"Keine Dummheiten"
Geisel der Boston-Bomber schildert bange Momente
Der "Boston Globe" identifizierte den Mann, einen Einwanderer aus China, nur mit dem Vornamen Danny. Laut den Angaben des 26-Jährigen habe Tamerlan Tsarnaev in der Nacht auf Freitag vergangener Woche an Dannys Mercedes-Geländewagen geklopft und ihn mit einer Waffe bedroht. "Mach keine Dummheiten", habe Tamerlan, der zu Danny ins Auto stieg, gesagt. Dzhokhar sei zunächst in einem anderen Wagen hinterher gefahren.
Tamerlan erzählte demnach auch, dass er gerade einen Polizisten auf dem Campus der Eliteuni MIT erschossen habe. In einer dunklen Seitenstraße in den Bostoner Vororten hielten die beiden Autos dann an. Die Brüder schafften ihr Gepäck in Dannys Mercedes und fuhren mit ihrer Geisel in dem gekaperten Geländewagen weiter. Am Steuer habe nun Tamerlan gesessen.
Brüder wollten offenbar nach New York
Die mutmaßlichen Bombenleger hätten sich in einer fremden Sprache unterhalten, Danny habe aber das Wort "Manhattan" verstanden. Dann hätten ihn die Brüder gefragt, ob sie mit dem Wagen außerhalb des Bundesstaates fahren könnten. "Was meinst Du?", habe Danny gefragt. "Zum Beispiel New York", habe einer der beiden Brüder geantwortet. Nach Polizeiangaben planten die Tsarnaevs auch einen Anschlag auf dem Times Square im Herzen von Manhattan.
26-Jähriger alarmierte nach Flucht die Polizei
An einer Tankstelle gelang Danny nach eigenen Aussagen dann die Flucht. Als Dzhokhar an der Kasse zahlte und Tamerlan statt mit seiner Waffe mit dem Navigationssystem des Autos hantierte, sah der 26-Jährige seine Chance. "Ich dachte, dass ich zwei Dinge machen muss: mich abschnallen sowie die Tür öffnen und so schnell ich kann rausspringen. Wenn ich es nicht schaffen würde, würde er mich sofort töten", sagte Danny dem "Boston Globe". Ohne zurückzublicken sei er zu einer benachbarten Tankstelle gerannt und habe von dort die Polizei alarmiert.
"Ich fühle mich nicht als Held", sagte Danny. "Ich habe nur versucht, mich zu retten." Die Brüder Tsarnaev flohen demnach mit dem Mercedes, in dem noch immer das Handy von Danny lag. Über die Handysignale nahm die Polizei die Fährte der mutmaßlichen Attentäter auf. Bei der Verfolgungsjagd wurde Tamerlan getötet, Dzhokhar wurde Stunden später schwer verletzt gefasst.
Dzhokhar Tsarnaev ins Gefängnis überstellt
Der 19-Jährige wurde mittlerweile vom Krankenhaus in ein Gefängnis nach Fort Devens nordöstlich von Boston überstellt, wie die Polizei Freitagmittag mitteilte. Er muss sich wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen vor einem Zivilgericht verantworten. Tsarnaev droht die Todesstrafe.
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