Nicht jeder Häftling verlässt das Gefängnis mit dem Vorhaben, ein „besserer“ Mensch zu werden. Der Amerikaner Jacob Bell jedoch wurde wegen guter Führung vorzeitig entlassen, vom Ex-Knacki zum Schutzengel und rettete innerhalb von nur sechs Wochen gleich zwei Menschen vor dem sicheren Tod.
Bell wurde Ende der 90er-Jahre im texanischen Ellis County wegen Raubüberfalls zu 35 Jahren Haft verurteilt. Laut des Fernsehsenders KXAS-TV wurden ihm allerdings 15 Jahre seiner Haftstrafe erlassen. Dass er schon 2024 – und nicht erst 2031 – entlassen wurde, entpuppte sich für zwei seiner Mitmenschen zum Glücksfall.
Mädchen vor dem Ertrinken gerettet
Als er am 24. August mit einem Freund eine Bootstour auf dem Lake Waxahachie in Texas machte, sah er, wie ein Mädchen im Teenageralter von einem Bootssteg ins Wasser stürzte und zu ertrinken drohte: „Ich war nur gut 100 Meter entfernt und sah, wie ihr Kopf unter dem Wasser verschwand. Wir sind mit Vollgas hin.“
Der 47-Jährige sprang ins Wasser und konnte die Ertrinkende hoch und in sein Boot ziehen: „Sie war blau im Gesicht und hat nicht mehr geatmet. Ich habe mit der Wiederbelebung begonnen und gepumpt, bis sie Wasser gespuckt und tiefe Atemzüge genommen hat.“ Die 17-Jährige, die mit einer Jugendgruppe einer Kirche vor Ort war, wurde ins Krankenhaus gebracht und bereits am nächsten Tag wieder entlassen.
Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, dass ich helfen konnte. Besonders, da ich eigentlich ja noch hinter Gitter sein sollte. Mein Selbstwertgefühl ist wieder gestiegen und ich fühle mich wieder als Teil dieser Gesellschaft!
Jacob Bell
„Zögerte keine Sekunde“
Damit nicht genug der Heldentaten. Im Oktober war Bell im Bezirk Comanche County unterwegs, als er an einer Landstraße an einem Verkehrsunfall beobachtete. Ein älterer Mann war ins Schleudern geraten, hatte sich überschlagen und war gegen einen Telefonmast gecrasht. Bell: „Der Wagen lag auf dem Dach und brannte lichterloh. Ich habe keine Sekunde gezögert, bin aus meinem Wagen gesprungen und zum brennenden Wrack.“
Autofenster eingeschlagen, Lenker gerettet
Er schlug mit seiner Faust das Fahrerfenster ein und zog den leblosen Fahrer ins Freie. Dann habe er mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen und „kurz darauf wieder einen Puls gespürt“.
Als der Rettungsdienst eintraf, atmete der 72-jährige Lenker wieder. Er wurde mit gebrochenen Rippen ins Krankenhaus gebracht und befindet sich auf dem Weg der Besserung. Auch Bell wurde mit dem Krankenwagen mitgenommen, weil er bei seiner Rettungstat eine Rauchvergiftung erlitten hatte.
„Wieder Teil der Gesellschaft“
Für den Lebensretter, der in Freiheit seine Freundin geheiratet hat und Vater geworden ist, sind seine Heldentaten ein echter Segen: „Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, dass ich helfen konnte. Besonders, da ich eigentlich ja noch hinter Gitter sein sollte. Mein Selbstwertgefühl ist wieder gestiegen und ich fühle mich wieder als Teil dieser Gesellschaft!“
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