Alte Tugenden

Arena-Shooter “ShootMania Storm” überzeugt im Test

Spiele
22.04.2013 15:18
Mit "ShootMania Storm" versucht sich Nadeo, der Macher der beliebten Rennspielserie "TrackMania", jetzt erstmals an einem eigenen Shooter, der mit zahlreichen von Nutzern geschaffenen Karten und rasanten Gefechten Freunde gepflegter Multiplayer-Action anlocken soll. Während die "TrackMania"-Reihe längst über eine treue Fangemeinde verfügt, die ständig neue Strecken nachliefert, steht "ShootMania Storm" noch am Anfang. Warum wir dem Spiel trotz seiner Jugend schon jetzt reichlich Potenzial attestieren, verrät unser Test.

Den Luxus einer Handlung leistet sich "ShootMania Storm" nicht. Braucht es auch nicht, schließlich hatten ähnlich gestrickte Spiele der Vergangenheit auch keine und waren trotzdem extrem erfolgreich. Schnelle Arena-Shooter wie "Quake 3 Arena" oder "Unreal Tournament" waren immer vor allem eines: kurzweilige Mehrspielerkost, bei der es vor allem auf das Können und die Erfahrung des Spielers ankam. Dass sie leicht zu erlernen, aber nur schwer zu meistern waren, machte sie zu besonders beliebten Mehrspieler-Games für LAN-Turniere.

Ganz ähnlich verhält es sich mit "ShootMania Storm", das zwar weder die teils unnötig übertriebene Brutalität noch die stattliche Waffenauswahl von "Quake 3" oder "Unreal Tournament" geerbt hat, dafür aber die wohl wichtigsten Tugenden der alten Shooter-Garde wiederbelebt: schnelle, hitzige Netzwerkgefechte, in denen man sich endlich wieder in altbewährter Manier mit anderen messen kann.

Spieler dürfen Waffen nicht selber wechseln
"ShootMania Storm" ist dabei so puristisch, wie ein Shooter nur sein kann. Gerade einmal drei verschiedene Waffen stehen den durch die Levels hüpfenden Spielern zur Verfügung – und selbst die darf man nicht jederzeit wechseln. Stattdessen sind die hübsch designten Maps, denen es hie und da an Details mangelt, mit bestimmten Zonen ausgestattet, in denen Spieler automatisch die Waffen wechseln.

Wird die Spielfigur etwa von einem Katapult – und davon gibt's in den meisten Karten von "ShootMania Storm" viele – auf einen Turm geschossen, so darf er oben nicht selten zur exakten "Railgun" greifen und sich als Sniper betätigen. In anderen Zonen erhält er eine Art Granatwerfer, die besonders gut für den Nahkampf geeignet ist. Und überall sonst muss er mit der Standard-Energiekanone, die langsam fliegende Energiebälle verschießt, das Auslangen finden.

Gleich fünf verschiedene Mehrspieler-Modi
Fünf verschiedene Mehrspieler-Modi bietet "ShootMania Storm" Freunden gepflegten Herumballerns. Im Modus "Elite" treten zwei Teams zu je drei Spielern gegeneinander an, wobei stets eins gegen drei gespielt wird. Was unfair klingt, ist in der Praxis halb so wild. Jener Spieler, der alleine ins Feld zieht, ist mit einer präzisen Railgun ausgerüstet, während die anderen nur mit den Standard-Energiekanonen kämpfen. Das Ziel: entweder alle Gegner ausschalten oder innerhalb des Zeitlimits eine Flagge erobern.

Im Modus "Royal" starten die Spieler auf einer großen Karte und erstreiten Punkte, indem sie Gegner abschießen oder möglichst lang am Leben bleiben. Fies: Im Laufe der Schlacht wird das Spielfeld kleiner, weil die Randbereiche von einem Tornado zerstört werden. Entsprechend hart geht es auch gegen Ende einer "Royal"-Partie zur Sache.

Im Modus "Battle" kämpfen wiederum zwei Teams um Flaggen, wobei jenes Team, das als erstes alle eingesammelt hat, zum Sieger gekürt wird. Der Modus "Melee" versteht sich als klassisches Deathmatch, bei dem allerdings nicht die Abschüsse, sondern Punkte gezählt werden. Und Punkte erhält man auch, indem man Gegner trifft, dabei aber nicht ausschaltet. 

Kein Blut, auch für jüngere Spieler geeignet
Wer das Waffenwechseln und Munition aufsammeln – in "ShootMania Storm" gibt es statt echter Munition eine sich langsam wieder aufladende Energieanzeige – vermisst, für den steht mit "Combo" noch ein Modus bereit, der auf schnelle Zwei-gegen-zwei-Action abzielt und das Waffenwechseln und das Benutzen von Medipacks erlaubt. Neben diesen fünf offiziellen gibt es noch eine Reihe von nutzergenerierten Modi, die es in der Multiplayer-Welt von "ShootMania Storm" zu erkunden gibt.

Nett: Trotz reichlich Geballer ist "ShootMania Storm" auch für junge Spieler (Altersfreigabe: zwölf Jahre) geeignet. Weder übertriebene Gewalt noch der inflationäre Gebrauch von Kraftausdrücken trüben die Freude am Kräftemessen im Internet. Wird ein Spieler getroffen, wird er schlicht eingefroren, verschwindet langsam und taucht nach kurzer Wartezeit an den Einstiegspunkten der Karte wieder auf. Dieser Verzicht auf unnötige Gewalt tut dem Spiel gut und unterstreicht den Charakter des sportlichen Wettkampfes, der "ShootMania Storm" ja sein möchte.

Unspektakuläre, aber hardwareschonende Optik
So schnörkellos die Online-Action, die "ShootMania Storm" bietet, auch ist: Optisch spielt es nicht in der Oberliga mit. Böse Zungen würden es – vor allem im Direktvergleich mit aktuellen Shootern à la "Crysis 3" – wohl hässlich nennen, wir nennen es zweckmäßig. 

Weder die Karten an sich noch die Spielfiguren oder die Effekte sind optisch auf der Höhe der Zeit, was aber zum Teil auch die bewusste Entscheidung der Macher ist. Durch den Verzicht auf grafischen Bombast läuft das Spiel nämlich auch problemlos auf älteren Rechnern, auf denen aktuelle Hochglanz-Shooter wohl nicht einmal starten würden.

Unaufdringlicher Sound, mächtiger Karteneditor
Auch beim Sound greift wieder das Prädikat "zweckmäßig". Der Sound des Spiels fällt weder positiv noch negativ auf, versteht sich also als unaufdringliche Untermalung des Geschehens. Die Waffengeräusche klingen etwas ungewohnt, was aber wohl der Tatsache, dass die Waffen aus "ShootMania Storm" allesamt keine realen Vorbilder und demnach Phantasiesounds haben, geschuldet sein dürfte.

Eine große Stärke des Games ist der mitgelieferte Karteneditor. Der ist – wie schon beim Rennspiel-Pendant "TrackMania" – sehr benutzerfreundlich und kinderleicht zu bedienen. Allzu lange dürfte es da nicht dauern, bis eine regelrechte Flut neuer Karten über die "ShootMania"-Spieler hereinbricht.

Fazit: Mit "ShootMania Storm" liefert Nadeo einen schnörkellosen Mehrspieler-Shooter im Stile von "Quake 3" und "Unreal Tournament", der auf Blut, massenhaft Waffen und Kraftausdrücke verzichtet und trotzdem die wichtigsten Tugenden der Arena-Shooter neu aufleben lässt. Die Partien in "ShootMania Storm" waren bei unserem Test stets schnell, hitzig und actionreich und die zu erwartende Flut an von der Community erstellten Karten lässt darauf hoffen, dass Fans des Spiels lange mit neuem Futter versorgt werden. Klar: Grafik und Sound sind nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit. Wem es aber vor allem um schnelle und unkomplizierte Mehrspieler-Action und weniger um das Aussehen geht, der wird an "ShootMania Storm" viel Freude haben.

Plattform: PC
Publisher: Ubisoft
krone.at- Wertung: 8/10

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