Angst vor Eskalation

USA verschieben wegen Nordkorea Raketentest

Ausland
07.04.2013 14:19
Angesichts der Spannungen mit Nordkorea haben die USA einen in Kalifornien geplanten Raketentest verschoben. Der eigentlich für die kommende Woche angesetzte Test einer Interkontinentalrakete des Typs "Minuteman III" (Bild) werde auf kommenden Monat verschoben, sagte ein Vertreter des Verteidigungsministeriums am Samstag. Dadurch solle verhindert werden, dass der Test in der derzeitigen angespannten Lage von Nordkorea "missverstanden" werde.

Die Verschiebung des Raketentests sei von US-Verteidigungsminister Chuck Hagel angeordnet worden, sagte der Ministeriumsvertreter, der anonym bleiben wollte, der Nachrichtenagentur AFP. Eigentlich habe die ballistische Interkontinentalrakete in der kommenden Woche auf dem Vandenberg-Luftwaffenstützpunkt im US-Bundesstaat Kalifornien getestet werden sollen. Nun werde der Test erst im kommenden Monat stattfinden, einen genauen Termin gebe es noch nicht.

Grund für die Entscheidung Hagels seien Befürchtungen, dass der Test "als Zeichen missverstanden werden könnte, dass wir die gegenwärtige Krise mit Nordkorea verschärfen wollen", sagte der Vertreter des Verteidigungsministeriums. "Wir wollen Fehlinterpretationen oder Manipulationen verhindern."

Seoul sagt Militärtreffen mit USA ab
Südkorea und die USA verschoben auch ein für Mitte April in Washington geplantes Militärtreffen. Ein Sprecher des südkoreanischen Generalstabs sagte der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag, die Entscheidung zur Verschiebung des Treffens sei auf Wunsch Seouls "wegen der derzeitigen besonderen Lage unserer nationalen Verteidigung" getroffen worden. Bei dem Treffen am 16. April wollten US-Generalstabschefs Martin Dempsey und sein südkoreanischer Kollege Jeong Seung Jo unter anderem ihre Vorgehensweise gegenüber Nordkorea koordinieren. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete, Seoul befürchte während der Abwesenheit seines Generalstabschefs einen militärischen Übergriff seitens des Nordens.

Südkorea warnte den Norden am Sonntag erneut vor einem Angriff. "Wenn ein lokaler Krieg ausbricht, muss Nordkorea mit schwerer Vergeltung rechnen", sagte der Chef des Nationalen Sicherheitsrates, Kim Jang Soo. Der Norden werde in dem Fall einen hohen Preis zahlen. Zwar gebe es derzeit keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff. Das Risiko eines Krieges in der Region sei aber auch nicht auszuschließen.

Südkorea geht nach den Worten Kim Jang Soos davon aus, dass Nordkorea am ehesten kommenden Mittwoch eine Rakete starten könnte. Darauf deute die Kriegsrhetorik des Nordens hin. Nach Einschätzung Seouls handelt es sich um "ein berechnendes Muster, um weltweit in die Schlagzeilen zu kommen." Die südkoreanische Regierung werde in dem Konflikt weiter besonnen und entschlossen agieren - mit allen diplomatischen und militärischen Möglichkeiten.

Japan rüstet sich für Angriff aus Nordkorea
Japan rüstet sich unterdessen für den möglichen Start einer Mittelstreckenrakete in Nordkorea. Verteidigungsminister Itsunori Onodera werde die Armee in Kürze anweisen, Vorbereitungen zu treffen, eine solche Rakete abzufangen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Sonntag. Sie berief sich dabei auf mehrere Regierungsquellen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Rakete auf Japan abgeschossen werde, ist nicht sehr hoch", wurde eine ungenannte Quelle zitiert. "Wir sollten aber für alle Eventualitäten vorbereitet sein."

China fordert Dialog aller Beteiligten
Das lange Zeit eng mit dem stalinistischen, nordkoreanischen Regime verbündete China forderte unterdessen einen Dialog aller Beteiligten - "egal wie sich die Lage ändert", sagte Außenminister Wang Yi in einem Telefonat mit UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Sechs-Nationen-Dialog Chinas mit Nordkorea, den die USA, Südkorea, Japan und Russland, der wegen des nordkoreanischen Atomprogramms aufgenommen und von Nordkorea wieder abgebrochen wurde, solle wieder in Angriff genommen werden. Die Schweiz hat sich Nordkorea für Verhandlungen als Gastgeberland angeboten.

Drohungen Nordkoreas überschlagen sich
Nordkorea reiht nach einem dritten Atomtest und daraufhin verschärften UNO-Sanktionen seit Wochen militärische Drohungen insbesondere gegen die USA und Südkorea aneinander. Am Donnerstag teilte die Armee mit, ein Atomangriff auf die USA sei genehmigt (siehe Infobox). Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap, die sich auf ranghohe Regierungsvertreter in Seoul berief, verlegte Nordkorea zwei Mittelstrecken-Raketen an seine Ostküste und installierte sie auf mobilen Abschussrampen. Sie könnten jedes Ziel in Südkorea und Japan und möglicherweise sogar den US-Stützpunkt auf der Insel Guam im Pazifik erreichen.

Lage im Industriepark Kaesong spitzt sich zu
In dem von Nord- und Südkorea gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong müssen wegen der aktuellen, erhöhten Spannungen zwischen beiden Ländern immer mehr Firmen ihre Produktion unterbrechen. Inzwischen seien 13 von 123 Firmen betroffen, teilten südkoreanische Behörden am Sonntag mit. Ihnen sei wegen der nordkoreanischen Grenzblockade das Material ausgegangen, zudem seien sie von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten.

Die stalinistische Führung in Pjöngjang verweigert seit Mittwoch sowohl südkoreanischen Pendlern als auch Lieferanten die Einreise in die Sonderwirtschaftszone, die auf nordkoreanischem Gebiet liegt. Beschäftigt sind in Kaesong innerhalb der nordkoreanischen Grenzen 53.000 nordkoreanische Mitarbeiter und mehr als 800 Südkoreaner, von denen sich derzeit dort noch etwas mehr als 500 befinden. Die Einrichtung ist ein wichtiger Devisenbringer für das Regime in Pjöngjang.

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