Als letzter der großen Konsolen-Platzhirsche hat Microsoft in Redmond den Nachfolger seiner Erfolgskonsole Xbox 360 enthüllt: die Xbox One. Mit einem Achtkern-Prozessor von AMD, acht Gigabyte RAM mit einem Datendurchsatz von 200 Gigabyte pro Sekunde, BluRay-Laufwerk, USB 3.0, einer 500-Gigabyte-Festplatte und einem Betriebssystem, das auf einem Windows-Kernel basiert, bläst das Gerät zum Angriff auf das Wohnzimmer.
Die Highlights des eckigen, in Schwarz gehaltenen Geräts: Sprachsteuerung, zahlreiche Entertainment-Funktionen inklusive TV-Wiedergabe, umfangreiche Cloud-Anbindung und spektakuläre Spielegrafik, die jedoch nicht live präsentiert wurde. Enttäuschend für Beobachter zahlreicher Spielemedien, deren Fazit zwischen gelangweilt und schwer enttäuscht schwankt: Das Design mit zahlreichen Lüftungsschlitzen und der Anordnung der Anschlüsse - wie man die Konsole zu Hause positionieren solle, sei fraglich, heißt es auf zahlreichen Websites.
Konsole muss womöglich einmal am Tag ans Internet
Den befürchteten Always-on-Zwang, also der Zwang zur permanenten Internetverbindung der Konsole, wird es wohl nicht geben, doch gegenüber "Kotaku" sagte Microsofts Vize-Chef Phil Harrison, dass die Xbox One einmal alle 24 Stunden mit dem Internet verbunden werden müsse. Sonst könnte auch eine laufende Singleplayer-Partie gekappt bzw. ein Film unterbrochen werden. Dies sei für die Xbox-Live-Services nötig, so die Erklärung Harrisons.
Wie "Kotaku" weiter berichtet, sei diesbezüglich aber möglicherweise das letzte Wort noch nicht gesprochen: "Es klingt, als wären die Dinge bei Microsoft im Chaos", so die Website. Gegenüber "Polygon" habe der Konzern beteuert, der 24-Stunden-Plan sei nur ein "potenzielles Szenario". Tatsächlich liefern nicht einmal Microsofts offizielle FAQ zur neuen Xbox eine aussagekräftige Antwort auf die Frage, wie es nun um den Onlinezwang bestellt ist.
Wie der "Spiegel" spekuliert, könnten ob der Online-Funktionalitäten schon bald die Verbraucherschützer Sturm laufen - schließlich biete die mit permanent aktiver Kinect-Kamera ausgestattete Xbox One Microsoft eine nie da gewesene Möglichkeit, das Nutzerverhalten zu analysieren. Noch ist unklar, ob und welche Daten die Konsole an den Konzern zurücksendet, doch durch die Verbindung von TV, Internet und Games habe Microsoft zumindest die Möglichkeit, genauer als irgendjemand sonst das Wohnzimmerverhalten der Welt zu erkunden.
Davon abgesehen macht die High-Tech-Kamera die Xbox One zum lohnenden Ziel für Cyberkriminelle. Wie Microsoft mittlerweile klargestellt hat, nehme man die Privatsphäre der Nutzer sehr ernst und plane eine Möglichkeit, die Kinect-Kamera zur Gänze abzuschalten. Die Xbox-Sprachsteuerung funktioniert dann freilich erst nach dem Einschalten wieder.
Nicht abwärtskompatibel, vermutlich Gebrauchtspielgebühr
Abwärtskompatibel ist das Gerät, genau wie die PS4, aufgrund der unterschiedlichen Prozessorarchitektur nicht - wer alte Xbox-Games zocken möchte, muss seine 360 also behalten.
Die Nutzung von Gebrauchtspielen und das Ausborgen von Spielen bei Freunden soll laut "Wired" nur gegen Gebühr möglich sein. Demnach müssen alle Titel für die Xbox One mit dem Xbox-Live-Account verknüpft werden, wer das Spiel auf einer anderen Konsole nutzen möchte, soll eine Zahlung an Microsoft tätigen. Spekulationen zufolge soll es jedoch eine Trade-in-Funktion durch Microsoft geben, Genaueres ist jedoch noch nicht bekannt. Microsoft hat die Gebrauchtspielgebühr mittlerweile dementiert, bleibt allerdings detaillierte Informationen schuldig.
Steven Spielberg produziert "Halo"-Serie für Xbox One
Den Fokus hat Microsoft neben der Spieleleistung der neuen Xbox ganz klar auf den Entertainment-Bereich gelegt. Das Wohnzimmer sei mittlerweile zu komplex, hieß es bei der Präsentation. Und die Xbox One sei die Lösung: ein Gerät, das Fernsehen, Filme, Musik und Spiele in einem einzelnen Gehäuse bietet und durch einfache Sprachkommandos gesteuert werden kann.
Das TV-Programm soll dabei laut "Heise" über einen HDMI-Eingang seinen Weg in die Xbox finden, ein zusätzlicher Receiver dürfte also trotzdem weiterhin notwendig sein. Die Steuerung der anderen Geräte erfolgt über Infrarot. Multitasking beherrscht sie ebenfalls, bei der Präsentation wurden zudem ein Internetbrowser und Skype gezeigt. Man darf also davon ausgehen, dass die Xbox One mit zusätzlicher Software erweitert werden kann.
Interessant: Microsoft will auf der Xbox One nicht nur den TV-Empfang ermöglichen, sondern auch eigens produzierte Inhalte beisteuern. Unter der Aufsicht von Microsoft-Entertainment-Chefin Nancy Tellem entsteht derzeit unter anderem eine "Halo"-Serie für die neue Xbox. Der Produzent: niemand geringerer als Steven Spielberg. Ob die zahlreichen Entertainment-Funktionen auch in Europa zur Markteinführung zur Verfügung stehen werden, ist unklar.
Neue Kinect-Kamera liest angeblich Herzfrequenz aus
Besonders hervorgehoben wurde bei der Präsentation die der Konsole beiliegende neue Kinect-Kamera, die mit Full-HD-Auflösung aufwartet und menschliche Bewegungen so exakt erfasst, dass sie angeblich sogar den Herzschlag eines Spielers auslesen können soll.
Auch Sprach- und Gestensteuerung soll mit der neuen Kinect-Kamera möglich sein. Was davon tatsächlich zu halten ist, wird sich aber erst zeigen, hatte doch Microsoft schon mit "Project Milo" vollmundige Versprechungen abgegeben, die schließlich nie den Weg in ein Spiel fanden.
Controller ähnelt stark dem Vorgängermodell
Der neue Controller wurde hinsichtlich der Ergonomie verbessert und verfügt jetzt über einen integrierten Akku und vibrierende Trigger. Das Design unterscheidet sich nur in Details von jenem des ohnehin bereits sehr gelungenen Xbox-360-Controllers. Die Smartglass-Software, die schon auf der Xbox 360 bei Musik- oder Filmwiedergabe Zusatzinformationen auf dem Tablet des Nutzers eingeblendet hat, ist bei der Xbox One ebenfalls wieder an Bord.
Verbessert werden bei der Xbox One auch die Online-Funktionen, verspricht Microsoft. Das 300.000 Server starke Server-Netzwerk für den Redmonder Cloud-Dienst habe so viel Rechenleistung wie alle Computer der Welt im Jahr 1999 zusammen, hieß es bei der Präsentation. Die leistungsfähige Cloud-Infrastruktur soll aufwendigere Games mit mehr Spielern, größeren Welten und sich verändernden Spielumgebungen ermöglichen.
Games: Exklusivtitel und neue Serien angekündigt
Es wurden bereits erste Spiele für die Xbox One angekündigt, allerdings waren nur wenige Highlights darunter und auf eine Live-Demonstration warteten die Zuseher vergeblich. Im Zuge einer Partnerschaft mit Electronic Arts wird eine Reihe von Sportspielen - namentlich "Fifa", "UFC", "Madden" und "NBA Live" - auf die Xbox One kommen, allerdings nicht exklusiv.
Microsoft selbst arbeitet an "Forza Motorsport 5". Die "Max Payne"-Macher von Remedy werden den Thriller "Quantum Break" beisteuern. Von Activision gibt's "Call of Duty: Ghosts", das mit seiner grafischen Opulenz eines der Highlights der Produktpräsentation darstellte.
Gleich 15 Exklusivtitel verspricht Microsoft im ersten Jahr der Xbox One. Acht davon sollen gänzlicer ganzen Welt", sagte Phil Spencer von den Microsoft Studios bei der Präsentation.
Mittlerweile haben auch Ubisoft und EA weitere Games für die Xbox One angekündigt. Von Ubisoft soll es Xbox-One-Umsetzungen von "Watch Dogs" und "Assassin's Creed IV Black Flag" geben und EA kündigte neben den bereits bei der Pressekonferenz vorgestellten Games noch "Battlefield 4" an. Die nachträglich angekündigten Spiele erscheinen freilich auch für die PS4.
Wer sich wunderte, wo die restlichen Exklusiv-Spielekracher abgeblieben sind: Sie sollen bei der Spielemesse E3 am 10. Juni in Los Angeles vorgestellt werden.
Preise und Verfügbarkeit derzeit noch nicht bekannt
Die Information, wann genau die neue Xbox erscheint, blieb Microsoft zunächst noch schuldig. Auch ein Verkaufspreis steht noch nicht fest. Zusätzliche Infos dürften aber nicht allzu lang auf sich warten lassen, steht doch die E3 bereits vor der Tür.
Der Hauptkonkurrent für die Xbox One ist Sonys bereits im Februar vorgestellte PlayStation 4 (siehe Infobox), die mit Achtkern-CPU und High-Speed-Speicher ebenfalls bislang unerreichte grafische Opulenz verspricht und zusätzlich mit einem auch für die Touch-Bedienung ausgelegten Controller aufwartet. Was Microsoft dem entgegenzusetzen hat, wurde nun in Redmond gezeigt.
Erstes Fazit: Die Xbox One dürfte der PS4 in puncto Hardwareleistung recht ähnlich sein, die Multimedia-Elemente gehen über das, was man bislang von der PS4 kennt, hinaus. Die Spielegrafik, die mit der neuen Xbox möglich ist, ist spektakulär, wenn sie dem entspricht, was aus ersten Screenshots aus "Call of Duty: Ghosts" hervorgeht.
Dennoch stieg nach der Microsoft-Präsentation die Sony-Aktie, und zwar um stolze 9,11 Prozent.
Die Gründe: Microsoft legte zu viel Wert auf Zahlen, statt mehrere Spiele live in Aktion zu zeigen und mit echten Überraschungen und potentiellen Hits aufzuzeigen. Die wenigen Präsentationen lösten bei kaum einem Zuseher ein Wow-Gefühl aus. Microsoft wollte die Multimedia-Kapazitäten der Xbox One beweisen, hat damit aber die Kernzielgruppe der Gamer verschreckt. Zudem waren viele der Entertainment-Features auf die USA zugeschnitten, was das internationale Publikum kalt ließ. Dass der Kurs der Microsoft-Aktie nach der Präsentation um 0,79 Prozent gesunken ist, verwundert darum kaum.
Wir waren bei der Präsentation der neuen Konsole live dabei, hier die Chronologie der Ereignisse zum Nachlesen:
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