So lebten die Frauen

Castro betrieb “Privatgefängnis mit Folterkammer”

Ausland
11.05.2013 08:00
Die Opfer sind in Freiheit, ihrem Peiniger Ariel Castro droht die Todesstrafe. Mittlerweile gelangen immer mehr schreckliche Details zum Motiv des "Mädchenfängers" von Cleveland und über das Leben der drei Frauen in seinem "Horrorhaus" ans Tageslicht. Nach den Worten des zuständigen Staatsanwalts Timothy McGinty habe der 52-Jährige in seinem Haus ein "Privatgefängnis inklusive Folterkammer" betrieben.

Castro habe laut Medien in einer ersten Vernehmung als Tatmotiv angegeben, dass er "sexsüchtig" sei. Er sei unfähig, seine Triebe zu kontrollieren, berichtete etwa der lokale NBC-Sender WKYC. Bei der Durchsuchung des "Horrorhauses" habe die Polizei zudem eine Notiz gefunden, in der er sich als "sexuelles Raubtier" bezeichnete. Offenbar mit Blick auf seine Opfer schrieb er: "Sie sind hier gegen ihren Willen, weil sie den Fehler begangen haben, zu einem völlig Fremden ins Auto zu steigen", zitierte der Sender WOIO aus dem Dokument.

Opfer zu Schwangerschaftsabbruch gezwungen
Unter Berufung auf Polizeiprotokolle nach ersten Vernehmungen der Frauen wurde gemeldet, dass Castro bei einer Entführten, Michelle Knight, fünf Mal einen Schwangerschaftsabbruch herbeigeführt habe - durch Nahrungsentzug sowie Tritte in den Bauch. Unklar bleibt allerdings, warum der 52-Jährige Knight immer wieder zum Abbruch zwang, während er die Geburt des Kindes, das er mit dem zweiten Entführungsopfer Amanda Berry zeugte, duldete. 

Schlimm auch, dass Castro ausgerechnet Knight, die keinerlei Erfahrung mit Kindsgeburten hatte, gezwungen haben soll, bei der Entbindung von Berrys Baby zu helfen. Damit nicht genug, habe er damit gedroht, sie umzubringen, sollte Berrys Neugeborenes, das kurz nach der Geburt in einem aufblasbaren Schwimmbecken zu atmen aufhörte, sterben. Doch das Mädchen überlebte. Die heute Sechsjährige entkam am Montagabend mit ihrer Mutter aus Castros Haus.

Frauen im Keller, dann im zweiten Stock untergebracht
Die CNN vorliegenden Protokolle liefern zudem weitere schreckliche Details über das Leben der drei Opfer in dem "Horrorhaus": Demnach hatte Castro die Frauen während ihrer jahrelangen Gefangenschaft zunächst im Keller eingesperrt, später gewährte er ihnen ein Leben im oberen Stockwerk des Anwesens - allerdings größtenteils getrennt voneinander in verschiedenen Zimmern, wie die Frauen gegenüber der Polizei erklärten.

Staatsanwalt McGinty, der jetzt die Todesstrafe für Ariel Castro fordert (siehe Infobox), nannte das 1.400 Quadratmeter große Anwesen ein "Privatgefängnis inklusive Folterkammer mitten in unserer Stadt". Die Behörden hatten bereits am Mittwoch bestätigt, dass in dem Haus Ketten und Seile gefunden wurden. Damit dürften die Frauen zumindest während ihrer Unterbringung im Keller gefesselt worden sein.

Castro stellte Frauen immer wieder auf die Probe
Den Angaben der Befreiten zufolge habe Castro sie, als sie bereits im Wohnbereich des Hauses lebten, zudem immer wieder auf die Probe gestellt. Er verließ das Haus, nur um Minuten später wieder zurückzukehren. Habe er dann auch nur Anzeichen eines Fluchtversuchs bzw. einer Bewegung außerhalb des für die Gefangenen festgeschriebenen Aufenthaltsbereichs entdeckt, seien die Frauen von ihrem Peiniger "diszipliniert" worden.

Die drei Frauen mussten sich jedenfalls jahrelang der absoluten Kontrolle ihres Peinigers beugen. Nur sehr selten hätten sie das Haus verlassen und auf den Hof gehen dürfen, sagte der Polizeichef von Cleveland, Michael McGrath, in der NBC-Sendung "Today". Ein Cousin eines Opfers sagte gegenüber Medien, die Frauen hätten zu jedem Jahrestag ihrer Entführungen einen Kuchen backen müssen. "Er feierte ihren Entführungstag als ihre neuen Geburtstage."

Staatsanwalt: "Die Frauen brauchen eine Chance auf Heilung"
FBI-Spezialisten, die in den letzten Tagen mit den Opfern sprachen, gaben nun zu bedenken, dass die Frauen "dringend Raum und Zeit brauchen", wie Staatsanwalt McGinty erklärte. "Sie brauchen eine Chance auf Heilung, bevor wir weitere eingehende Beweise von ihnen erhalten können." 

Am Mittwoch kehrten Amanda Berry, zusammen mit ihrer Tochter, sowie das dritte Entführungsopfer Gina DeJesus wieder in den Kreis ihrer Verwandten heim. Michelle Knight, die die letzten Tage im Krankenhaus verbracht hatte, ist nun auch endlich zu Hause. In einer Erklärung des Spitals im Internetnetzwerk Facebook hieß es am Freitag, Knight sei bei "guter Laune und sehr dankbar für die Blumen und Geschenke". Sie bitte aber darum, dass nun ihre Privatsphäre respektiert werde.

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