Neun junge türkische Fußballfans sorgten beim Public Viewing in Landeck für Wirbel, nun saßen sie als Angeklagte vor dem Landesgericht Innsbruck. Acht von ihnen dürften das Gerichtsgebäude aber eher erleichtert verlassen haben . . .
Emotionen rund um „König Fußball“ brachten die Männer am Donnerstag auf die Anklagebank. Vor dem EM-Viertelfinalspiel Niederlande-Türkei kam es – wohl aus Euphorie und Übermut – zum unerlaubten Abfeuern von Feuerwerkskörpern. Die Polizei fackelte nicht lange, schritt beherzt ein und wollte auch sofort Verhaftungen vornehmen.
Einer stach besonders hervor
Dem widersetzte sich die Clique von Freunden aber vehement. Der Erstangeklagte stellte sich den Polizisten zu Beginn der angestrebten Amtshandlungen dezidiert und auf Konfrontationskurs in den Weg. „Sie waren damit der Stein des Anstoßes für die darauffolgende Situation“, sagte Richter Reinhard Santeler.
Schuldspruch, auch weil es nicht das erste Mal war
Dieser Beschuldigte wurde dann auch als einziger schuldig gesprochen. „Eine Diversion kommt bei Ihnen nicht mehr infrage“, erklärte der Richter, zumal der Mann kürzlich zu drei Monaten bedingter Haft wegen eines vergleichbaren Deliktes verurteilt worden war. Von einem Widerruf der bedingten Haft wurde schließlich zwar abgesehen, die Probezeit aber auf fünf Jahre verlängert. Außerdem muss der türkischstämmige Mann stolze 5000 Euro Geldstrafe berappen. Das Urteil ist rechtskräftig.
Gemeinnützige Arbeit ohne Verurteilung
Anders verlief es bei den weiteren acht Angeklagten. Im Rahmen einer diversionellen Erledigung erlegte ihnen der Richter geschlossen „gemeinnützige Leistungen“ auf. Die Erwachsenen unter den Angeklagten müssen damit 100 Stunden abdienen, die jungen Erwachsenen 50. „Sie geben damit der Allgemeinheit etwas zurück, denn das, was sie gemacht haben, war absolut nicht in Ordnung“, erklärte er. Es sei als eine „wirkungsvolle Versöhnung mit der Gesellschaft“ gedacht.
Mit der gemeinnützigen Arbeit geben sie der Allgemeinheit etwas zurück, denn das, was sie gemacht haben, war absolut nicht in Ordnung
Richter Reinhard Santeler
Verteidiger brachte „türkische Seele“ ins Spiel
Zuvor hatte einer der Verteidiger davon gesprochen, dass die „türkische Seele einfach emotionaler ist“ und die Polizei wohl auch „etwas zu heftig“ eingeschritten sei. Argumente, die der Vorsitzende jedoch nicht wirklich zulassen wollte. „Wenn sich die Angeklagten kooperativer verhalten hätten, säßen wir heute gar nicht hier“, schloss er die Verhandlung nach zwei Stunden und mit einer Warnung für die Zukunft.
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