Der Vorgänger ist ein Weilchen her: In Europa kam "Luigi's Mansion" für den GameCube 2002 auf den Markt. Damals lernte der wohl berühmteste Bruder der Videospielgeschichte Professor I. Gidd kennen, der ihn mittels Staubsauger vor einem Geist rettete und ihm Tipps gab für das Durchsuchen einer geheimnisvollen Villa nach Mario.
Schelmischer Spaß: Luigi und die Geister
Der Professor ist auch in "Luigi's Mansion 2" mit dabei, und auch das Gameplay ähnelt - bis auf die fehlenden Jump'n'Run-Elemente - dem Vorgänger: Erneut zieht Luigi mit Staubsauger und Taschenlampe bewaffnet los, um widerspenstige Geister einzusammeln, die sich in der Villa des Professors und den umliegenden Gebäuden breitgemacht haben. Dabei sprühen Texte, aber besonders die Aktionen und Animationen der Geister und Luigi nur so vor Witz.
Im Kern ein Abenteuerspiel
Der Fokus des Gameplays liegt klar auf dem Abenteuerpart: Luigi erkundet nach und nach Räume, entdeckt dabei Secrets und Schlüssel für die nächste Tür, sammelt Geld und Schätze und löst Umgebungsrätsel. Die Geisterjagd nimmt einen eher kleinen, aber regelmäßig wiederkehrenden Teil ein. Sie lockert das Geschehen nett auf und sorgt für actionreiche, ja sogar hektische Momente. Das gilt auch für die gelungenen Bosskämpfe, die einen guten Mix aus Action und Taktik bieten.
Umgebung lädt zum Erkunden und Rätseln ein
Die Mischung aus gruselig und kinderfreundlich ist in "Luigi's Mansion 2" gut gelungen - der Nachwuchs dürfte an dem Spiel genauso viel Spaß haben wie ältere Semester. Zudem sind keine Vorkenntnisse - weder von Mario-Games noch des Vorgängers - nötig, um einzusteigen. Auch die Rätsel sind leicht, aber motivierend. Man nimmt die wunderbar lebendige Umgebung unter die Lupe, um weiterzukommen: Blumen kann man durch Gießen zum Wachsen bringen, um neue Levelbereiche zu erkunden, Ventilatoren oder Kronleuchter geben durch Anpusten mit dem Staubsauger ebenso Geheimnisse frei, wie man sie durch Ansaugen von Teppichen, losen Tapeten oder herumhängenden Kleidungsstücken aufspüren kann. Dazu kommen allerlei Geheimtüren, Aufzüge und hinterhältige Treppen.
Animationsreichtum macht Luigi lebendig
Ein Riesenlob haben sich die kanadischen Entwickler von Next Level Games für die durchweg hochwertige Präsentation verdient, beispielsweise die vielen Animationen und Eigenheiten von Luigi: Mal summt er die Hintergrundmusik mit, mal zittert er vor Angst oder plumpst vor Schreck auf den Boden. Betritt er einen Raum mit Geistern, schleicht er vorsichtig weiter - verlässt er ihn, lehnt er sich kurz an die geschlossene Tür und atmet erst mal erleichtert durch. Das sorgt für Atmosphäre und dafür, dass Luigi dem Spieler binnen Minuten ans Herz wächst.
Technik überzeugt
Auch die liebevolle Comic-Optik von Professor I. Gidd und den Geistern, die man ständig bei witzigem Unfug beobachten kann, trägt zur Stimmung bei. Die Technik steht dem in nichts nach, Licht- und Schatten- sowie Physikeffekte überzeugen genau wie die Animationen. Der 3D-Effekt fügt diesem Spiel übrigens - im Gegensatz zu den meisten anderen 3DS-Titeln - tatsächlich eine interessante Komponente hinzu, die mehr Tiefe verleiht und Spaß macht. Zudem gibt es, der Technik ebenfalls positiv anzumerken, in den Missionen keine nervigen Ladezeiten.
Zu viel Backtracking
Ein paar negative Seiten plagen "Luigi's Mansion 2" allerdings. So wird durch die Missionsstruktur teils übermäßiges Backtracking nötig, der Spieler muss viele Räume immer und immer wieder absuchen, um besondere Geister oder die oft sehr gut versteckten Secrets zu finden. Teils müssen ganze Missionen, die schon mal eine halbe Stunde dauern können, erneut gestartet werden.
Kein freies Speichern
Trotz der Sammelwut gibt es allerdings nur wenige Upgrades für Luigis Ausrüstung, was das Gefühl der Belohnung ein wenig abschwächt. Versteckte Extras, die besonders fleißigen Spielern weitere Komfortfunktionen bescheren, hätten das Backtracking attraktiver gestaltet. Stärker ins Gewicht fällt aber das Fehlen der Möglichkeit, frei zu speichern - man muss Missionen am Stück erledigen. Ein guter Begleiter für Bus und U-Bahn ist das Spiel daher eher nicht.
Hektische Steuerung und nervige Balanceakte
Auch die Steuerung ist suboptimal - sämtliche Tasten sind belegt, teils sogar doppelt, was besonders in den leicht hektischen Kämpfen gelegentlich zum Fingerkrampf führt. Lugt Luigi in den nächsten Raum oder balanciert über einen Balken - was zum Glück recht selten ist -, setzt das Spiel auf die Bewegungssteuerung des 3DS. Das gerät aufgrund der viel zu pingeligen Abstimmung bei den Balanceakten zum Nervenkrieg.
Schwache Handlung, eintönige Musik
Ebenfalls negativ fällt die äußerst bescheidene Rahmenhandlung auf, die nur wenige Charaktere aufzubieten hat. Schade, von witzigen Persönlichkeiten wie dem Professor, dem auch als Lebensretter fungierenden Geisterhündchen oder Toad hätten wir gern mehr gesehen. Auch die nette, aber sehr schnell eintönige Musik hätte mehr Zuwendung vertragen können.
Großer Spielumfang und witziger Multiplayer
Das alles sind jedoch angesichts des enormen Spielspaßes und des großen Spielumfangs von 15 bis 20 Spielstunden eher nebensächlich. Wer immer noch nicht genug hat, kann sich auch im spaßigen Koop-Modus - via LAN oder Internet - für bis zu vier Spieler vergnügen. Bei der Variante Download-Spiel genügt es sogar, wenn nur ein Spieler das Game besitzt. Diese werden in zufällig generierten Villen auf Geisterjagd geschickt, drei Modi stehen zur Auswahl.
Fazit: "Luigi's Mansion 2" ist einer der besten bisher erhältlichen 3DS-Titel. Überall gibt es etwas zu entdecken, Secrets zu finden, immer neue Umgebungen zu erforschen, mit dem Staubsauger können Blumen per Wasserkübel ebenso gegossen wie Ballons für Schwebeakte aufgeblasen werden. Luigi wächst dem Spieler dank seiner witzigen Eigenheiten sofort ans Herz, genau wie die schelmischen Geister, die ständig mit Schabernack beschäftigt sind. Trotz kleiner Schwächen eine unbedingte Empfehlung für 3DS-Besitzer und solche, die es werden wollen.
Plattform: 3DS
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 9/10
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