent. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses brach in der Hauptstadt Teheran Jubel aus.

Weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz landete Teherans Bürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf. Er erreichte 16,6 Prozent der Stimmen. Der Atomunterhändler Said Jalili, der als Kandidat des geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Khamenei (Bild 2) gehandelt wurde und als einer der Favoriten galt, erreichte lediglich 11,4 Prozent und belegte Platz drei.

Der langjährige Kommandant der Revolutionsgarden, Mohsen Rezai, kam mit 11,3 Prozent auf den vierten Platz. Der langjährige Außenminister Ali Akbar Velayati und der frühere Ölminister Mohammed Gharazi lagen mit weniger als zehn Prozent abgeschlagen zurück. Insgesamt hatten sich sechs Kandidaten um die Nachfolge von Amtsinhaber Mahmoud Ahmadinejad beworben, der gemäß Verfassung nach zwei vierjährigen Amtszeiten nicht mehr kandidieren durfte. Zahlreiche weitere Kandidaten waren von der Wahl ausgeschlossen worden.

Hohe Wahlbeteiligung vor allem durch Junge und Frauen
Die Wahl war inmitten einer schweren Wirtschaftskrise und des Atomstreits mit dem Westen über die Bühne gegangen. Mehr als 50 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Vor allem junge Erstwähler und Frauen trugen zur hohen Wahlbeteiligung bei, meldete die staatliche Nachrichtenagentur IRNA.

Vor zahlreichen Wahllokalen in der Hauptstadt Teheran bildeten sich längere Schlangen als bei der letzten Wahl vor vier Jahren. Das Innenministerium hatte wegen des massiven Andrangs die Wahl um mehrere Stunden verlängert.

Khamenei von Andrang an den Urnen "tief bewegt"
Der oberste Führungszirkel, allen voran der für die Wahlen zuständige Chef des Wächterrates, Ayatollah Ahmad Jannati, zeigte sich von der regen Teilnahme der Iraner überwältigt. Khamenei hatte zur massenhaften Teilnahme aufgerufen, um dem Westen entschlossen entgegentreten zu können. Eine hohe Wahlbeteiligung sei die "bitterste aller Ohrfeigen für die arroganten Westmächte", so Khamenei. Auch er zeigte sich in einer ersten Reaktion über die hohe Wahlbeteiligung "tief bewegt".

Rohani verspricht Annäherung an den Westen
Rohani, der langjährige Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrats und frühere Chefunterhändler in den Atomgesprächen mit dem Westen, war der einzige moderate Kandidat bei der Wahl. Rohani spricht sich unter anderem für eine Annäherung an den Westen aus und kritisiert die Kontrolle der Presse, des Internets und der Universitäten.

Für den Fall eines Sieges versprach Rohani sowohl innen- als auch außenpolitisch frischen Wind. Sein Wahlslogan lautete "Besonnenheit und Hoffnung", als Farbe für seine Kampagne wählte er Lila. Die Opposition hatte sich vor vier Jahren für die Farbe Grün entschieden und kam damit besonders bei Jugendlichen gut an.

Jubel in Teheran: "Ahmada bye-bye"
Nach Rohanis Sieg herrschte am Samstagabend Jubel in Teheran. Zehntausende Anhänger strömten auf die Straßen und feierten das Ergebnis. Sie skandierten: "Ahmada (Ahmadinejad, Anm.) bye-bye" und riefen: "Rohani, kümmere dich um das Wohl des Landes!"

Auch Revolutionsführer Khamenei gratulierte dem Wahlsieger, auch wenn er Jalili unterstützt hatte. "Ich beglückwünsche das Volk und den gewählten Präsidenten", so das eigentliche Staatsoberhaupt des Iran. Nun müssten alle Iraner den neuen Präsidenten und seine Regierung unterstützen.

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