Wut auf Regierung

Italien: Suizide aus Geldnot sorgen für Protest

Ausland
08.04.2013 12:31
Die Selbstmorde dreier Mitglieder einer Familie in einer italienischen Kleinstadt sorgen im ganzen Land für Proteste gegen die Regierung. Ein arbeitsloser Bauarbeiter, seine Frau und deren Bruder sollen sich aus Verzweiflung über unbezahlte Rechnungen und die aussichtslose Situation auf dem Arbeitsmarkt das Leben genommen haben.

Romeo Dionis, 62, und seine Frau Annamaria Sopranzi, 68, erhängten sich am Donnerstag in Civitanova Marche, berichtete der "Telegraph". Als Sopranzis Bruder Guiseppe, der bei dem Paar lebte, davon erfuhr, ertränkte er sich demnach im Meer.

Die Tragödie nahm vor vier Jahren ihren Ausgang, als Dionis seinen Job verlor und nur noch Gelegenheitsarbeit fand. So häufte die Familie im Lauf der Jahre 30.000 Euro Schulden an, unter anderem durch einen Mietrückstand. Auch dass Dionis nicht mehr für die Zahlungen an die Pensionskasse aufkommen konnte, könnte zum Selbstmord beigetragen haben.

Wut der Italiener entlädt sich an Politikern
Die Wut über die für viele Italiener aussichtslose Situation bekommen nun die Politiker des Landes zu spüren. So wurde etwa die Präsidentin des italienischen Parlaments, Laura Boldrini (Bild), am Samstag beim Besuch des Dreifachbegräbnisses mit Rufen wie "Killerin" und "Sie wurden vom Staat getötet" empfangen. Boldrini sagte, sie habe nie erwartet, dass so viele italienische Familien an der Armutsgrenze leben.

Pfarrer: Selbst Unternehmer fragen nach Arbeit
Während des Begräbnisses berichtete Pfarrer Luigi Conti, er sei von den vielen aus finanziellen Gründen Hilfesuchenden der letzten Zeit geängstigt. "Es sind nicht länger nur normale Menschen, Arbeiter, Bauern, sondern auch Unternehmer, die mich nach Arbeit fragen", so Conti. Kardinal Angelo Bagnasco, der Leiter der italienischen Bischöfe, sagte, die Selbstmorde "sollten uns ernsthaft nachdenken lassen und uns dazu bringen, diese Sackgasse zu verlassen".

Trübe Zukunftsaussichten
Doch danach sieht es im Moment nicht aus. Die italienische Wirtschaft wird heuer voraussichtlich um mindestens 1,3 Prozent zurückgehen, nachdem sie bereits 2012 um 2,4 Prozent gesunken war. Rund 79.000 Italiener haben ihr Heimatland im letzten Jahr verlassen - eine Steigerung um 30 Prozent. Um zumindest die zunehmende Schließung kleiner Firmen zu verhindern, hat die Regierung am Samstag versprochen, an italienische Firmen 40 Milliarden Euro auszuzahlen, die für öffentliche Aufträge noch immer ausstehen.

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