Während Hunde gechippt sein müssen, gilt dies bei Katzen nur im Zuchtbereich. Der Tierschutzverein für Tirol sieht hier ein großes Manko, das enormes Tierleid und Kosten für die öffentliche Hand verursache.
Zwei Monate irrte die entlaufene Katze Coco umher, bis sie – wie berichtet – jetzt im Motorraum eines Unfallautos in Innsbruck entdeckt wurde. Weil das Tier keinen Chip trug, dauerte es einige Tage, bis sich ihre verzweifelte Besitzerin fand. Mit Chip wäre die Wiedervereinigung viel früher möglich gewesen.
Heikel für die Streunerproblematik
„Die in Österreich fehlende Chip-Pflicht wirkt sich vor allem auf die Streunerproblematik fatal aus“, weiß Veronika Rom-Erhard, Obfrau des Tierschutzvereins für Tirol. Denn viele Streunerkatzen seien dadurch praktisch nicht zuordenbar. „So können wir die Kastrationspflicht nicht kontrollieren“, bedauert sie.
So können wir die Kastrationspflicht nicht kontrollieren.
Veronika Rom-Erhard, Obfrau Tierschutzverein für Tirol
Großes Tierleid ist eine der Folgen. Zudem würde sich laut Rom-Erhard die öffentliche Hand mit einer Chip-Pflicht viel Geld sparen. „Dann blieben die Kastrationskosten nicht bei den Tierheimen hängen.“ Der Chip alleine nütze aber nur bei ebenfalls verpflichtender Registrierung des Tiers in einer Online-Datenbank.
Bauern keine weiteren Auflagen zumuten
Die Chip-Pflicht verhindert hat die ÖVP – allen voran Tierschutzsprecher Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol. Er wollte den Bauern weitere Auflagen wie das Chippen von Katzen nicht zumuten. So fand die Chip-Pflicht keine Aufnahme in die Novelles des Tierschutzgesetzes.
Reglementierungen, Vorschriften, Zwänge – keiner mag das wirklich. Manchmal machen Vorschriften aber auch Sinn. Das verpflichtende Chippen von Katzen samt ebenso verpflichtender Registrierung in einer Datenbank fällt in diese Kategorie, eine entsprechende gesetzliche Verankerung wäre absolut zeitgemäß. Es gibt sie jedoch nur für Zuchtkatzen.
Dabei geht es um Tierwohl und darum, gefundene Samtpfoten schnell wieder zu ihren – meistens verzweifelten – Besitzern zu bringen. Den Miezen bereitet das Chippen keine Schmerzen, die anfallenden Kosten von 80 Euro für ein langes Katzenleben sind nicht zu hoch. Einen Nachteil hat keiner.
Umso bedauerlicher, dass sich viele noch sträuben, ihre Katzen zu chippen – unterstützt von VP-Tierschutzsprecher Josef Hechenberger. Er spricht von Reduzierung des bürokratischen Aufwandes für alle, meint aber in Wahrheit seine Bauern. Warum das Chippen ausgerechnet hoch subventionierten Landwirten nicht zumutbar sei, kann er freilich nicht schlüssig erklären. Vielleicht, weil somit die Kastrationspflicht ein zahnloser Stubentiger bleibt?
Das verpflichtende Chippen fiel aus der Tierschutznovelle, Hechenberger und die Bauern tragen am Leid der Streunerkatzen mit Schuld.
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