Immer mehr Privatpersonen in Vorarlberg stellen Kekse und andere Backwaren her, die sie über soziale Netzwerke und Online-Marktplätze verkaufen – und das nicht selten in beträchtlichem Umfang. Sehr zum Ärger der heimischen Konditoren.
Man würde meinen, dass das vorweihnachtliche Keksbacken ein sehr unverdächtiger Vorgang ist. Doch dem ist noch so. Vor allem dann nicht, wenn die süßen Leckereien auf Online-Marktplätzen feilgeboten werden: „Viele Menschen unterschätzen, welche Konsequenzen solche Verkäufe für das lokale Handwerk haben“, sagt Jennifer Grabher von der Wirtschaftskammer Vorarlberg. „Die Grenze zwischen Hobby und gewerblicher Tätigkeit wird oft überschritten, wenn Mengen, Strukturen oder die digitale Vermarktung einen betriebsähnlichen Charakter annehmen.“
Vor Weihnachten haben „Pfusch-Kekse“ Hochkonjunktur
Besonders jetzt in der Vorweihnachtszeit boomt der Markt für selbstgebackene Kekse. Über Plattformen wie Instagram oder Facebook werben zahlreiche Privatpersonen für ihre Produkte – oft mit professionell anmutenden Bildern und Verpackungen, weshalb es eine Abgrenzung zwischen Hobby und Unternehmertum meist sehr schwierig ist. Doch auch außerhalb der Weihnachtszeit sehen sich Konditoreien mit der Problematik konfrontiert, insbesondere bei anlassbezogenen Backwaren wie Hochzeits- oder Tauftorten, die ebenfalls vermehrt von Privaten angeboten werden.
Die Grenze zwischen Hobby und gewerblicher Tätigkeit wird oft überschritten, wenn Mengen, Strukturen oder die digitale Vermarktung einen betriebsähnlichen Charakter annehmen.
Jennifer Grabher, Wirtschaftskammer Vorarlberg
Gunther Fenkart, designierter Innungsmeister der Vorarlberger Konditoren, warnt vor den langfristigen Auswirkungen dieses Wildwuchses: „Unsere Betriebe arbeiten nach strengen Hygienestandards, zahlen Sozialabgaben und tragen durch ihre hohe Qualität zur regionalen Wertschöpfung bei. Wenn jedoch Privatpersonen ohne die nötigen gewerberechtlichen Voraussetzungen in den Markt drängen, schadet das nicht nur uns, sondern auch den Konsumentinnen und Konsumenten, die keine Garantie für die Einhaltung dieser Standards haben.“
Forderung nach klaren gesetzlichen Regeln
Seitens der Wirtschaftskammer werden nun klare Regeln gefordert. Insbesondere das veraltete Gesetz zum häuslichen Nebenerwerb gehöre novelliert. Dieses schaffe Graubereiche, welche auch für die Behörden nur schwer zu durchschauen seien. „Wir fordern deshalb eine genauere Definition des Gesetzes“, betont Fenkart, „in anderen Branchen ist Schwarzarbeit schließlich auch nicht bis zu einem gewissen Umgang erlaubt und erst darüber hinaus illegal.“
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