Burgtheaterdirektor Stefan Bachmann bringt mit „Manhattan Project“ eine aufregende Zeitgeschichte auf die Bühne des Akademietheaters.
Ein faszinierendes Stück Geschichte hat der Italiener Stefano Massini da in die dramatische Form gebracht: Fünf emigrierte ungarische Juden, unter ihnen Robert Oppenheimer (Max Simonischek) und Edward Teller (Markus Meyer), entwickelten für die USA unter dem Decknamen „Manhattan Project“ die erste Atombombe. Die Erfindung des Weltuntergangs? Oder seine Verhinderung, indem man Hitlers Plänen zuvorkam und später das Gleichgewicht des Schreckens herstellte? In unserer verwirrten Zeit nimmt sich das sprachmächtige Werk noch bedrohlicher aus.
Burg-Direktor Stefan Bachmann hat es für seine erste Regie im Amt ausgewählt, und es gelingt ihm beeindruckend. Ein bühnenhohes, sich drehendes Schicksalsrad (Ausstattung: Olaf Altmann) nimmt die Szene ein. Das in ihm festsitzende Personal ist zu sprachlicher und körperlicher Akrobatik gezwungen. Der Abend ist streng choreografiert. Dennoch gelingen dem siebenköpfigen, ausschließlich männlichen Ensemble packende Gestalten. Nur in der überlangen Schlusspassage entgleist das Unternehmen in redseligen Symbolschwulst.
Bachmann vertraut für sein Debüt keinen Stars, sondern einer gut verlesenen Mischung aus eingesessenen und mitgebrachten Schauspielern. Das ist nicht nur sympathisch, sondern auch eine kluge Investition in das Betriebsklima. Die neue Direktion feiert einen insgesamt ertragreichen Herbst.
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