"Keine Dummheiten"

Geisel der Boston-Bomber schildert bange Momente

Ausland
26.04.2013 22:34
Der von den beiden Bombenattentätern von Boston als Geisel genommene Mann hat am Freitag in einem Interview erstmals die bangen Momente geschildert: Der 26-Jährige erklärte dem "Boston Globe", wie die Brüder Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev vor einer Woche sein Auto kaperten und mit dem Anschlag auf den Marathon (Bild) prahlten. "Ich habe das getan", habe ihm Tamerlan mit Blick auf die Attacke gesagt, bei der drei Menschen getötet und über 260 weitere Personen verletzt worden waren.

Der "Boston Globe" identifizierte den Mann, einen Einwanderer aus China, nur mit dem Vornamen Danny. Laut den Angaben des 26-Jährigen habe Tamerlan Tsarnaev in der Nacht auf Freitag vergangener Woche an Dannys Mercedes-Geländewagen geklopft und ihn mit einer Waffe bedroht. "Mach keine Dummheiten", habe Tamerlan, der zu Danny ins Auto stieg, gesagt. Dzhokhar sei zunächst in einem anderen Wagen hinterher gefahren.

Tamerlan erzählte demnach auch, dass er gerade einen Polizisten auf dem Campus der Eliteuni MIT erschossen habe. In einer dunklen Seitenstraße in den Bostoner Vororten hielten die beiden Autos dann an. Die Brüder schafften ihr Gepäck in Dannys Mercedes und fuhren mit ihrer Geisel in dem gekaperten Geländewagen weiter. Am Steuer habe nun Tamerlan gesessen.

Brüder wollten offenbar nach New York
Die mutmaßlichen Bombenleger hätten sich in einer fremden Sprache unterhalten, Danny habe aber das Wort "Manhattan" verstanden. Dann hätten ihn die Brüder gefragt, ob sie mit dem Wagen außerhalb des Bundesstaates fahren könnten. "Was meinst Du?", habe Danny gefragt. "Zum Beispiel New York", habe einer der beiden Brüder geantwortet. Nach Polizeiangaben planten die Tsarnaevs auch einen Anschlag auf dem Times Square im Herzen von Manhattan.

26-Jähriger alarmierte nach Flucht die Polizei 
An einer Tankstelle gelang Danny nach eigenen Aussagen dann die Flucht. Als Dzhokhar an der Kasse zahlte und Tamerlan statt mit seiner Waffe mit dem Navigationssystem des Autos hantierte, sah der 26-Jährige seine Chance. "Ich dachte, dass ich zwei Dinge machen muss: mich abschnallen sowie die Tür öffnen und so schnell ich kann rausspringen. Wenn ich es nicht schaffen würde, würde er mich sofort töten", sagte Danny dem "Boston Globe". Ohne zurückzublicken sei er zu einer benachbarten Tankstelle gerannt und habe von dort die Polizei alarmiert.

"Ich fühle mich nicht als Held", sagte Danny. "Ich habe nur versucht, mich zu retten." Die Brüder Tsarnaev flohen demnach mit dem Mercedes, in dem noch immer das Handy von Danny lag. Über die Handysignale nahm die Polizei die Fährte der mutmaßlichen Attentäter auf. Bei der Verfolgungsjagd wurde Tamerlan getötet, Dzhokhar wurde Stunden später schwer verletzt gefasst.

Dzhokhar Tsarnaev ins Gefängnis überstellt
Der 19-Jährige wurde mittlerweile vom Krankenhaus in ein Gefängnis nach Fort Devens nordöstlich von Boston überstellt, wie die Polizei Freitagmittag mitteilte. Er muss sich wegen des Gebrauchs von Massenvernichtungswaffen vor einem Zivilgericht verantworten. Tsarnaev droht die Todesstrafe.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
26.04.2013 22:34
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung