Tierschützer-Alarm

„Ohne menschliche Hilfe sterben unsere Igel aus“

Oberösterreich
05.12.2024 16:30

Der Winter ist schon in Oberösterreich angekommen. Aufmerksame Spaziergänger können dennoch immer noch viel zu kleine und leichte Igel sehen, die verzweifelt versuchen, noch etwas Gewicht zuzulegen. Doch nicht nur der Winter setzt den Säugetieren zu, sondern auch der zunehmende Insektenmangel.

„Für den Igel war heuer ein Katastrophenjahr. Wegen der frühen Wärme sind die Tiere viel zu früh aufgewacht und haben sich gepaart. Bei der Geburt der ersten Jungen war es viel zu kalt, und es gab wenig Vegetation und ebenso wenig Insekten“, schildern Ulrike Aglas und Ulrike Böhmüller von der Igelhilfe Steyregg.

„Im trockenen Sommer sind viele Igel verdurstet und wegen der Hitze hat sich die zweite Paarung verspätet, sodass noch Anfang Oktober junge Igel zur Welt gekommen sind. Da ist die Überlebenschance in der Natur gleich null.“

Nahrung und Lebensraum verschwinden
Das Grundproblem: Nahrung und Lebensraum der niedlichen Tierchen verschwinden. Eine Naturecke im Garten ist gut und könnte dem Igel zwar eine Winterbleibe bieten, aber ihn nicht ernähren: „Ich habe fast zwei Hektar naturbelassenen Grund und selbst hier muss ich zufüttern, weil sie wohl nicht genügend Nahrung finden. Ein Igel braucht pro Tag rund 200 Gramm Insekten“, weiß Ulrike Böhmüller.

Wie auch das Umweltbundesamt berichtet, habe die Biomasse von Insekten in den vergangenen 27 Jahren um rund 76 Prozent abgenommen – „und auch 1996 gab es nur mehr einen Bruchteil der Insektenmasse der 1950er-Jahre“, ergänzen die Igelhelferinnen. Die nachtaktiven Wanderer sind daher auf menschliche Hilfe angewiesen, um nicht innerhalb weniger Jahre auszusterben.

Ulrike Aglas widmet den Tierchen viel Zeit und Geld
Ulrike Aglas widmet den Tierchen viel Zeit und Geld(Bild: Igelhilfe Steyregg)

Randvolle Auffangstationen
„Alle Igelauffangstationen in Oberösterreich sind knallvoll, und können eigentlich gar nicht mehr aufnehmen“, so die Tierschützerinnen. Unterernährte Igel werden dort versorgt und aufgepäppelt – auch hierfür wird Hilfe gesucht.

Das Überwintern an sich könne fast jeder machen. Dazu brauche es nur eine geschützte Stelle – etwa einen Doppelhasenstall. Es reiche aber schon eine große Plastikbox auf einem nicht südseitigen Balkon.

Futter muss jederzeit bereitstehen
„Das nennt man gesichert überwintern. Sie schlafen dann für einige Monate. Während dieser Zeit könnten sie aufwachen, daher muss immer Futter und Wasser bereitstehen. Wenn sie wach sind, ist täglich der Stall oder die Box zu reinigen. Futter und Wasser gehören frisch aufgefüllt“, so die Expertinnen. 
Die Igelhilfe Steyregg ist immer auf der Suche nach Menschen, die Igel für die Überwinterung aufnehmen.

 Nähere Infos gibt’s unter www.igelhilfe-steyregg.com

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