Nach Terrorakt
Bostons Ärzte kommen noch lange nicht zur Ruhe
Auch Tage nach den Anschlägen herrscht in den Krankenhäusern der Stadt immer noch Hochbetrieb. Dutzende Verletzte müssen weiter behandelt werden. "Wir haben jeden Tag mehrere neue Operationen geplant", erzählt Burke. Es würden wohl alle Verletzten überleben, teilten die Krankenhäuser am Donnerstag mit. Aber bei vielen könnte die Genesung Jahre dauern. "Diese Art von Bombenverletzungen, das erfordert oft viele, viele Operationen - und dann noch eine lange Reha-Zeit", so Unfallchirurg Burke.
Normalität kehrt nur langsam zurück
Der Schock des Bombenterrors sitzt tief bei den Bewohnern von Boston. Nur langsam kehrt in der Ostküstenstadt wieder Normalität ein. Die Zielgerade in der Innenstadt ist immer noch weiträumig abgesperrt. Durch die Gitter sind Spezialkräfte in weißen Anzügen zu sehen, die jedes noch so kleine Teil vom Boden der Boylston Street aufheben und untersuchen.
In der Parallelstraße Newbury Street sitzen unterdessen Menschen in Straßencafés, essen Eis und genießen die strahlende Sonne. Mittendrin stehen TV-Korrespondenten aus aller Welt, umgeben von grellen Scheinwerfern, und sprechen in ihre Mikrofone. Immer wieder ertönen Sirenen, und Polizeiwagen mit blau blinkenden Warnleuchten brausen durch die Straße.
Viele Ärzte an Ziellinie: "Glück im Unglück"
Nur langsam wird vielen Menschen hier wirklich bewusst, was geschehen ist - und wie viel Glück im Unglück Boston gehabt hat. "Es waren ja sowieso schon mehrere Hundert Ärzte und Krankenschwestern an der Zielgeraden, um den Läufern mit den normalen Gesundheitsproblemen nach einem Marathon zu helfen", sagt Brian French, Krankenpfleger am Massachusetts General Hospital. "Die konnten dann nach den Anschlägen sofort eingreifen, das war ein großes Glück."
Dazu kommt, dass die Universitätsstadt Boston außergewöhnlich viele und außergewöhnlich gute Krankenhäuser auf engstem Raum hat und dass dort wegen des Feiertags am Montag weniger los war als sonst. Das alles, so sind sich die Experten einig, hat dazu geführt, dass weniger Menschen ums Leben gekommen sind, als bei einem solchen Terrorakt möglich gewesen wäre.
"Von überall her kam Hilfe"
"Wie gut alles organisiert war, das hat mich sehr beeindruckt", sagt ein 25-jähriger deutscher Medizinstudent, der gerade ein Praktikum am General Hospital absolviert. "Sobald wir von den Anschlägen erfahren haben, wurden die Patienten, die keine dringenden Anliegen hatten, nach Hause geschickt, um Kapazitäten freizumachen. Von überall her kam Hilfe. Viele Kollegen, die eigentlich frei hatten, kamen zur Arbeit. Einer ist direkt aus dem Fitnessstudio herübergekommen, der war noch in Turnklamotten und ganz verschwitzt."
Auf Röntgenbildern sieht der 25-Jährige schon kurz nach dem Anschlag die ersten Verletzungen. "Da waren Menschen, die hatten bis zu 40 kleine Nägel in ihren Beinen. Es war furchtbar." Der Student arbeitet derzeit durch und macht sich gleichzeitig Sorgen um seine eigene Sicherheit. "Ich frage mich schon die ganze Zeit, ob nicht irgendwo noch einmal so eine Bombe losgehen könnte."
Auch Helfer brauchen Unterstützung
Auch die Helfer brauchen nach dem Bombenterror von Boston Hilfe. "Wir sprechen in unserem Team viel miteinander und trösten uns", so Unfallchirurg Burke. Sein Kollege Brian French vom General Hospital weigert sich, die Nachrichten im Fernsehen zu schauen. "Das ist meine Art, damit umzugehen. Ich will diese Bilder einfach nicht im Kopf haben. Aber ich bin stolz, dass ich als Krankenpfleger den Menschen helfen kann, die betroffen sind. Das hilft auch mir."
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